FLEISCHINDUSTRIE: KRISE ALS CHANCE FÜR EINEN GRUNDLEGENDEN WANDEL?

Der Corona-Ausbruch in einem Tönnies-Schlachthof in Nordrhein-Westfalen rückt Dimensionen der Fleischindustrie vor Augen, die sonst hinter den Wänden der Schlachthäuser verborgen und somit leicht zu ignorieren sind. Vergangene Woche wurden in der Fleischfabrik des Tönnies-Konzerns in Rheda-Wiedenbrück etwa 5.900 Mitarbeiter*innen auf Coronavirus getestet – erschreckenderweise über 1530 davon positiv. Um eine weitere Verbreitung zu vermeiden, wurde der Betrieb bis auf weiteres geschlossen. Mit Folgen für den ganzen Umkreis: Rund 7.000 Menschen befinden sich bereits in Quarantäne, das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh wird von den Behörden massiv eingeschränkt.

SCHLACHTHÖFE ALS CORONA HOT-SPOTS

Schon in den letzten Wochen und Monaten hatten hohe Ansteckungsraten Schlachthöfe als kritische Hotspots für die Ausbreitung von Covid-19 in Licht der Medien gerückt. Aufgrund der schwierigen Arbeitsbedingungen ist es in den Betriebshallen kaum möglich, die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Das Personal arbeitet zu großen Teilen am Fließband und ist gezwungen, eng beieinander zu stehen und zu arbeiten. Zudem wird vermutet, dass die kalte und feuchte Luft in den Räumen die Verbreitung des Virus fördert. Auch die Bedingungen außerhalb der Schlachträume sind höchst problematisch. Videos aus einer Kantine oder Personalunterkünften zeigen, wie viele Menschen auf engem Raum zusammenleben müssen, ohne sich richtig vor der Ausbreitung von Krankheitserregern schützen zu können. Gesundheitsrisiken, schlechte Bezahlung und Werkverträge von Arbeiter*innen aus Osteuropa – die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischindustrie stehen nun in der Kritik und endlich werden lange bestehende Missstände in der Industrie ausgesprochen: Für die Produktion von Fleisch werden Tiere und Menschen auf unfassbare Weise ausgebeutet und ihre grundlegenden Rechte missbraucht. 

FOLGEN FÜR DIE TIERE

In dem Tönnies-Schlachthof werden normalerweise jeden Tag 20.000 Tiere geschlachtet.  Sie werden nun an andere Schlachthöfe verteilt. Sollte der Schlachthof länger als 14 Tage lang geschlossen bleiben, könnte die Lage für das Wohl der Tiere kritisch werden. Denn schon bald wird die nächste Generation von Tieren nachkommen, die den Platz ihrer Vorgänger*innen einnehmen soll. Weibliche Schweine werden befruchtet und junge Ferkel werden geboren. Wird die “Produktionskette” für längere Zeit unterbrochen, reichen Belüftung, Temperaturregelung, Futter- und Platzangebot in den Ställen nicht aus. Ohnehin unzureichende Tierschutznormen können dann kaum mehr eingehalten werden. Matthias Quaing, Marktreferent der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland, zufolge, sei der Stau in den Ställen jedoch gemäß Tierschutzgesetz kein “vernünftiger Grund”, die Schweine vorzeitig zu töten, ohne ihr Fleisch zu verarbeiten. 

Die Corona-Krise betrifft überall auf der Welt auch die Tiere in der Industrie. Aufgrund infizierter Schlachthofmitarbeiter*innen mussten auch in den USA bereits viele Schlachthöfe schließen und Farmer sahen sich vielerorts gezwungen, die Tiere auf andere Weise “loszuwerden”: Am billigsten ist es für sie, Schweine, Hühner oder Rinder zu töten und direkt zu entsorgen. Jede Woche werden daher alleine in Nordamerika Hunderttausende Schweine getötet und weggeschmissen.

TIERE ALS PRODUKTE – EIN UMDENKEN IST LÄNGST ÜBERFÄLLIG

Der Corona-Ausbruch und die damit verbundene Schließung von Schlachthöfen rückt die unglaublichen Dimensionen der Tierindustrie vor Augen. In “Fleischfabriken” werden Tiere in Massen gezüchtet und von Lebewesen in Produkte verwandelt. Tierische Lebensmittel sind längst kein Delikatesse mehr. Statt einmal die Woche zum Sonntagsbraten, landen sie bei den meisten Deutschen jeden Tag, häufig sogar bei jeder Mahlzeit auf dem Teller. 

Längst wurden Tierarten so gezüchtet, dass sich möglichst viel Profit aus ihnen schlagen lässt. Ihre Körper, ihr ganzes Leben wird den industriellen Prozessen der Branche angepasst. Sie sind es, die den Preis für unseren Massenkonsum und die ständige Verfügbarkeit bezahlen: Schmerzen, Krankheiten, Entfremdung, Stress – ein Leben in Massentierhaltung ist kurz und qualvoll. Ob für Fleisch, Milch oder Eier gezüchtet, fast alle sogenannten “Nutztierarten” in konventioneller Haltung erreichen nur einen Bruchteil ihres natürlichen Lebensalters. Viele Tiere, die in den Schlachthöfen getötet werden, sind also noch Tierkinder. Doch in der Industrie gelten sie nur als Ware. Da es sich aus ökonomischer Sicht nicht lohnt, kranke Tiere zu betreuen und zu behandeln, verenden viele von ihnen bereits vor ihrer eigentlichen Schlachtung. Frühzeitiges Sterben ist unter den unnatürlichen Bedingungen der Massentierhaltung ein bedeutendes Problem: Allein acht Millionen Ferkel in deutschen Betrieben überleben ihre ersten Lebenswochen nicht. Damit Wurst, Fleisch Steak und Co. jeden Tag verfügbar sind, wird ihr Leben vollkommen entwertet. In Deutschland landen jeden Tag 123.290 Hühner, 11.230 Schweine, 7.400 Puten und 630 Rinder einfach in der Tonne. Verbraucher*innen werfen Unmengen von Fleisch weg, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten oder einfach im Überfluss gekauft wurde.

KRISE ÜBERWINDEN UND GEMEINSAM EINEN WANDEL GESTALTEN

Tierquälerei, unhygienische Zustände und schlechte Arbeitsbedingungen. Die Corona-Pandemie verschärft die Probleme, die in der Fleischindustrie keineswegs neu sind. Dabei bietet die aktuelle Krise zugleich eine Chance, unseren Konsum zu hinterfragen und Missstände nicht weiter zu ignorieren. Denn während die meisten Menschen schreckliche Bilder aus “Nutztierhaltung” und Schlachthöfen nicht sehen können oder sehen wollen, greift ein Großteil von ihnen regelmäßig zu billigen Fleischangeboten im Supermarkt. Doch ist es richtig, etwas zu essen, vor dessen Herstellung man aus vielen Gründen die Augen verschließen möchte? Um einen grundlegenden, positiven Wandel zu schaffen, ist es an der Zeit, uns bewusst zu machen, welche Verantwortung wir als Konsument*innen haben – den Tieren, Menschen und uns selbst gegenüber. Und es ist Zeit, unseren ethischen Wertvorstellungen gemäß zu handeln. 

SIE HABEN ES IN DER HAND

Mit jeder fleischlosen Mahlzeit können wir Tierleben retten, Wälder schützen und CO2 und Wasser einsparen. Eine tierleidfreie Ernährung bedeutet alles andere als Verzicht, im Gegenteil: Sie hat zahlreiche Vorteile für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Durch eine pflanzliche Ernährung Gutes zu tun, macht erwiesenermaßen glücklich. Und genau das ist heute so einfach, wie nie zuvor. Probieren Sie es aus! LoveVeg, unser Ernährungsprogramm, begleitet Sie dabei. Gehen Sie Schritt für Schritt und seien Sie Teil des Wandels hin zu einer besseren Welt!