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Unzureichende Tierschutzstandards für Fische in Indien

March 23, 2021

Eine neue Recherche von Animal Equality deckt die grausamen und illegalen Praktiken mit Fischen sowie die ineffiziente Nutzung wertvoller Ressourcen wie Wasser und Land in der indischen Fischindustrie auf.

Animal Equality untersuchte mehrere Fisch- und Garnelenfarmen, Brütereien sowie Fischmärkte in Westbengalen, Andhra Pradesh, Tamil Nadu und Telangana, die allesamt für ihre Produktion von Fischfleisch bekannt sind. 

Amruta Ubale, Senior Director of Public Affairs bei Animal Equality, sagt: “Indien trägt zu etwa 6,3 % der weltweiten Fischproduktion bei, doch in der Fischerei und in der Fischzucht – die immer mehr kommerzialisiert werden – werden grausame Praktiken angewendet.”

Die Recherche deckte auf:

  • Der Kreislauf der Grausamkeit beginnt mit dem sogenannten “Fischmelken”, bei dem die Eier eines weiblichen Fisches mit der Hand herausgepresst werden. Die Fische leiden während dieser Prozedur unter unerträglichen Schmerzen, Traumata und Stress. Die Jungfische werden in kleine Plastiksäcke verpackt und zu den Farmen transportiert.
  • Tausende von Fischen werden in kleinen Teichen gezüchtet – überfüllt und prädestiniert für die Verbreitung von Krankheiten. Die Fische leiden aufgrund der Enge unter Stress, Aggression und körperlichen Verletzungen wie Flossenschäden. Die Überbelegung kann auch zu einer schlechten Wasserqualität führen, so dass die Fische weniger Sauerstoff zum Atmen haben.
  • In den Fischfarmen erhalten sie Futter, das mit Antibiotika belastet ist. Dieser eklatante und unregulierte Einsatz von Antibiotika trägt zu einer Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei den Tieren und Verbraucher*innen bei. Indien wird als eines der Länder mit den stärksten Antibiotikaresistenzen eingestuft. 
  • Die natürliche Lebensspanne von Karpfen kann bis zu 20 Jahre betragen, doch in der Fischzucht werden sie innerhalb eines Jahres geschlachtet.
  • Wenn sie aus dem Wasser genommen werden, versuchen die Fische verzweifelt, zu entkommen und ins Wasser zurückzukehren. Die traditionelle Methode zum Töten von Zuchtfischen besteht darin, sie zu ersticken, indem sie aus dem Wasser geholt oder auf Eis gelegt werden, was zu einem langsamen und qualvollen Tod führt.
  • Einige Fischarten, wie der Wels, werden am Leben gehalten und auf dem Markt geschlachtet. Das Verladen, der Transport und das Entladen sind sehr stressige Prozesse für diese Fische. Viele von ihnen sterben während der Reise. Auf dem Markt werden einige von ihnen in Eimern mit seichtem Wasser gehalten. 
  • Etwa 25 % der wild gefangenen Fische werden in Form von Fischmehl an Zuchtfische verfüttert, was zu einer raschen Verknappung der wilden Fischarten in den Ozeanen, Meeren und Flüssen führt. 

Kinderarbeit

  • Bei der Produktion von Fischfleisch werden darüber hinaus auch Menschenrechte verletzt. So wurden Kinder beim Schlachten von Fischen beobachtet. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Kinder, die solchen schrecklichen Grausamkeiten ausgesetzt sind, desensibilisiert werden gegenüber dem Leid von Tieren und Menschen. Zudem ist dies ein eklatanter Verstoß gegen die Gesetze zum Verbot von Kinderarbeit. 

Ineffiziente Nutzung von Wasser 

  • Fischfarmen wenden wasserintensive Praktiken an und pumpen große Mengen an Grundwasser ab, das aus Flüssen wie Krishna, Godavari und Kaveri stammt. Ein typischer ein Hektar großer Teich mit einer Tiefe von 1,5 m benötigt über 6 Millionen Liter Wasser pro einmaliger Füllung. In Anbetracht des drohenden Klimawandels könnten diese Flüsse in naher Zukunft austrocknen oder ihren Lauf ändern, was zu einer drastischen Verringerung des Grundwasserspiegels in der Region führen würde. 

Wasserverschmutzung

  • Bei der Fischzucht entstehen sowohl feste Abfälle, zu denen Haut, Eingeweide, Fischköpfe und Kadaver gehören, als auch flüssige Abfälle wie blutiges Wasser sowie Sole aus abgelassenen Lagertanks und Wasserabfluss beim Waschen und Reinigen. 

Landdegradation

  • Die Fischerei und die Aquakulturfarmen benötigen große Flächen. Sie werden meist in Gebieten mit reichlich Wasser errichtet. Natürlich sind solche Gebiete aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Wasser am besten für die Landwirtschaft geeignet. Allerdings werden heute Tausende von Hektar fruchtbaren Landes in Wasserflächen umgewandelt. Dies hat den landwirtschaftlichen Ertrag dieser Gebiete verringert und bedroht auch die Ernährungssicherheit der Region.

Fische, die den Markt erreichen, werden unter sehr unhygienischen Bedingungen verkauft. Sie werden in Behälter geworfen und mit Eis bedeckt, während sie noch bei vollem Bewusstsein sind. Ihre Kiemen werden ohne vorherige Betäubung abgeschnitten, was dazu führt, dass sie schmerzvoll verbluten. Oft werden sie auch in offene Behälter gelegt, wo sie ersticken, so wie wir im Wasser ersticken würden – langsam und qualvoll. 

Amruta Ubale fügt hinzu: 

“Animal Equality hat diese Recherche der indischen Regierung vorgelegt, zusammen mit einer Liste von Empfehlungen, um das Leiden der Fische zu verringern. Einige dieser Empfehlungen beinhalten die Bereitstellung von angemessenem Platz, die Verpflichtung zur tierärztlichen Versorgung, die Betäubung von Fischen vor dem Schlachten und die Unterbindung des Transports und Verkaufs von lebenden Fischen. 

Das Ziel des “Prevention of Cruelty to Animals Act” von 1960 ist es, zu verhindern, dass Tieren unnötige Schmerzen oder Leiden zugefügt werden. Die Verfassung besagt zudem, dass die Tierhaltung nach modernen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten gestaltet werden sollte. Wir sind daher zuversichtlich, dass die Regierung unsere Empfehlungen berücksichtigen wird.”

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Indien

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