VERBOT DER FERKELKASTRATION BEGÜNSTIGT MASSENTIERHALTUNG?

Ab dem 1. Januar 2021 dürfen Ferkel in Deutschland nur noch mit vorheriger Betäubung kas­triert werden. Trotz langer Übergangsfrist gibt es noch immer Landwirt*innen, die sich dagegen wehren. 

HÖCHSTE ZEIT

In Deutschland sollte eigentlich ab dem 1. Januar 2019 das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration in Kraft treten. Die Parteien CDU/CSU, SPD und AfD stimmten jedoch auf den Druck des Bauernverbandes hin für den Aufschub des Gesetzes ㇐ und zeigten damit ihre Nähe zur Tierindustrie. Männliche Ferkel müssen daher nach wie vor in den ersten Tagen ihres Lebens qualvolle Schmerzen erleiden. In anderen Ländern Europas wird der Einsatz von Narkosemitteln längst erfolgreich praktiziert. In Deutschland sei die Narkose laut vieler Schweinehalter*innen zu teuer und aufwendig.  

KLEINERE BETRIEBE STERBEN?

Ab Januar 2021 dürfen Betriebe also Ferkel nicht mehr ohne Narkose kastrieren. Dem bayerischen Bauernverband zufolge würde dies das Ende für viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe bedeuten. Das Narkosegerät kostet mehrere Tausend Euro. Das lohne sich für Schweinemäster*innen nicht, die mit einem Schwein nur fünf bis zehn Euro verdienen. Größere Mastbetriebe könnten sich solche Geräte hingegen leisten, wodurch letztendlich die Massentierhaltung gefördert würde. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will daher alle Betriebe mit bis zu 5.000 Euro unterstützen. 

ALTERNATIVEN 

Längst gibt es Alternativen, die den Tieren weniger Schmerz zufügen. Doch gerade bei den weniger tierquälerischen Methoden stößt man auf Widerstand seitens der Schlachtbetriebe. Eine alternative Methode ist zum Beispiel die sogenannte Immunokastration, bei der die Tiere zweimal geimpft werden. Auch die Mast mit einer DNA-Variante oder eben die Kastration unter Narkose ist in anderen Ländern schon Standard. Warum braucht Deutschland so lange, um den Ferkeln dieses unnötige und unvorstellbare Leid zu ersparen?

GESCHMACK UND PROFIT ÜBER LEBEN

In Deutschland werden dieses Jahr also noch rund 20 Millionen männliche Ferkel ohne jegliche Schmerzlinderung kastriert. Der Grund für diesen schmerzhaften Eingriff ist das Geschmackserlebnis für uns Menschen: Nicht kastrierte Ferkel entwickeln einen Geruch und Geschmack, den die Menschen unappetitlich finden. Obwohl in Paragraph 5 des deutschen Tierschutzgesetzes  ein schmerzhafter Eingriff bei einem Wirbeltier ohne Betäubung verboten wird, werden zahlreiche Ausnahmen gemacht, zum Beispiel eben bei wenige Tage alten Ferkeln. 

Geschmack und Profit sind keine Rechtfertigungen für das Leid, das wir Milliarden von Tieren zufügen. Während Landwirt*innen davon sprechen, wie ihre Betriebe “sterben”, sind es in Wirklichkeit die Tiere, die ihr Leben und damit alles, was sie je besaßen, verlieren. Entscheiden Sie sich heute gegen Tierleid und ersetzen Sie tierische Produkte mit pflanzlichen Alternativen. Auf den guten Geschmack müssen Sie dabei keineswegs verzichten.

Quellen:
Bayerischer Rundfunk (12.08.2020): “Ferkelkastration: Bund fördert weitere Narkosegeräte”
Deutschlandfunk (25.06.2020): “Schlachtunternehmen blockieren Regelungen für mehr Tierwohl”
Tierschutzbund: “Ferkelkastration”