Wem nützt das staatliche Tierwohllabel?

Damit die Industrie mehr Profit erzielen und Schweine eine vermeintlich bessere Haltung genießen können, plant Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein staatliches Tierwohllabel einzuführen. Dieses Tierwohllabel unterteilt sich in drei Qualitätsstufen, bei der jede Stufe über dem gesetzlichen Mindeststandard liegt. Die Einstiegsstufe soll damit bereits bessere Bedingungen garantieren, die Premiumstufe sogar deutlich bessere Haltungsbedingungen. Allerdings soll das staatliche Tierwohllabel vorerst nur für Schweine gelten.

Um die verschiedenen Qualitätsstufen unterscheidbar zu machen, wurden 14 Vorgaben festgesetzt. Darunter fallen zum Beispiel für den Transport eine Höchstdauer der Fahrt von acht Stunden. Für die Aufzucht im Stall soll es bei Stufe 1 27 % mehr, bei Stufe 2 47 % mehr und bei Stufe 3 100 % mehr Platz für die Tiere geben. 27 % mehr Platz bedeuten jedoch real trotzdem nur 0,9 m² Fläche. Die höchste Qualitätsstufe sichert dabei nur 1,5 m² Platz im Stall. Zum Vergleich: ein ausgewachsenes Schwein kann bis zu 2 m lang und 300 kg schwer werden. Immerhin, die betäubungslose Ferkelkastration wird bei allen Qualitätsstufen verboten und das Kupieren der Schwänze soll eingeschränkt werden.

Das Gewissen beruhigen

Das Tierwohllabel ermöglicht es der Industrie Tiere aus vermeintlich besserer Haltung teurer zu verkaufen. Da immer mehr Menschen darauf achten, ihr Fleisch aus verantwortungsvollen Quellen zu beziehen, seien sie angeblich auch eher bereit mehr zu zahlen. Fleisch aus der Einstiegsstufe soll ungefähr 20 % teurer werden. Praktisch wird das Interesse an mehr Tierwohl bei den Kaufentscheidungen trotzdem zugunsten des Geldbeutels ignoriert: günstige Fleischprodukte aus industrieller Tierhaltung verkaufen sich, trotz der angeblichen Bereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher zur Investition in Tierschutz, am besten.

Für die Kundinnen und Kunden bietet das staatliche Tierwohllabel zwar genauere Vergleichsmöglichkeiten, da das Label auch ladenübergreifend einheitlich gehalten ist; die Haltungsbedingungen für die Tiere sind jedoch selbst bei der höchsten Qualitätsstufe weiterhin unzureichend. Das Tierwohllabel soll den Verbraucherinnen und Verbrauchern das Bild von glücklichen Schweinen suggerieren. Faktisch geht es jedoch nicht um das Tierwohl., sondern lediglich darum, das Gewissen beim Kauf von Fleisch zu beruhigen.

Die Einführung des staatlichen Tierwohllabels ist für 2020 geplant. Allerdings ist die Teilnahme am Label freiwillig, sodass für die Mehrheit der Tiere keine verbesserten Haltungsbedingungen in Sicht sind.

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Quellen:

  1. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. „Staatliches Tierwohlkennzeichen für Schweine: Klöckner stellt Kriterien vor„.
  2. Süddeutsche Zeitung. „Das sind die Pläne für ein staatliches Tierwohllabel„.