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‘Meine erste Begegnung mit Foie Gras verfolgt mich noch immer’


In unseren vergangenen Beiträgen auf diesem Blog haben wir ein umfassendes Bild des ‘Luxuslebensmittels’ Foie Gras gezeichnet. Dafür haben wir die Stopfleberproduktion unter verschiedenen Aspekten betrachtet. Wir haben die Europäische Gesetzgebung und aktuelle Entwicklungen im EU-Parlament diskutiert und zu diesem Anlass auch grundsätzlich erklärt, wie wir politische und rechtliche Kampagnenarbeit betreiben und was für eine Strategie wir dabei verfolgen. Wir haben erklärt, warum überhaupt noch Stopfleber produziert wird und wie die Stopfleberindustrie Verbraucher*innen belügt. Außerdem haben wir eine tiermedizinische Perspektive auf die Zwangsfütterung präsentiert. Wir haben auch über unsere Erfolge im Kampf gegen die Stopfleberproduktion gesprochen, die wir vor allem durch unsere Undercover-Recherchen erreicht haben. Und wir haben vor allem erklärt, wie unsere Kampagne zu dem Ziel führen soll, die Zwangsfütterung in der EU zu beenden.

In diesem Beitrag lassen wir unseren Internationalen Direktor für Undercover-Ermittlungen Sean Thomas zu Wort kommen. Er hat vor 25 Jahren zum ersten Mal auf einem Stopfleberbetrieb ermittelt. Hier berichtet er von dieser Erfahrung:


Bevor ich von meiner Erfahrung auf einem Stopfleberbetrieb berichte, möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Sean Thomas, der internationale Direktor für Undercover-Ermittlungen bei Animal Equality. Ich habe selbst als Ermittler Jahre damit verbracht, einige der schlimmsten Grausamkeiten zu dokumentieren, die von der landwirtschaftlichen Tierhaltungsindustrie praktiziert werden. 

Ich habe in Tierhaltungsbetrieben gestanden, im Dunkeln, und die Luft eingeatmet, die so voller Ammoniak war, dass einem schlecht wurde. Ich habe gesehen, wie Mütter von ihren Babys getrennt wurden. Und ich habe die Tiere um Hilfe schreien hören und ihre Verzweiflung miterlebt, wenn keine Hilfe kommt. Die Undercover-Ermittlung ist eine schwierige Aufgabe und nur wenige Menschen wollen sie annehmen. Und ja, ich finde es auch manchmal unerträglich, Zeuge dieser Zustände zu werden. Aber meine Erfahrungen sind nichts im Vergleich zu dem Leiden der Tiere.

Tierschutz findet mittlerweile in der Öffentlichkeit mehr Beachtung denn je. Und auch immer mehr Firmen und Konzerne ändern ihre Unternehmenspolitik. Wir als Ermittler*innen müssen uns weiterhin dafür einsetzen, die Zustände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung überall aufzudecken und der Allgemeinheit einen transparenten Einblick in die landwirtschaftliche Tierhaltung zu geben. Einen Einblick, den die Fleischindustrie vor den Menschen verstecken will.

Deshalb bin ich heute hier, um von meiner ersten Erfahrung auf einer Stopfleberfarm zu erzählen. Und vor allem, warum sie mir auch 25 Jahre später noch so lebhaft in Erinnerung geblieben ist.

Stopfleber wird von manchen Menschen als “Luxusgut” gesehen. Eine seltene und teure Delikatesse. Doch sie ist nicht einfach nur ein Luxuslebensmittel, ganz im Gegenteil: Die in der Stopfleberproduktion angewendete Zwangsfütterung gehört zu den grausamsten heute noch genutzten Methoden der Fleischindustrie. 

Während meiner verdeckten Ermittlungen bewarb ich mich auf eine Stelle in einer großen Stopfleberfarm in den USA. Der Betriebsleiter führte mich durch den Betrieb. Überall waren Enten, Hunderte, in kleine Ställe gepfercht. Sie waren mit nassem, gelbem Getreidebrei verschmiert, den sie nach ihrer Zwangsfütterung auf sich erbrochen hatten. Ich habe sofort gesehen, dass viele der Enten durch den Einsatz der langen Metallröhren verletzt waren. Einige hatten sogar gebrochene Schnäbel und Schwellungen, die ihre Kehle verstopften.

Nachdem der Betriebsleiter mir gezeigt hatte, wo und wie die Vögel gehalten werden, gingen wir in den Schlachtbereich. Die Enten wurden in großen Kisten hergebracht, viele von ihnen schnappten dabei nach Luft, andere waren still und ließen schweigend ihre Hälse hängen. Sie schienen sich ihres Schicksals bewusst. Die Enten wurden bei vollem Bewusstsein an ihren zusammengebundenen Füßen aufgehängt. Dann wurden ihre Kehlen aufgeschlitzt. Der Betriebsleiter erzählte mir, dass es 17 Minuten dauert, bis das Blut vollständig aus dem Körper abgeflossen ist. Während der Betriebsleiter mir das erklärte, wurde ein weiterer Vogel aufgehängt und geschlachtet, während ich die anderen im Hintergrund hören und sehen konnte. Es ist genau dieses Bild, das mich immer noch verfolgt.

Die Stopfleberindustrie bemüht sich nach wie vor, eine große Unbekannte zu sein, über die viele Menschen nichts wissen. Denn obwohl Stopfleberprodukte hauptsächlich für wohlhabende Menschen hergestellt werden, profitiert die Fleischindustrie stark von ihrer Produktion und Vermarktung – es werden weltweit über 20.000 Tonnen pro Jahr produziert, die in Europa zu einem Kilopreis von etwa 100 Euro verkauft werden können. 

Doch wir wehren uns entschieden gegen die Täuschungsmanöver der Stopfleberindustrie! Die Unterstützung unserer großzügigen Spender*innen ermöglicht es unserem Recherche-Team, weiterhin verdeckt zu arbeiten und so die Transparenz herzustellen, mit der wir die Fleischindustrie zur Rechenschaft ziehen können. Unsere Ermittlungen sind von besonderer Bedeutung für die Aufklärung der Öffentlichkeit. Nur so können wir es schaffen, die Zwangsfütterung endgültig abzuschaffen.

Ich möchte ehrlich sein: Unsere Arbeit und unser Einsatz für die Tiere ist ohne die großzügigen Spenden unserer engagierten Unterstützer*innen nicht möglich. Du trägst maßgeblich zu unseren Erfolgen für die Tiere bei. Und dafür sind wir über alle Maße dankbar.

Wir können eine der grausamsten Methoden in der Lebensmittelproduktion nicht länger ignorieren und zulassen, dass sie ungehindert fortgesetzt wird. Wir sind es den Tieren schuldig, die heutzutage zur Stopfleberproduktion eingesperrt sind und zwangsgefüttert werden.

Ich danke jedem einzelnen Menschen, der sich die Zeit nimmt, meine Geschichte zu lesen. Die Rettung der Leben dieser Tiere, aber auch das Mitgefühl und die Unterstützung unserer Verbündeten treiben mich in meiner Arbeit als Ermittler jeden Tag weiter voran.

In Solidarität
Sean


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