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Unser internationaler Undercover-Einsatz gegen Zwangsfütterung


Trotz der internationalen Fortschritte, die wir bisher für die Enten und Gänse in der Stopfleberindustrie erreicht haben, gibt es jetzt mehr denn je zu tun. Denn nachdem das Europäische Parlament im vergangen Sommer die EU-Kommission aufgefordert hatte, “umgehend Vorschläge für ein sofortiges Verbot der grausamen und unnötigen Zwangsfütterung von Enten und Gänsen zur Erzeugung von Stopfleber vorzulegen”, machte es Mitte Februar eine Rolle rückwärts und schätzte die Stopfleberproduktion als tierschutzkonform ein. Der wichtigste Hebel, der jetzt für die betroffenen Enten und Gänse in Bewegung gesetzt werden kann, ist die Meinungsäußerung der Bevölkerung. Denn nur mit ausreichend großem und öffentlichem Druck auf die Entscheidungsträger*innen können wir es schaffen, diese Entscheidung erneut umzukehren und das zu erreichen, was eine EU-Richtlinie von 1999 schon hätte erreichen sollen – das Ende der Zwangsmast in der Europäischen Union.

Dieser öffentliche Druck kann nur erzeugt werden, wenn die Menschen erfahren, wie die Enten und Gänse in der Stopfleberindustrie behandelt werden. Und deshalb werden wir auch nicht aufhören, weiter über die auch heute noch realen Zustände in der Stopfleberproduktion aufzuklären. Denn unsere Undercover-Recherchen zeigen immer wieder systematische Verstöße gegen den Tierschutz, und zwar in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Tierhaltung.

UNSERE UNDERCOVER-RECHERCHEN SCHAFFEN TRANSPARENZ

Ohne diese Transparenz, die die Tierhaltungsindustrie nie freiwillig herstellen wird, können Menschen nicht die bewussten Kaufentscheidungen treffen, die sie eigentlich treffen möchten. Deshalb braucht es ein Gegengewicht, dass die Täuschungsmanöver der Fleischindustrie als eben diese entlarvt und die tatsächlichen Bedingungen in Tierhaltungsbetrieben ohne Beschönigung zeigt. Und deshalb haben wir seit unserer Gründung 2006 international die Zustände in über 800 Tierhaltungsbetrieben und Schlachthöfen dokumentiert und mit Hilfe der Aufnahmen aus diesen Einsätzen in 2021 allein 19 Undercover-Recherchen veröffentlicht. Wir sind Expert*innen auf diesem Gebiet: Alle unsere internationalen Direktor*innen haben selbst solche Recherchen in Schlachthöfen und Tierhaltungsbetrieben durchgeführt.

“Die Fleischindustrie arbeitet so intensiv und effektiv daran, die Zustände in landwirtschaftlichen Tierhaltungsbetrieben zu verstecken und das Tierleid aus dem Bewusstsein der Menschen auszublenden, dass die tatsächliche Dokumentation eben dieser Zustände auf den ersten Blick wie eine Dramatisierung erscheint.”

Matteo Cupi, Vizepräsident von Animal Equality

Wir arbeiten nach dem Grundsatz, die Zustände in landwirtschaftlichen Tierhaltungsbetrieben zu zeigen wie sie sind, ohne auf Sensationalismus und Übertreibungen zurückzugreifen – das ist auch bei den Zuständen, die wir in den Betrieben vorfinden, gar nicht notwendig. Wir müssen keine Bilder aus dem Kontext reißen, denn unsere Videos zeigen keine Ausnahmen, sondern Zustände, die uns immer und immer wieder begegnen. Außerdem veröffentlichen wir diese Aufnahmen nicht leichtfertig und immer erst nach ausführlicher vorheriger Prüfung, da unsere Reputation für ehrliche und gründliche Recherche-Arbeit für uns von großer Bedeutung ist.

Aus diesem Grund sind gerade die Aufnahmen, die wir in Stopfleberbetrieben gemacht haben, besonders erschreckend.

Im Jahr 2012 haben Ermittler*innen von Animal Equality vier “traditionelle” Stopfleberbetriebe im Südwesten Frankreichs und fünf solcher Betriebe in Katalonien in Spanien besucht. Dabei haben wir Dutzende Stunden Video- und Audiomaterial und mehr als 500 Fotos aufgenommen und so ein umfassendes Bild der Lebensrealität der Enten und Gänsen aufzeigen können, die in Frankreich und Spanien zur Stopfleberproduktion eingesperrt und zwangsgefüttert werden: Die Aufnahmen zeigen Enten, die in kleinen Käfigen eingesperrt sind, in denen sie sich nicht einmal umdrehen können. Enten, die sich aufgrund der Größe ihrer Lebern nur schwer bewegen können. Enten mit deutlichen Anzeichen von Stress und Depression, die sich übergeben, dreckig sind und offene Wunden haben, und Anzeichen von Entzündungen der Speiseröhre – erkennbar an Blutflecken auf den Zwangsfütterungsröhren. Enten mit offensichtlichen Atemproblemen. Enten, die sich ihrer Situation zum Zeitpunkt der Schlachtung voll bewusst zu sein scheinen, die unaufhörlich flattern, um sich treten und bluten. Und all das während Arbeiter*innen in den Betrieben die Tiere offensichtlich grob behandeln. Aber sieh es dir selbst an:

Was uns noch einmal mehr schockiert hat: Einer der untersuchten Betriebe beliefert das Unternehmen Collverd, das dem damaligen Präsidenten der spanischen Stopfleberindustrie (Interpalm) gehörte. Das zeigt, wie wenig Bedeutung selbst hohe Funktionäre dieses Industriezweiges dem Wohl der ihnen ‘anvertrauten’ Tiere wirklich beimessen.

Im Rahmen einer anderen Recherche im Jahr 2018 haben wir auch einen Stopfleberbetrieb in Frankreich besucht, der sogar öffentliche Führungen durch den Betrieb angeboten hat –  “La Ferme Turnac”. Zum Besuch dieses Betriebs wurden wir von Schauspieler und Tierschützer Peter Egan und der TV-Tierärztin Emma Milne begleitet. Und auch in diesem Betrieb haben wir, trotz der Erlaubnis, den Betrieb zu besichtigen, Enten und Gänse in kargen Drahtkäfigen vorgefunden, deren Leiden durch ihr ständiges Hecheln und nach Luft schnappen offensichtlich war. Auch unsere dort aufgenommenen Videos und Bilder zeigen, wie verängstigt die Vögel während der Zwangsfütterung sind – während sie versuchen, sich gegen die rücksichtslos in ihre Kehlen gesteckten Metallröhren zu wehren. Die vermeintliche Transparenz dieses Betriebs hat für die Tiere keine nennenswerten Vorteile.

“Die Lautäußerungen machen deutlich, dass es sich um eine äußerst unangenehme Erfahrung handelt. Doch wenn das hier das ist, was sie einem gerne zeigen, dann möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es in einigen der noch schlimmeren Farmen aussieht.”

Emma Milne, Tierärztin

Denn der massive Eingriff in die Selbstbestimmung der Tiere, zumal unter Schmerzen, findet auch dort statt – es gibt keine tiermedizinisch und moralisch akzeptable Zwangsfütterung, außer in Einzelfällen bei medizinischer Indikation.

UNSERE UNDERCOVER-RECHERCHEN ZEIGEN SYSTEMATISCHES LEID  

Diese Auswahl an Eindrücken aus Stopfleberbetrieben sind keine Einzelfälle, sondern die Lebensrealität von Millionen von Enten und Gänsen. Bei allen unseren Undercover-Recherchen in Stopfleberbetrieben haben wir immer und überall die gleichen Bilder gesehen: Verletzte Vögel mit gebrochenen Schnäbeln, wegen der Überfütterung hechelnde Vögel, verdreckte Vögel in engen Käfigen, Vögel mit kahlen Stellen und aufgedunsene Vögel, die nicht mehr aufstehen konnten. 

Diese Prozedur findet in der EU jedes Jahr millionenfach statt. Die Enten und Gänse in der Stopfleberproduktion brauchen deine Hilfe und Unterstützung und auch wir können den Kampf für die Tiere nicht ohne dich gewinnen! Sofern du unsere Petition zur Beendigung der Zwangsmast in der EU noch nicht unterzeichnet hast, kannst du dies jetzt über den nachfolgenden Link tun.

Solltest du unsere Petition bereits unterzeichnet haben, überlege, bitte, ob du uns – und damit den Enten und Gänsen in der Stopfleberindustrie – zusätzlich helfen kannst, indem du sie weiträumig teilst. Vielen Dank!


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