Lebendtiermärkte: WHO uneinig über Schließung

Peter Ben Embarek, WHO-Experte für Lebensmittelsicherheit und Tierkrankheiten, sagte auf einer Pressekonferenz, er sei nicht für eine Schließung der Lebendtiermärkte. Auf diesen Märkten werden lebende Tiere, einschließlich Wildtiere, verkauft und geschlachtet. Bei Animal Equality setzen wir uns dafür ein, die Problematik der Märkte weltweit offenzulegen. Der Lebendtiermarkt in Wuhan, China, wurde von Wissenschaftler*innen als möglicher erster Ausbruchsort von COVID-19 bezeichnet.

WARUM SIND DIE MÄRKTE EINE BEDROHUNG?

In diesem Punkt stimmt die Meinung vieler Expert*innen überein: Lebendtiermärkte sind eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Tiere unterschiedlicher Arten werden auf diesen Märkten in engen Käfigen gehalten. Dieses enge Zusammenleben zwischen Tieren verschiedener Arten und Menschen und die schlechte Hygiene gibt den Viren die Möglichkeit, von einer Art zur anderen zu springen, bis sie den Menschen erreichen.

Die Tiere werden in Käfigen zusammengepfercht und über große Entfernungen transportiert. Sie sind gestresst, geschwächt und übertragen Krankheitserreger. Mit all den Menschen, die den Markt besuchen oder dort arbeiten und die ständig mit den Körperflüssigkeiten dieser Tiere in Kontakt sind, bilden sie ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Krankheit.

    Prof. Andrew Cunningham, Die Zoologische Gesellschaft von London

SCHON ANDERE VIREN AUF LEBENDTIERMÄRKTEN ÜBERTRAGEN

Es ist zwar nicht mit Sicherheit bekannt, wie das COVID-19-Virus auf den Menschen übergegangen ist. Doch es besteht die Gewissheit, dass ein anderes Virus vom Typ Coronavirus den „Artensprung“ auf einem Lebendtiermarkt vollzogen hat: SARS ging von der Fledermaus auf die Zibetkatze über, und dann auf einem Lebendtiermarkt in China – wo Zibetkatzen verkauft und geschlachtet wurden – auf den Menschen. Trotz der von Forscher*innen in aller Welt geäußerten Besorgnis über den Ausbruch neuer schrecklicher Epidemien hat die chinesische Regierung nie wirklich Schritte unternommen, diese Märkte zu verbieten oder den – auch illegalen – Handel mit Wildtieren zu beenden.  

UNSERE PETITION

Jetzt, da die Welt mit einer globalen Pandemie konfrontiert ist, die wieder einmal mit diesen Märkten in Zusammenhang zu stehen scheint, ist es höchste Zeit, die Haltung lebender Tiere auf diesen Märkten und den Handel mit Wildtieren ein für alle Mal verbieten. Deshalb haben wir vor einiger Zeit eine Petition gestartet, in der wir die Vereinten Nationen um ein weltweites Verbot dieser Märkte bitten. Diese hat schon über 490.000 Unterschriften gesammelt. Hier können Sie die Petition unterschreiben.

NOCH SIND LEBENDTIERMÄRKTE OFFEN

Vor kurzem veröffentlichte die Organisation Peta Asia neue in Thailand und Indonesien gesammelte Bilder, die noch immer die Aktivität dieser Märkte zeigen. Die neuen Bilder zeigen immer noch schreckliche Zustände: Verstümmelte Tiere, die an Ort und Stelle ohne Hygiene- und Tierschutznormen geschlachtet werden, umgeben von einem Fluss aus Blut, Exkrementen und Schmutz. Trotz einiger Verbote und der offensichtlichen Gefahr für die gesamte internationale Gesundheit bleiben die Märkte weiterhin offen.

WHO UNENTSCHLOSSEN

Trotz des Risikos für die öffentliche Gesundheit, ganz zu schweigen von dem völligen Fehlen der Mindeststandards für den Tierschutz, sagte WHO-Experte Peter Ben Embarek, dass er die Schließung von Lebendtiermärkten nicht unterstützen werde. Dies ist eine sehr ernste öffentliche Erklärung, die in krassem Gegensatz zu dem steht, was von einer Reihe international renommierter Wissenschaftler*innen, wie zum Beispiel Dr. Anthony Fauci, gesagt wurde. Es muss sofort ein Prozess in Gang gesetzt werden, der zur Schließung dieser Märkte führt und der lokalen Bevölkerung eine alternative Lebensgrundlage bietet, die die Umwelt, die Tiere und die öffentliche Gesundheit schützt.

WIR MACHEN WEITER

Animal Equality hat einen offiziellen Brief an die Vereinten Nationen geschrieben mit der Bitte, sofort zu handeln, um dieses sehr ernste Problem zu lösen, ohne jedoch bisher eine Antwort erhalten zu haben. Unsere Kampagne wird weitergeführt, und wir werden unsere Arbeit für eine sicherere Welt fortsetzen. Das Problem hört nicht mit der Schließung von Lebendtiermärkten auf: Seit Jahrzehnten haben wir Hunderte von Zoonosen (vom Tier auf den Menschen übertragene Krankheiten) gezählt, die stetig zugenommen haben. Am häufigsten tauchten sie in den letzten 20 Jahren auf. Warum geschieht das alles? Indem wir Ökosysteme zerstören, natürliche Barrieren zwischen uns und wilden Tieren beseitigen, schaffen wir ideale Voraussetzungen für Krankheitsübertragungen. Wir erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, dass wilde Tiere mit uns oder gezüchteten Tieren in Kontakt kommen. Unser Konsumverhalten und unsere Ernährungsgewohnheiten haben verheerende Auswirkungen auf unseren Planeten. Auch Europa muss seinen Teil dazu beitragen: Gemeinsam mit 70 anderen europäischen Organisationen haben wir die Regierungen und die Europäische Kommission aufgefordert, den Handel mit Wildtieren in der gesamten Union zu verbieten. 

Unterschreiben und teilen Sie unsere Petition für ein Verbot der Lebendtiermärkte.