HÜHNER: KÜKEN KOMMUNIZIEREN SCHON IM EI

Hühner besitzen viele beeindruckende Fähigkeiten. Eine davon ist die Kommunikation: So verständigen sich die Vögel über mehr als 24 verschiedene Laute. Vor allem bei Hähnen scheint es manchmal, als könnten sie ihre Schnäbel nicht halten. Tatsächlich beginnen sie und ihre Schwestern schon als Küken im Ei mit der Außenwelt zu reden.

Ein Wunder im Ei

Nachdem die Henne ein befruchtetes Ei gelegt hat, bebrütet sie dieses hingebungsvoll. Schon nach 24 Stunden beginnt das Herz des Kükenembryos zu schlagen. Am vierten Bruttag sind auch Augen, Füße und Flügel zu erkennen. Eine Woche später ist die Entwicklung zwar schon fast abgeschlossen, jedoch füllt der Körper des Embryos noch nicht einmal die Hälfte des Eis aus. Etwa zu diesem Zeitpunkt nimmt er die Geräusche der Außenwelt wahr. So hört er die Glucklaute seiner Mutter und prägt sie sich ein. Ungefähr ab dem 19. Bruttag hört man das Küken im Ei piepsen. Auf diese Weise kommuniziert es schon vor dem Schlüpfen mit Mutter und Geschwistern und lernt diese kennen. Die Kommunikation vor dem Schlüpfen hilft dem Küken nicht nur, die Sprache der Hühner zu lernen und sich an seine Mutter zu gewöhnen, sondern unterstützt es zusätzlich dabei, sich zu einem gemeinsamen Schlüpfen mit den anderen Küken zu verabreden: Etwa am 21. Bruttag benutzen die Küken ihren sogenannten Eizahn, welcher sich an der Oberseite ihres Schnabels befindet, und arbeiten sich aus dem Ei heraus. Falls eines der Küken noch nicht so weit ist, warten die Anderen, sodass sie nach dem Schlüpfen zügig gemeinsam mit der Mutter das Nest verlassen können. 

Kükenschreddern und seine Alternativen

In der Eierindustrie lernen die Küken ihre Mutter nie kennen, da sie maschinell ausgebrütet werden. Direkt nach dem Schlüpfen entscheidet ihr Geschlecht, welches grausame Schicksal sie erwartet: Sind sie weiblich, so werden sie ein bis zwei Jahre mit zigtausenden anderen Hennen zusammengepfercht und müssen fast täglich ein Ei legen, was extrem kräftezehrend für sie ist. Danach werden sie geschlachtet. Ihre Brüder sind für die Eierindustrie ohne Nutzen, weshalb sie direkt nach oder teilweise sogar noch während des Schlüpfens geschreddert oder mit Gas getötet werden. In einigen Betrieben werden sie einfach lebendig weggeworfen. Dann werden die Küken durch das Gewicht der anderen Küken zerquetscht oder sie ersticken langsam. In Deutschland wurden im Jahr 2019 über 45 Millionen Küken auf diese Weise getötet. Zwar gibt es mittlerweile Verfahren, die das Geschlecht der Küken im Ei bestimmen können, diese werden aber noch nicht ausgiebig genutzt. Auch herrscht Uneinigkeit über die Frage, ob die Embryos zum Schmerzempfinden fähig sind.

Die kükenfreundlichste Lösung
Für die Küken ist es am schönsten, wenn sie von Anfang an bei ihrer Mutter in einer artgerechten Umgebung aufwachsen, wo sie nicht ausgebeutet werden und einfach leben können. Wenn weiterhin viele Menschen Eier essen wollen, werden auch weiterhin Küken von ihrer Mutter getrennt und getötet. Am schnellsten und wirksamsten können Sie sich für Küken einsetzen, indem Sie keine Eier mehr kaufen. Zudem ist es sinnvoll, Familie und Bekannte über die grausamen Praktiken in der Eierindustrie aufzuklären. Falls Sie sich fragen, wie man ohne Ei einen Kuchen backt, haben wir hier 11 Alternativen für Sie aufgelistet. Hier erfahren Sie, wie man Spiegel- und Rührei aus pflanzlichen Zutaten herstellen kann. Eine leckere Mahlzeit schmeckt umso besser, wenn sie ohne Tierleid zubereitet wurde.

Quellen:
Hühnerhof: “Küken im Ei?”, “Verhalten und Kommunikation”
Planet Wissen (19.09.2019): “Die Glucke”
Schaffhauser Nachrichten (10.04.2018): “Die ersten Lebenszeichen unserer Bibeli”
Spiegel (19.08.2016): “Warum Vögel mit ihren Eiern reden”
Tagesschau (11.04.2020): “2019 mehr als 45 Millionen Küken getötet”Top Agrar (19.04.2019): “Streit: Wann spürt der Küken-Embryo im Ei Schmerz?”