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Schweine im Kastenstand
Schweine im Kastenstand

So ist es, als Mutterschwein in der Zucht zu leben


Etwa 1,8 Millionen sogenannte Zuchtsauen werden in Deutschland im Laufe eines Jahres in der Fleischindustrie ausgebeutet. Sie werden immer wieder gezwungen, Ferkel zu gebären – nur damit Menschen sie töten und ihren Appetit auf Schnitzel, Wurst und Schinken stillen können. Wie muss es sein, ein Mutterschwein in diesem leidvollen System zu sein?

Die Zucht von Schweinen ist ein grausamer Kreislauf des Leids und endet immer mit einem gewaltvollen Tod.

Wie fühlt es sich an, in dieses System hineingeboren zu werden, ohne die Möglichkeit, dem zu entkommen?

Der einzige Grund, weshalb die Industrie dich „produziert“ hat: Auch du sollst Kinder gebären, immer wieder – damit die Industrie deine Kinder töten und als „Schweinefleisch“ verkaufen kann.

Du bist gerade einmal etwas älter als ein halbes Jahr. Dann wirst du das erste Mal in einen Metallkäfig getrieben – den sogenannten Kastenstand. Er ist so eng, dass du dich nicht einmal umdrehen kannst. Du bist gefangen auf diesem einen Fleck. Du kannst nur stehen oder dich hinlegen. Das war’s.

Dann wirst du zwangsbefruchtet. Wenn die Befruchtung nicht beim ersten Mal klappt, wird der Vorgang wiederholt.

Fast vier Monate lang bist du schwanger.

Schwein im Kastenstand
Foto: Andrew Skowron

Einen großen Teil deiner Schwangerschaft wirst du in einem Kastenstand fixiert. Alles ist trist, du hast keine Beschäftigung. Wochenlang kannst du dich kaum bewegen, geschweige denn andere natürliche Bedürfnisse ausleben.

Du bist eigentlich von Natur aus eine sehr fürsorgliche Mutter und kümmerst dich liebevoll um deine Kinder. Normalerweise würdest du für deine Ferkel ein Nest bauen. In der Fleischindustrie kannst du das alles aber nicht.

Du lebst auf kaltem, hartem Spaltenboden – Beton mit Schlitzen, durch die dein Kot und Urin fallen sollen. Deine Klauen sind verletzt und deine Gelenke schmerzen vom ständigen Stehen auf dieser rutschigen, harten Oberfläche.

Die Luft ist stickig. Durch die Güllekanäle unter dir steigt der beißende Ammoniakgeruch auf. Deine Atemwege werden davon verätzt, jeder deiner Atemzüge brennt.

Es ist laut, immer wieder schreien andere Schweine in der großen Halle. Reihe an Reihe fristet ihr euer Dasein.

Schweine in Kastenständen
Foto: Aitor Garmendia

Nachdem du die ersten Wochen deiner Schwangerschaft im Kastenstand verbringen musstest, kommst du einige Wochen vor deiner Geburt in den „Wartebereich mit Gruppenhaltung“. Auch dieser Bereich ist trist. Es gibt kaum Beschäftigungsmöglichkeiten und unter dir ist wieder Spaltenboden. Du lebst dicht aneinander gedrängt mit anderen schwangeren Schweinen.

Kurz vor der Geburt deiner Kinder wirst du dann in eine sogenannte Abferkelbucht getrieben. Für dich bedeutet das wieder mehrere Wochen im Kastenstand, ohne dich bewegen zu können. Um dich herum wieder zahlreiche andere Tiere, unter dir der harte Spaltenboden.

Du bringst dieses Mal vierzehn Ferkel zur Welt. Sie sind winzig und auf dich angewiesen. Sie suchen deine Wärme, deine Zitzen. Du willst dich um sie kümmern, ihnen Nähe und Fürsorge geben, aber du kannst es nicht. Du bist im Käfig gefangen.

Eines deiner Kinder stirbt nur wenige Stunden nach der Geburt. Es ist zu schwach und kommt nicht an deine Zitzen. Ihm fehlt Wärme und Nahrung, aber du kannst nichts tun. Die Metallstäbe verhindern, dass du dein Junges erreichst. Es stirbt alleine. Du musst dabei zusehen, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt.

Ferkel und Mutterschein

Du wurdest so gezüchtet, dass du möglichst viele Ferkel „produzierst“. Viel mehr, als du natürlicherweise bekommen würdest. Dadurch kommen viele Ferkel sehr klein und schwach zur Welt oder sie sind krank. Du kannst nicht genug Milch produzieren, um sie alle zu versorgen. Manche verhungern qualvoll.

Oder sie werden von den Arbeiter*innen „aussortiert“. Selbst wenn eine medizinische Behandlung möglich wäre – für die Betriebe ist es häufig günstiger, die betroffenen Ferkel zu töten, als sie zu versorgen.

Ein Mensch packt eines deiner Ferkel, du kannst nichts tun und musst hilflos dabei zuschauen. Er betäubt dein Kind und schlitzt ihm anschließend mit einem Messer die Kehle auf – es stirbt und wird in den „Müll“ geworfen.

Die Industrie nennt den Käfig, in dem du eingesperrt bist, „Ferkelschutzkorb“. Er soll die Ferkel davor schützen, von dir erdrückt zu werden. Doch die Realität ist, dass genau das immer wieder passiert. Denn du hast keine Möglichkeit, deinen Kindern auszuweichen.

Schwein mit Ferkeln im „Ferkelschutzkorb“
Foto: Andrew Skowron

Deine Kinder suchen in der kargen und kalten Umgebung der Abferkelbucht deine Nähe. Dabei läuft eines unter dir. Aber irgendwann hast du keine Kraft mehr, auf deinen schmerzenden Beinen zu stehen. Du musst dich hinlegen und erdrückst dabei versehentlich dein eigenes Kind. Du hast keine Wahl, du bist an diesem Fleck gefangen und kannst nicht einfach zur Seite gehen, wie du es natürlicherweise machen würdest.

Deinen Ferkeln werden von den Menschen noch viele schlimme Dinge angetan. Ihnen werden die Schwänze abgetrennt und die Eckzähne abgeschliffen. Alles ohne ausreichende Betäubung. Du hörst deine Kinder vor Schmerzen schreien – dein Herz zerreißt.

Ferkel in der Tierindustrie
Foto: Andrew Skowron

Nach nur maximal vier Wochen werden dir deine Ferkel weggenommen. Unter natürlichen Bedingungen würdest du sie bis zu 17 Wochen lang säugen – mehr als viermal so lang. Doch in der Industrie werden dir deine Kinder früh weggenommen, damit du schneller wieder trächtig wirst.

Einige deiner weiblichen Kinder erwartet dasselbe Schicksal wie dich. Alle anderen werden gemästet und ungefähr mit einem Alter von nur einem halben Jahr wegen ihres Fleisches getötet.

Für dich beginnt nach der Trennung von deinen Ferkeln der grausame Kreislauf wieder von vorne. Du bringst jedes Jahr mehr als zweimal Kinder auf diese grausame Welt.

Verletztes Schwein in der Tierindustrie
Foto: Andrew Skowron

Dein Körper wird durch diese leidvolle Prozedur immer schwächer. Du hast Schmerzen von der ständigen Milchproduktion. Deine Klauen sind verletzt und deine Gelenke entzündet durch die unwürdigen Haltungsbedingungen. Du hast offene Wunden an deinem Körper von dem ständigen Reiben an den harten Metallstangen deines engen Käfigs.

Irgendwann kann dein Körper die unnatürliche und extreme „Leistung“, die die Industrie von dir fordert, nicht mehr erbringen. Du wirst nicht mehr trächtig, oder die Anzahl deiner Kinder wird kleiner. Für die Industrie bist du dann nicht mehr „profitabel“.

Du könntest bis zu 15 Jahre alt werden, wirst von der Industrie aber bereits mit rund drei Jahren „aussortiert“ und getötet.

Schwein im Tiertransporter
Foto: Andrew Skowron

Zusammen mit anderen erschöpften Mutterschweinen wirst du auf einen Transporter getrieben. Deine Beine sind schwach. Die Rampe ist rutschig und steil. Manche Schweine stürzen, werden getreten, brechen sich die Beine.

Die Fahrt kann mehrere Stunden dauern, zusammengepfercht zwischen den anderen Tieren, ohne Wasser und Nahrung. Alles wackelt, immer wieder fällst du hin. Du weißt nicht, was als Nächstes passiert, und hast große Angst.

Dann hält der Transporter, ihr seid am Schlachthof angekommen. Menschen treiben dich und die anderen hinein. Du hörst die verzweifelten Schreie anderer Schweine und riechst das Blut der Tiere, die vor dir getötet wurden.

Dann bist du an der Reihe.

CO2-Betäubung von Schweinen

Du wirst mit anderen Schweinen zusammen in einer Gondel in einen dunklen Schacht hinuntergefahren. Er wird mit CO₂-Gas gefüllt. Es fühlt sich an, als würdest du ersticken. Du ringst panisch nach Luft, schreist um dein Leben und versuchst mit aller Kraft, aus dem Schacht zu entfliehen. Nach etwa einer halben Minute qualvollen Todeskampfes wird es schwarz um dich herum, du sackst zusammen.

Dein Leben endet einige Augenblicke später, als dir deine Kehle aufgeschnitten wird. Du hattest „Glück“. Einige andere Schweine sind nicht ausreichend betäubt. Manchen wird mit einem Bolzenschussapparat in den Kopf geschossen, um sie nachzubetäuben. Doch einige Tiere müssen den Kehlschnitt bei Bewusstsein erleben und verbluten qualvoll.

Es ist unvorstellbar, was Mutterschweine in der Fleischindustrie erleiden müssen.

Mutterschwein im Kastenstand

Die Wahrheit hinter „Schweinefleisch“

Wie grausam das Leben von Schweinen in der Fleischindustrie ist, haben wir schon zigfach bei Undercover-Recherchen aufgedeckt – so wie in einem der größten Schweine-Zuchtbetriebe Deutschlands. Hier erfährst du mehr über unsere Aufdeckungen und kannst unsere Petition unterzeichnen:

Wähle Mitgefühl und pflanzliche Alternativen

Entscheide dich gegen die Ausbeutung von Mutterschweinen und anderen Tieren. In jedem gut sortierten Supermarkt findest du zahlreiche pflanzliche Produkte, die du statt „Schweinefleisch“ zubereiten kannst.

Diese Basics eignen sich beispielsweise perfekt zum Selberkochen:

Seitan – perfekt für Schnitzel, Gyros, Gulasch
Räuchertofu – ideal als Speckalternative
Sojagranulat – für Bolognese, Chili, Hackfleischgerichte
Tempeh – fest, nussig, vielseitig einsetzbar
Jackfruit – gezupft für Pulled-Pork-Alternativen

Auf Love Veg findest du kostenfreie Tipps und Ideen für deinen Teller, wie diese sieben schweinefreundlichen Rezepte:

Erfahre mehr:

Auf unserer Webseite findest du viele weitere Informationen über Schweine, welche tollen Persönlichkeiten und Fähigkeiten sie haben und wie sehr sie in der Fleischindustrie leiden. Hier eine Auswahl unserer Beiträge:

Die Superkräfte und faszinierenden Persönlichkeiten von Schweinen

Der grausame Lebenskreislauf von Schweinen in der Fleischindustrie

Alles über Kastenstände und warum sie das Leben von Mutterschweinen zur Qual machen

So werden Schweine wirklich geschlachtet

Erfahre auch, wie es anderen Tiere in der Industrie ergeht:

So ist es, als Huhn in der Eierindustrie zu leben


Die Schilderungen in diesem Blogartikel sind ein Beispiel für verschiedene Schicksale von Mutterschweinen. Die beschriebenen Haltungsbedingungen und Zustände spiegeln den überwiegenden Standard in der deutschen „Schweinezucht“ wider sowie Situationen, wie wir sie bei unseren Undercover-Recherchen aufdecken.


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