Kükentöten verboten: Welche Probleme bleiben | mex

· 6 Minuten · Youtube

45 Millionen tote männliche Küken - das war die traurige Bilanz in Deutschland, jedes Jahr. Seit dem Jahreswechsel aber ist Kükentöten verboten, ein weltweit einzigartiges Gesetz. Nur funktioniert das überhaupt? Wie setzt die Geflügelwirtschaft das Gesetz um und was kommt bei Verbrauchern und Verbraucherinnen an?

Bild: IMAGO / agefotostock

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#küken #tierschutz #massentierhaltung

Categories Allgemein News & Politics
Tags Eierindustrie Eierproduktion Hühner Küken küken töten Kükenleid verhindern Kükenschreddern kükentöten kükentöten 2022 kükentöten alternativen kükentöten deutschland kükentöten eier kükentöten ende kükentöten geschlechtsbestimmung kükentöten gesetz kükentöten hessischer rundfunk kükentöten hr kükentöten hrfernsehen kükentöten mex kükentöten schredder kükentöten tierschutz kükentöten verbot kükentöten verboten kükentöten warum kükentöten wie männliche küken töten was bedeutet ohne kükentöten
Transcript (German — de-DE)

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##
In Deutschland werden keine
männlichen Küken mehr getötet.
Das ist jetzt Gesetz.
So gehören solche Bilder
der Vergangenheit an.
Aber:
Das Problem an dem Gesetz ist,
wir haben den zweiten Schritt
vor dem ersten gemacht.
Sie können eigentlich nur
bei Schaleneiern sicher sein,
die sie tatsächlich
im Supermarkt einkaufen
und die damit werben, das kein
Kükentöten stattgefunden hat.
MEX fragt, was kann
das neue Gesetz wirklich?
Wir schauen uns
die Alternativen zum Kükentöten an.
Und wir suchen nach Antworten,
u.a. bei Legehennenhaltern,
Handel und Verbraucherschützern.
Die gute Nachricht:
Seit Jahresbeginn steht es
auf jeder Eierpackung im Handel:
kein Kükentöten.
Und ja, Deutschland
ist Vorreiter mit diesem Gesetz.
Doch die Umsetzung
desselben hat so seine Tücken,
kritisieren
Tier- und Verbraucherschützer,
wie etwa Christiane Kunzel,
die sich seit Jahren mit dem
Thema Kükentöten beschäftigt.
Immerhin reden wir hier von 45
Millionen Eintagsküken jedes Jahr.
Die müssen ja irgendwo
aufgezogen werden.
Das geht sicherlich
nicht nur in Deutschland,
und es geht natürlich auch darum,
was passiert
mit dem Fleisch der Tiere?
Das sind Fragen,
die noch nicht geklärt sind.
45 Millionen Küken jährlich,
die ab sofort gerettet
und aufgezogen werden sollen.
Zwar begrüßen
das Geflügelbranche und Handel,
auch wenn männliche Küken
für sie weniger profitabel sind.
Doch eine Aufzucht stellt alle,
auch Erzeuger, vor Herausforderungen.
Wie damit umgehen?
Eine Alternative sehen wir
auf dem Hühnerhof bei Dagmar und
Siegbert Ochsenschläger aus Biblis.
Bei ihnen wachsen
Henne und Hahn gemeinsam auf.
Umgestellt haben sie
vor fast drei Jahren. Warum?
Diese ewige Diskussion
über das Kükentöten,
Kükenschreddern hat halt genervt.
Dann habe ich
nach einer Lösung gesucht.
Zum Wohl der Tiere,
auch wenn das teuer ist.
Denn Hähne setzen weniger Fleisch an
als konventionelle Masthühner.
Das Fleisch verkauft sich schlechter.
Und so haben Landwirte Mehrkosten.
Die bezahlen die Kunden,
z.B. über einen höheren Verkaufspreis
von 10 Cent pro Ei
direkt beim Vermarkter.
Allerdings: Diese Hofladenromatik
steht dem gegenüber,
was in Deutschland
insgesamt an Eiern gegessen wird.
2021 haben 49,2 Millionen
Legehennen in Deutschland
13,9 Milliarden Eier gelegt.
Der Gesamtverbrauch allerdings liegt
bei 19,5 Milliarden Eiern im Jahr.
Damit sind 28 % der Eier Importware.
Wir essen also zu viele Eier.
Und das ist ein Problem,
sagt einer der es wissen muss.
Henner Schönecke
vom Bundesverband Ei.
Wir sind eine der größten
Schaleneier-Importeure der Welt.
Nur 70 % der Eier,
die wir in Deutschland essen,
kommen auch aus Deutschland.
Die anderen kommen aus dem Ausland.
Da ist das Hahnkükentöten und bei
Haltungsformen meistens irrelevant.
Und es ist nicht nur
das klassische Frühstücksei.
Hinzu kommt:
In den meisten Lebensmitteln,
die Flüssigei enthalten,
finden sich Eier aus dem Ausland.
Flüssigei kommt
zu 80 % aus der Ukraine.
Gesetzlich ist das
völlig in Ordnung.
Das darf natürlich
bei uns eingeführt werden.
Und wir müssen davon ausgehen,
dass da die männlichen Küken
weiter getötet werden.
Zurück zur
Aufzucht-Alternative hierzulande.
Henner Schönecke, der selbst 53.000
Legehennen im Stall stehen hat,
erzählt uns
von 22 Brütereien in Deutschland,
von denen inzwischen
drei dicht gemacht haben.
Zu teuer, keine Kapazitäten,
um männliche Küken großzuziehen.
Und was ist
mit der anderen Alternative:
Kükentöten verhindern
per Geschlechtsbestimmung?
Eine teure Technik und die Verfahren
sind noch nicht ausgereift.
Es gibt in Deutschland
nur eine einzige Brüterei,
die auf Geschlechtsbestimmungs-
verfahren gesetzt hat.
Alle anderen
müssen die Hähne aufziehen.
Und diese Verfahren
sind sehr, sehr teuer.
Sowohl die Geschlechtsbestimmung
als auch die Hahnaufzucht
kostet pro Ei zwischen
zwei, maximal drei Cent.
Das ist viel Geld.
Eier werden also teurer.
Ist das neue Gesetzt
deshalb auch eine Problem
für Handel und Verbraucher*innen?
Das Eiersortiment im Handel
wurde seit Jahresbeginn umgestellt.
MEX hat bei den Großen nachgefragt:
Betrifft das alle Eier,
die wir kaufen können?
Edeka etwa schreibt uns:
Aldi Süd antwortet:
Und Rewe dazu:
Heißt:
Wer jetzt ein Ei im Supermarkt
kauft, zahlt rund 3 Cent mehr.
Brütereien und Handel
setzen auf Geschlechtsbestimmung
und Junghahn-Aufzucht.
Allerdings verweisen
Verbraucherschützer
auf eine aktuelle Umfrage: Vielen
Verbrauchern fehle es an Transparenz.
Wir haben bei der Umfrage
eindeutig herausbekommen,
dass es dem Verbraucher
nicht reicht,
wenn auf der Eierverpackung einfach
draufsteht "ohne Kükentöten".
Der Verbraucher
möchte nämlich genau wissen,
mit welchem Verfahren ist dieses
Kükentöten verhindert worden?
Wir fordern den Handel auf,
da nachzubessern und mehr
auf der Verpackung anzugeben.
Fazit: Es bleibt abzuwarten,
ob der Handel darauf reagiert.
Aber Deutschland hat es als
erstes Land in Europa geschafft,
männliche Küken leben zu lassen!
Wenngleich es beim Thema
Herkunft und Aufzucht
noch einige offene Fragen gibt.
Immerhin: Ein Anfang ist gemacht.