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tote küken liegen zwischen eierschalen tote küken liegen zwischen eierschalen

Warum Küken töten?


Die Unternehmen der Eierindustrie haben auf das Gesetz zum Verbot des Kükentötens mit einem Aufschrei reagiert. Deshalb verwundert es nicht, dass die Branche versucht, es zu umgehen. In diesem Blogpost geht es darum, warum die Industrie überhaupt erst in so großem Maßstab männliche Küken getötet hat – und in Ländern außer Deutschland und Frankreich, die das Kükentöten verboten haben, weiterhin tötet.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Eierindustrie bedient ein veraltetes Bild von Tieren
  2. Die Eierindustrie hat kein echtes Interesse an Tierwohl
  3. Neugeborene Küken als reiner „Kostenfaktor”
  4. Tierschutzgesetze müssen Tiere schützen
  5. Das Gesetz zum Kükentöten-Verbot schützt die Hühner nicht wirksam
  6. Wie kannst du den Hühnern jetzt helfen?

Warum wurden und werden insbesondere männliche Küken nur wenige Stunden nach ihrer Geburt getötet?

Hinter der Entscheidung, Küken zu töten, steht kein irrationaler Grund. Das Kükentöten hat sich nicht zufällig entwickelt. Die Menschen, die in dieser Industrie Entscheidungen treffen, handeln bewusst und haben ein klares Ziel: Gewinn. Es wurden und werden Küken getötet, weil der Profit im Zentrum dieser Industrie steht. Und weil sie die Tatsache ausnutzt, dass Menschen in ihrer Geschichte für eine lange Zeit Tiere genutzt haben. Auch schon bevor die industrielle Tierhaltung diese Nutzung kapitalisiert und zu einer vollständig einseitigen Ausbeutung gemacht hat. Sie hat die Symmetrie der Beziehung von Mensch und Tier in eine Asymmetrie umgewandelt2.

Die Eierindustrie bedient ein veraltetes Bild von Tieren

Denn grundsätzlich hat die Nutzung von Tieren in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition. Dass daraus eine einseitige und rücksichtslose Ausbeutung2 werden konnte, hat damit zu tun, dass Tiere lange als etwas wie Automaten gesehen wurden, als Objekte. Empfindungen und Emotionen wurden ihnen abgesprochen. Und damit konnten sie leicht zu Waren gemacht werden.

Das Bild, das heute viele Menschen von Tieren haben, entspricht dieser Sichtweise jedoch nicht mehr. Viele Menschen führen bedeutungsvolle Beziehungen mit Tieren, die mit ihnen zuhause leben. Die Verhaltensforschung hat eine Vielzahl an Beweisen vorgelegt, dass die von Menschen landwirtschaftlich genutzten Tiere, genau wie Hunde und Katzen, fühlende Wesen sind, die nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Schmerzen empfinden2.

Dieser Paradigmenwechsel wird auch von der Tierschutzgesetzgebung anerkannt – der Tierschutz ist in Deutschland Staatsziel geworden3; die EU hat beschlossen, dass die „Mitgliedsstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen in vollem Umfang Rechnung tragen“4,5.

94 % der EU-Bevölkerung finden, dass es landwirtschaftlich genutzten Tieren gut gehen sollte6 – und doch werden die Tiere nach wie vor wie Waren behandelt und hinter verschlossenen Türen gehalten und getötet. Die Tierhaltungsindustrie hat ein großes, finanzielles Interesse daran, die tatsächlichen Lebensrealitäten der Tiere zu verklären und tut das in auffällig beschönigender Werbung mit grünen Wiesen und glücklichen Tieren. Aber es ist klar – wie es auch unsere Undercover-Recherchen7 immer wieder zeigen – dass die Realität anders aussieht.

Die Eierindustrie hat kein echtes Interesse an Tierwohl

Auch wenn es in den Werbungen und Kommunikationen der Tierhaltungsindustrie anders dargestellt wird: Das Ziel der Industrie ist nicht, glückliche Tiere zu halten, sondern die Tiere gerade gesund genug zu haben, dass sie nicht vor der Schlachtung und Vermarktung sterben. Dann werden sie nämlich „unprofitabel“; sie führen nicht mehr zu finanziellen Vorteilen. Und dieses Gerade-Gesund-Halten kalkuliert sie auf erschreckend skrupellose Art und Weise. 

Die Eierindustrie zum Beispiel legt sogenannte „Zielwerte“ und „Alarmwerte“ fest. Diese geben an, wie viele Hühner während der einen „Legeperiode“ ihres kurzen Lebens sterben dürfen – das entspricht ungefähr einem Jahr; und die Hühner werden im Durchschnitt nach höchstens 1,5 Jahren getötet8, obwohl sie eigentlich bis zu zehn Jahre alt werden könnten9. Der Anteil der Tiere, die schon vor dieser vorzeitigen Tötung sterben, ist die sogenannte „Verlustrate“. 

Das heißt im Klartext: Der vorzeitige Tod eigentlich gesunder, junger Hühner wird im Vorfeld eingeplant, in die Gewinnrechnung einbezogen. Und diese „Verlustraten“ sind nicht ein Huhn von 10.000, oder ein Huhn von 1000. Es ist erschreckend: Selbst wenn im Jahr eines von zehn Hühnern stirbt, ist der „Alarmwert“ noch nicht erreicht10. Das Individuum, also ein einzelnes Huhn, hat für die Industrie keinerlei Bedeutung. Es müssen nur genügend Eier aus dem Betrieb verkauft werden, um letztlich einen Gewinn verbuchen zu können.

Und was bedeuten die männlichen Küken in dieser Gleichung der Eierindustrie? Also in einer Industrie, die in ihrer Produktion ohnehin schon jedes zehnte erwachsene Huhn „entbehrlich“ findet?

Neugeborene Küken als reiner „Kostenfaktor

Nicht mehr als einen zusätzlichen Kostenfaktor. 50 % der Eier, aus denen Hühner für die Eierproduktion schlüpfen sollen, werden aus Sicht der Industrie umsonst bebrütet. Diese Eier sind aus der Sicht der Industrie nämlich eine Ressourcenverschwendung: Eine Verschwendung von Energie, von Platz, von Arbeitsleistung.

Und diese Sicht der Industrie endet natürlich nicht bei den Eiern. Die Eierindustrie interessiert sich einfach nicht für Individuen, für die Hühner und ihr Leid. Deshalb setzt sich ihre Sicht nach dem Schlüpfen einfach fort. Die 50 % der dann geschlüpften Küken, die männlichen Küken, sind von Geburt an unerwünscht.

Denn sie bedeuten für die Industrie weniger Profit:  Die männlichen Hühner eierlegender Zuchtlinien werden längst nicht so schwer, wie Hühner aus Linien, die für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Und sie benötigen wesentlich länger, um Gewicht zuzulegen – und damit auch viel mehr Futter11

Diese Hühner für die Fleischproduktion zu nutzen, ist für die Betriebe also ebenfalls eine Ressourcenverschwendung – aus ihrer Sicht belegen diese „Produktionseinheiten“ doppelt so viel Platz, sie besetzen diesen Platz wesentlich länger und verbrauchen dafür viel mehr teures Futter. 

Und diese „Ressourcenverschwendung“ wird genau berechnet1: Wenn die sogenannten „Bruderhähne“ – also die männlichen Küken von eierlegenden Zuchtlinien, die für die Fleischproduktion unrentabel sind – nicht getötet und für die Fleischproduktion genutzt werden, bedeutet das, dass jedes Ei, welches die Industrie verkaufen will, etwa 10 Cent teurer wird12. Für die Betriebe stehen diese „Bruderhähne“ dem Verkauf von Eiern im Weg und sie bedrohen damit ihre Profite.

Tierschutzgesetze müssen Tiere schützen

Ohne Tierschutzgesetze sind Tiere dem skrupellosen Handeln von Menschen schutzlos ausgeliefert, das zeigt sich immer wieder. Und das war bis zum gesetzlichen Verbot des Kükentötens auch für die männlichen Küken der Fall, die in die Eierindustrie geboren wurden. Weil sie Absätze bedroht und Gewinnmargen reduziert haben. Die unschuldigen männlichen Küken haben angeblich sogar den Wirtschaftsstandort Deutschland benachteiligt, indem sie für die deutschen Eierproduzenten einen Wettbewerbsnachteil bedeutet haben1.

Die Lösung für eine gnadenlose und skrupellose Industrie, die nicht ausreichend durch Gesetze reglementiert wurde, war, die männlichen Küken am Tag ihrer Geburt auszusortieren und mit CO₂ zu vergasen13. Damit konnte die Eierindustrie diese Küken sogar noch für einen kleinen Gewinn vermarkten: Die toten Küken wurden entweder gefroren verkauft oder zu Tierfutter verarbeitet.

Das war ein „Win-Win“, für die Eierindustrie, die ihren „Abfall“ noch verkaufen konnte. Und für die Tierfutterindustrie, die billiges Material für ihre Produktion bekam. Aber wie bei jeder Behandlung von Tieren durch die Tierhaltungsindustrie, war das ein „Lose“ für die Tiere, hier für die männlichen Küken. Sie wurden nicht nur – wie ihre Schwestern – zum Gegenstand degradiert, sondern auch schlicht entsorgt, wie eine Art Recycling-Müll. 

Das Gesetz zum Kükentöten-Verbot schützt die Hühner nicht wirksam

Hier wird aber auch ein Dilemma deutlich: Angesichts des unermesslichen Leids, das durch die katastrophalen Lebensbedingungen von Hühnern in der Produktion von Eiern oder Fleisch entsteht, ist es unmöglich zu sagen, wer von beiden das schlechtere Los gezogen hat. Und dieses Dilemma demonstriert auch, was an der aktuellen Ausgestaltung des Kükentöten-Verbots fehlt.

Die männlichen Küken – als Alternative zu ihrer Tötung – in die katastrophalen Haltungsbedingungen der industriellen Hühnerhaltung zu geben, kann aus Tierschutzgründen unmöglich akzeptiert werden. Vor allem, weil die männlichen Küken durch das Kükentöten-Verbot nicht erwünschter geworden sind, sie müssen jetzt nur irgendwie am Leben gehalten werden, weil sie nicht mehr getötet werden dürfen. 

Das macht sie noch verwundbarer, den schlechtesten Haltungsbedingungen ausgeliefert zu sein. Das wirtschaftliche Interesse der Industrie an ihnen ist nämlich viel geringer. Beide Alternativen – das Töten und die Aufzucht – sind also aus Tierschutzperspektive Katastrophen.

Deshalb muss das Gesetz so angepasst werden, dass es wirklich das Leid von Hühnern in der Eierindustrie verringert – sie nicht als Küken tötet, aber auch nicht nur den Moment ihrer Tötung verschiebt.

Am ehesten kann das dadurch erreicht werden, Eier und Produkte mit Eiern durch pflanzenbasierte Lebensmittel zu ersetzen. Die zweitbeste Möglichkeit, das Leid der Küken zu verhindern, ist, das Geschlecht bereits im Ei zu bestimmen und die Eier auszusortieren, aus denen männliche Küken schlüpfen würden. Dieses Verfahren wird jedoch durch die aktuelle Gesetzgebung blockiert.

Mit unserer Kampagne fordern wir, das Gesetz so anzupassen, dass der letzte Bebrütungstag, bis zu dem es erlaubt ist, die Eier nach Geschlechtsbestimmung im Ei auszusortieren, aus denen männlichen Küken entstehen würden, schrittweise verkürzt wird. 

Das erlaubt eine spätere Beendigung der Bebrütung als Übergangstechnologie, bis bessere Verfahren zur früheren Geschlechtsbestimmung zur Verfügung stehen. Die Küken werden dann davor verschont, in eine Welt geboren zu werden, in der sie nur als Ware gesehen werden und in der ihnen bis zu ihrer frühen Tötung ständige Misshandlung droht.

Wie kannst du den Hühnern jetzt helfen?

Und du kannst uns dabei helfen. Die Hühner brauchen dich jetzt, um diesem Leid zu entgehen. Um den Bedingungen, unter denen sie gehalten werden, zu entgehen. Unterstütze unsere Forderung und unterschreibe unsere Petition, um Kükenleid zu verhindern.

Jede Unterschrift macht einen Unterschied für die Hühner. Stell dich gemeinsam mit uns hinter sie.


Quellen:

1https://animalequality.de/blog/das-kalkuel-der-eierindustrie/

2https://www.deutschlandfunk.de/lebensformen-und-achtung-die-welt-ist-voller-augen-100.html

3https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20a.html

4https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20200624STO81911/eu-gesetze-fur-tierschutz-und-tierwohl-videos

5https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:12012E/TXT:de:PDF


6https://data.europa.eu/data/datasets/s2096_84_4_442_eng?locale=de

7https://animalequality.de/undercover-recherchen/

8https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/tierhaltung/gefluegelhaltung

9https://www.huehner-haltung.de/faq/haltung/wie-alt-werden-huehner/

10https://www.nutztierhaltung.de/gefluegel/legehennen/management/junghennenaufzucht-kritische-punkte-der-tiergesundheit/

11https://www.youtube.com/watch?v=l6GoWAq-k1c&t=201s

12https://www.youtube.com/watch?v=RLxcwso4m0o

13https://animalequality.de/blog/nutztierindustrie-7-praktiken-die-verboten-werden-sollten/


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