So leiden Puten: Recherche bei einem der weltweit größten Fleischproduzenten
Animal Equality veröffentlicht erstmals Aufnahmen aus der industriellen Putenhaltung in Brasilien. Die Recherche aus dem Winter 2025 dokumentiert die leidvollen Lebensbedingungen Tausender Vögel in einem Betrieb in Santa Catarina, der mit BRF zusammenarbeitet. BRF ist einer der weltweit größten Fleischkonzerne.
Brennende Luft und offene Wunden
Der Boden der Halle ist bedeckt mit Einstreu, die die Ausscheidungen der Tiere absorbieren soll. Doch wie der Betreiber der Anlage selbst im Video zugibt, wird dieses Material nur alle zwei Jahre ausgetauscht. Um auch bei winterlichen Außentemperaturen die Innentemperatur in der Halle zu halten, blieben die Anlagen geschlossen – mit verheerenden Folgen: Die Belüftung war massiv eingeschränkt und die angesammelten Exkremente der Tiere sorgten für eine sehr hohe Ammoniakkonzentration. Das führte zu schweren Atembeschwerden, Reizungen der Augen, schmerzhaften Hautverbrennungen und offenen Wunden bei den Vögeln.
In einer der dokumentierten Szenen ist ein Tier mit einer blutenden Verletzung im Gesicht zu sehen. Laut Ermittler*innen erhielten die Vögel in solchen Fällen keine tierärztliche Versorgung.

„Tiere, die für den menschlichen Konsum gehalten werden – insbesondere Vögel, die zu Tausenden in Hallen eingepfercht sind – erhalten keine individuelle tierärztliche Behandlung… Für die Produzent*innen ist der Verlust kranker oder sterbender Tiere kostengünstiger, als Zeit und Ressourcen in ihre Versorgung zu investieren. Der Tod durch Krankheit ist ein fester Teil dieses Produktionssystems, mit dem bewusst kalkuliert wird“, erklärt Marina Lemes, promovierte Expertin für tierische Produktionssysteme und Projektmanagerin bei Animal Equality.
Auch in Deutschland leiden Puten in der Massentierhaltung
Hierzulande lag 2024 der Verbrauch bei jährlich rund 3 Kilogramm pro Person. Damit macht das Fleisch von Puten etwa 22 Prozent des gesamten Konsums von Fleisch von Vögeln aus. Die Nachfrage steigt und damit auch die Importe.
Für Puten fehlen in Deutschland bis heute spezifische, verbindliche bundesweite Mindeststandards, die über das allgemeine Tierschutzrecht hinausgehen. Die Branche reguliert sich über freiwillige Vereinbarungen selbst – mit verheerenden Folgen für die Tiere. Besatzdichten von bis zu etwa 52 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter sind in den freiwilligen Vereinbarungen erlaubt. Am Ende der Mast teilen sich damit rechnerisch rund fünf weibliche oder drei männliche Tiere einen Quadratmeter – Bewegungsraum bleibt kaum. Auslauf haben die meisten Tiere nicht.

Die Tiere werden als Hochleistungs-Hybridrassen gezüchtet, die innerhalb weniger Monate ein Vielfaches ihres natürlichen Gewichts erreichen. Ihre Beine können ihren eigenen Körper kaum tragen. Fast jedes Tier leidet unter schmerzhaften Fußballenveränderungen. Puten werden routinemäßig verstümmelt, indem ihnen die Schnabelspitze gekürzt wird, um gegenseitiges Verletzen durch die Haltungsbedingungen zu vermeiden. Hohe Besatzdichten und monotone Umgebungen führen häufig zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. In einer wissenschaftlichen Bewertung vom Februar 2026 kommt die European Food Safety Authority (EFSA) zu dem Schluss, dass hohe Besatzdichten und mangelnde Haltungsqualität erhebliche Risiken für das Wohl von Puten darstellen.
Hinter jedem Stück Fleisch stehen fühlende Individuen, die in diesem System der Ausbeutung leiden – ob in Brasilien, Deutschland oder anderswo.

Unter natürlichen Bedingungen leben Puten in komplexen sozialen Gemeinschaften. Sie verbringen einen Großteil ihres Tages damit, am Boden nach Nahrung zu suchen. Dabei legen sie durchschnittlich zwei bis fünf Kilometer zurück. Sie picken und scharren nach Samen, Früchten, Insekten und Würmern. Zum Schlafen suchen die Vögel erhöhte Plätze in Bäumen auf. Denn trotz ihres relativ hohen Gewichts können sie gut fliegen. Um ihre Federn zu pflegen, baden sie im Sand und putzen sich ausgiebig.
In der Massentierhaltung ist all das kaum möglich: Sie sind zu Tausenden eingepfercht in reizarmen Hallen. Durch die Überzüchtung ist ihre Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt. In natürlicher Umgebung verbringen Puten einen großen Teil ihres Tages damit, nach Nahrung zu suchen – sie scharren im Boden, picken Samen und erkunden ihre Umgebung. Studien zeigen, dass dies bis zu etwa 40 bis 60 % der Zeit ausmachen kann, in der die Tiere aktiv sind. In der Massentierhaltung der Industrie ist dieses Verhalten stark eingeschränkt – das vorgelegte pelletierte Futter macht eine Futtersuche überflüssig. Dadurch geht jedoch ein wesentlicher Teil des natürlichen Such- und Erkundungsverhaltens verloren. Die Folgen sind Langeweile, Verhaltensstörungen und Aggressionen.
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