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Spanische Regierung verpflichtet Schlachthäuser zur Installation von Überwachungskameras

In Spanien müssen zukünftig mehr als 700 Schlachthäuser Überwachungskameras installieren – das königliche Dekret sieht jedoch aktuell vor, dass die Betreiber*innen selbst die Überwachung vornehmen.
Oktober 11, 2022
schweine im schlachthaus schweine im schlachthaus

Am 23. August hat die spanische Regierung das Königliche Dekret 695/2022 verabschiedet, das Maßnahmen zur Kontrolle des Tierschutzes in Schlachthäusern durch die Installation von Überwachungskameras zur Überwachung vorsieht. 

Das Dekret schreibt die Installation von Überwachungskameras in allen Schlachthäusern Spaniens vor, um die Behandlung der Tiere zu überwachen und zu verhindern, dass das Personal gegen geltende Tierschutzvorschriften verstößt. Weiter definiert das Dekret die Anforderungen an die Überwachungssysteme:

  • Videoüberwachungskameras müssen alle Bereiche abdecken, in denen lebende Tiere gehalten werden. Das betrifft die Entladebereiche, Gänge und die Bereiche, in denen die Tiere betäubt und zum Ausbluten „gestochen“ werden.
  • Zusätzlich müssen die Bereiche mit Kameras ausgestattet sein, in denen Vögel und Schweine „gebrüht“ werden – also in heißes Wasser getaucht werden, um Federn oder Haare zu entfernen. Mit der Überwachung in den Bereichen soll sichergestellt werden, dass die Tiere keine Lebenszeichen mehr von sich geben, wenn sie in das heiße Wasser getaucht werden.
  • Die Maßnahme betrifft alle Schlachthäuser, unabhängig von ihrer Größe, ebenso wie mobile Schlachtanlagen. Große Schlachthäuser haben jetzt ein Jahr Zeit, die Videosysteme zu installieren, kleine Schlachthäuser zwei Jahre.

Animal Equality begrüßt die Verabschiedung dieses Dekrets, das, den Bestimmungen des Dekrets zur Folge, auf das wachsende Interesse an Transparenz über die Behandlung von Tieren und das Interesse an mehr Einblicken in die Tierhaltungsindustrie antwortet. Trotz dieses Schrittes hält Animal Equality das Dekret für unzureichend, da es den Betreiber*innen der Schlachthäuser selbst erlaubt, die Aufnahmen zu überprüfen und selbst zu entscheiden, ob gegen Vorschriften verstoßen wurde.

Sergio García Torres, der Leiter der spanischen Generaldirektion für Tierrechte, ein dem  Ministerium für soziale Rechte und Agenda 2030 unterstelltes Unterstaatssekretariat, dankte in diesem Zusammenhang unseren spanischen Kolleg*innen von Animal Equality – auf Spanisch Igualdad Animal – und der spanischen Tierrechtsorganisation Equalia auf Twitter für ihre Arbeit in dieser Angelegenheit:

Heute haben wir das Königliche Dekret zur Videoüberwachung in Schlachthäusern verabschiedet. Damit gehen wir in Europa voran und werden die grausamen Bilder verhindern, die wir bei vielen Gelegenheiten gesehen haben. Es bleibt noch viel zu tun, aber wir machen Schritte nach vorn. @IgualdadAnimal @EqualiaONG

Sergio García Torres, Generaldirektor für Tierrechte im Ministerium für soziale Rechte und Agenda 2030, auf Twitter1

Animal Equality hatte in den vergangenen Jahren in Spanien im Rahmen einer Kampagne gegen Grausamkeiten in Schlachthäusern unter anderem die Installation von Videoüberwachung gefordert – allerdings mit unabhängiger Kontrolle. Andere Forderungen aus dieser Kampagne sind etwa die Abschaffung der Ausnahmen, die es erlauben, Tiere ohne Betäubung zu töten; die Abschaffung der Hausschlachtung und des „Elektrobads“ als Mittel zur Betäubung von Geflügel sowie die Abschaffung der Betäubung von Schweinen mit CO₂. Die Forderungen der Kampagne basieren auf Undercover-Recherchen, die Animal Equality in Spanien seit 2008 in insgesamt 24 Schlachthäuser durchgeführt hat. 

Die Forderung, Schlachthäuser mit Überwachungskameras auszustatten wurde zuerst von der britischen Tierschutzorganisation Animal Aid nach der Recherche im Schlachthaus „JV Richards“ in Cornwall (England) ins Leben gerufen – mittlerweile wird die Forderung in insgesamt 16 britischen Schlachthäusern angewendet.

In Spanien startete im Jahr 2014 zuerst die Tierrechtsorganisation ADDA (dt. etwa Vereinigung zur Verteidigung der Tierrechte) eine Kampagne, mit der sie die Regierung aufforderte, Kameras in Schlachthäusern zu installieren. Später schlossen sich weitere Organisationen der Forderung an, etwa die ANDA (dt. etwa Nationale Vereinigung für den Schutz der Tiere) und Equalia.

Wer wird das Filmmaterial aus den Schlachthöfen überwachen?

Das Königliche Dekret sieht vor, dass Betreiber*innen des Schlachthauses selbst das Personal auswählen, das mit der Sichtung der Aufnahmen beauftragt wird und auf Basis dessen festgestellte Verstöße protokolliert.

Dieses Dekret lässt einen Interessenkonflikt zu, bei dem Schlachthausmitarbeiter*innen selbst über diese Angelegenheit urteilen können. Die Schlachthausmitarbeiter*innen, die daran gewöhnt sind, Tiere wie Objekte zu behandeln, sind so desensibilisiert gegenüber ihrem Leiden, dass einige der gewalttätigsten Szenen, die wir aufgezeichnet haben, stattgefunden haben, als der Schlachthofmitarbeiter genau wusste, dass er von unserer Kamera gefilmt wird. Wenn diese Misshandlung selbst dann auftreten, wenn das Personal weiß, dass es gefilmt wird … wie können wir dann erwarten, dass sie ihr Verhalten in Gegenwart von noch weniger sichtbaren Kameras ändern? Dokumentierte Fälle von Tierquälerei nach der Einführung von Überwachungskameras in Schlachthöfen in England deuten darauf hin, dass das Schlachthauspersonal die Kameras schließlich ignoriert. Sie verlieren ihre abschreckende Wirkung, wenn die Bilder von bezahltem Schlachthauspersonal überwacht werden.

Tierquälerei in Schlachthäusern ist nicht die Ausnahme, wie uns die Tierhaltungsindustrie glauben machen will. Sie ist Teil ihres täglichen Geschäfts. Ich habe selbst erlebt, wie amtliche Tierärzt*innen lieber wegschauen und nicht in der Lage sind, die Millionen von Tieren, die jeden Tag in spanischen Schlachthäusern getötet werden, wirksam zu überwachen. In vielen Fällen stellen sie die Schlachthausbesitzer*innen einfach nicht zur Rede. Sie stoppen die Schlachtlinie nicht, weil ein Tier unnötig leidet, sondern ignorieren es lieber. Bei einer Gelegenheit wies mich eine Tierärztin selbst auf das Kalb hin, das – noch bei vollem Bewusstsein – kopfüber an der Schlachtlinie hing, als ihm mit einem Messer die Haut vom Gesicht entfernt wurde, während es noch versuchte, zu atmen.

Jose Valle, Mitgründer und Ermittler von Animal Equality

„Die Überwachungskameras in den Schlachthäusern werden die Misshandlungen, die dort vorkommen, aufzeichnen und die Kontrolleur*innen zwingen, zu handeln, wenn es so kommt. Nur wenn die zuständigen Behörden und Verwaltungen diese Überwachung kontrollieren und prüfen, wird diese Maßnahme sich positiv auswirken. Andernfalls wird sie nur dazu dienen, das Image der Fleischindustrie in für die Verbraucher*innen aufzupolieren.“

Alfonso Senovilla, Tierarzt

Warum unterstützt die Tierhaltungsindustrie die Installation von Videoüberwachungskameras in Schlachthäusern?

Die Tierhaltungsindustrie hat mittlerweile ein permanentes Imageproblem. Sie versucht ständig, ihren Ruf zu verbessern. Wir beobachten sogar, dass das immer stärker geworden ist, seit Verantwortliche der Industrie den Bericht der Weltgesundheitsorganisation über den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Darmkrebs angezweifelt haben. Da spielt natürlich auch eine Rolle, dass Undercover-Recherchen über Jahre immer wieder die grausame Behandlung von Tieren in ihren Betrieben aufgedeckt haben. Für diese Tierhaltungsindustrie ist auch dieses Dekret wieder eine Gelegenheit, mit der sie versucht, ihr Image zu verbessern. Die Unternehmen wollen einfach das immer weiter verloren gegangene Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Dafür müssen sie natürlich den Anschein erwecken, transparent, normal und in Übereinstimmung mit Tierschutzvorschriften aufzutreten – daher unterstützen überraschend viele Verbände und Unternehmen aus der spanischen Tierhaltungsindustrie dieses Dekret.

Daher ist es besonders wichtig, dafür zu sorgen, dass die Überwachung der Aufnahmen – natürlich unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Personals – auch durch Tierschutzorganisationen, aber natürlich vor allem durch die Behörden, gewährleistet wird. Den Betrieben selbst kann man nicht trauen, dass sie selbstlos die Interessen der Tiere wahren. Auch die Presse muss Zugang zu den Bildern haben, damit die Öffentlichkeit erfährt, was in den Schlachthäusern wirklich vor sich geht.

Javier Moreno, Mitgründer und Ermittler von Animal Equality

Es gibt einen Grund, weshalb die öffentliche Kontrolle über die Aufnahmen besonders wichtig ist: Das Lebensmittel- und Veterinäramt der Europäischen Kommission hat im Jahr 2014 sieben spanische Schlachthäuser kontrolliert und kam zu dem Schluss, dass „die Kontrollen der zuständigen Behörden in dem besuchten Geflügelschlachthaus unzureichend sind, um sicherzustellen, dass das Unternehmen im Einklang mit den Anforderungen der Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 arbeitet und die Vögel während der Betäubung und Schlachtung akzeptabel behandelt werden“ (Zitat aus dem Abschlussbericht eines Kontrollbesuchs in Spanien vom 01. bis 10. April 2014, der der Bewertung von Kontrollen in Bezug auf Tierschutzrichtlinien bei der Schlachtung diente).

Die Verabschiedung des Königlichen Dekrets ist ein wichtiger Fortschritt für die Tiere in Spanien – mit Einschränkungen. Animal Equality wird weiterhin eine öffentliche Kontrolle der Videoaufnahmen fordern – über Behörden, die Presse und Tierschutzorganisationen. Entscheidend ist, dass die Aufnahmen unabhängig von den Betrieben ausgewertet werden, in denen sie entstanden sind.

Unabhängig davon, ob mit oder ohne Videoüberwachung, wird Animal Equality weiter Undercover-Recherchen in Schlachthäusern durchführen, um wirklich unabhängige Aufnahmen der dort herrschenden Zustände zu veröffentlichen.

Was kannst du jetzt sofort tun?

Wir setzen uns auf der Ebene von Unternehmen, rechtlich und politisch für den Tierschutz ein. Wir dürfen aber dabei nicht vergessen, welche Rolle wir als Verbraucher*innen spielen, um der Tierquälerei in Schlachthäusern ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Wenn wir auf den Konsum von tierlichen Produkten verzichten, verhindern wir aktiv die Misshandlung von Tieren in der Landwirtschaft.

Wenn du es noch nicht getan hast, kannst du auch unsere Petition unterschreiben und in den sozialen Medien teilen. So unterstützt du unsere Forderung, die industrielle Tierhaltung zu beenden.


Quellen:

1https://twitter.com/SergioGaTorres/status/1562077008644931585?s=20&t=ytplWoAWmHWYtu2jrksHPw

Weitere Originalquellen in anderen Sprachen:

1. Das Königliche Dekret 695/2022, das die Maßnahmen zur Kontrolle des Wohlergehens von Tieren in Schlachthäusern durch die Installation von Videoüberwachungssystemen festlegt (Spanisch): https://www.boe.es/boe/dias/2022/08/24/pdfs/BOE-A-2022-14057.pdf


2. Kampagne zur Videoüberwachung in Schlachthäusern (Englisch): https://www.slaughterhousecctv.org.uk/the-campaign-history/


3. Artikel der The Times zur  Implementierung von Videoüberwachungskameras in Schlachthäusern im Vereinigten Königreich (Englisch): https://www.thetimes.co.uk/article/abuse-at-abattoirs-is-caught-on-video-but-no-one-watches-it-s9rf0pm0z


5. Der Verband ADDA fordert die Installation von Kameras in Schlachthäusern (Spanisch): https://www.eltriangle.eu/es/2017/06/25/noticia-es-45742/


6. Die NGO Equalia fordert Kameras in Schlachthäusern (Spanisch): https://www.lavanguardia.com/vida/20181114/452931537258/la-ong-equalia-pide-camaras-en-los-mataderos-al-detectar-maltrato-en-segovia.html 


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