Reform des EU-Tierschutzrechts – JETZT: Unterschreibe unseren Offenen Brief!
Neuigkeiten

Hühnerleid bei Wiesenhof-Vertragspartner

Dezember 12, 2020 Aktualisiert: 12. Dezember 2020

Animal Equality veröffentlicht erschütternde Aufnahmen aus dem Betrieb eines Vertragspartners von Wiesenhof. Als größter Produzent von Hähnchenfleisch in Deutschland werden Produkte von Wiesenhof großflächig vertrieben, u. a. bei Edeka und Rewe.

Während einer Undercover-Recherche in einem Hühnermastbetrieb in Sachsen-Anhalt wurden zahlreiche gravierende Verstöße gegen geltende Tierschutzvorschriften dokumentiert. Das dabei entstandene Material wurde Animal Equality zugespielt.

Die von Aktivist*innen aufgenommen Bilder zeigen:

  • Tiere, die von den Arbeiter*innen brutal getreten und aggressiv durch die Halle gescheucht werden;
  • Arbeiter*innen, die sogenannte Nottötungen wiederholt vorschrifts- und tierschutzwidrig ausführen;
  • brutale Tötungsversuche (z.B. durch Umdrehen der Hälse der Tiere) ohne Betäubung;
  • Tiere, die nach den grausamen Tötungsversuchen lebendig in Eimern entsorgt werden, woraufhin viele der Tiere sich noch mehrere Minuten lang bewegen und schließlich langsam und qualvoll verenden;
  • verwesende Kadaver, die zwischen den lebenden Tieren liegen gelassen werden;
  • einen Arbeiter, der wiederholt in einem Vorraum des Betriebes eigenhändig Hühner zerlegt, um sie an einen Hund zu verfüttern;
  • Hühner, die so unnatürlich groß wachsen, dass ihre Beine ihr Gewicht nicht tragen können und sich deformieren und/oder brechen;
  • Arbeiter*innen, die sich während des gesamten Zeitraums der Dokumentationen nicht ihre Schuhe desinfizieren, obwohl dies eine klare Vorschrift ist.

Allein in diesem Betrieb sind ca. 210.000 Tiere von derart grausamen Zuständen betroffen. Die PHW-Gruppe, zu der auch Wiesenhof gehört, ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter sowie eines der größten Unternehmen der deutschen Lebensmittelindustrie und schlachtet 354 Millionen Vögel jährlich. 

Darüber hinaus begünstigen die Haltung von Tieren auf engstem Raum sowie mangelnde Hygiene die Entstehung und Übertragung von z.B. Zoonosen, also Krankheiten, welche von Tieren auf Menschen übertragen werden können – ein gravierendes Problem, welches aktueller nicht sein könnte.

Die Aufnahmen sind im Zeitraum von Februar bis April diesen Jahres entstanden. Am 11. Dezember 2020 hat Animal Equality gegen den Betrieb bei den zuständigen Behörden Anzeige erstattet. 

Trauriger Alltag in der Masthuhnzucht

Die Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) zur Haltung von Masthühnern sind unzulänglich und stehen in keiner Weise im Einklang mit den zentralen Normen des Tierschutzgesetzes (TierSchG). Hinzu kommt, dass Verstöße gegen das TierSchG nicht ausreichend geahndet und Strafverfahren in den meisten Fällen eingestellt werden. Für die mutmaßlichen Täter*innen bleiben solche grausamen Vergehen daher oft ohne Konsequenzen.

Bereits 2017 hatte Animal Equality Aufnahmen aus drei verschiedenen Hähnchenmast- betrieben in Niedersachsen veröffentlicht. Einer dieser Betriebe war ebenfalls Vertragspartner von Wiesenhof. Unter anderem aufgrund dieser Veröffentlichung wurden in Niedersachsen daraufhin zwei Erlasse zur Verbesserung der Masthähnchenhaltung und zur Sachkunde des eingesetzten Personals veröffentlicht. Offenbar hat sich jedoch in anderen Betrieben diesbezüglich seither nichts grundlegend verändert. Hühner lebendig zu entsorgen scheint Standard in der industriellen Massentierhaltung und Fleischindustrie  zu sein.

Aufgrund der bekannten Missstände in der industriellen Geflügelhaltung haben sich mittlerweile aber auch in Deutschland bereits viele Unternehmen freiwillig dazu verpflichtet, die Standards der Europäischen Masthuhn-Initiative umzusetzen. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Letztlich bedarf es aber einer Änderung der TierSchNutztV, um verpflichtende Standards zu schaffen.

Werden Sie aktiv für die Hühner

Animal Equality hat eine Petition gestartet, in der Julia Klöckner (Bundeslandwirtschafts ministerin) und Claudia Dalbert (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt) aufgefordert werden, die TierSchNutztV endlich an die Vorgaben des TierSchG anzupassen, eine Erhöhung der Kontrolldichte in Tierhaltungsbetrieben durch die Veterinärbehörden zu gewährleisten, sowie das Strafrecht im Tierschutz zu verschärfen, um Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wirkungsvoll ahnden zu können.

Die Tiere können sich nicht ausreichend selbst wehren und leider nicht für ihre Rechte eintreten. Daher bitten wir Sie: Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und unterzeichnen Sie noch heute unsere Petition!

Wenn auch Sie über diese grausamen Missstände schockiert sind, die größtenteils völlig legal und branchenüblich sind, dann können Sie sich mit jeder Ihrer täglichen Mahlzeiten zugunsten der Tiere entscheiden, indem Sie tierische Produkte durch pflanzliche Optionen ersetzen. Auf unserer Website www.loveveg.de finden Sie alle Infos, die Sie für die Umstellung auf eine tierleidfreie Ernährung benötigen.


Aktuellste Neuigkeiten
1. April 2026

Olivér Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, und Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, haben über 15 Monate hinweg immer wieder Vertreter*innen der Fleisch‑, Geflügel‑ und Milchindustrie getroffen – und Organisationen, die sich für Tiere einsetzen, fast vollständig ignoriert. Das ist keine Behauptung, sondern dokumentierte Realität. Die Frage ist: Wer bestimmt tatsächlich den Tierschutz in Europa – die gewählten Vertreter*innen oder die Tierhaltungsindustrie?
25. März 2026

Zwei Tage intensive Proteste in Brüssel, eine alarmierende Datenanalyse und ein klares Ergebnis: Die Agrarindustrie hat zehnmal mehr Zugang zu dem EU-Tierschutzkommissar als Tierschutzorganisationen. Wer entscheidet in Wahrheit über den Tierschutz in der EU? Die Bürger*innen oder die Industrie, die von der Ausbeutung von Tieren profitiert? Diese entscheidende Frage haben wir mit mehr als hundert Aktivist*innen aus ganz Europa bei unseren Protesten am 23. und 24. März 2026 vor den Türen der EU-Kommission in Brüssel gestellt.
25. März 2026

Die Aufnahmen zeigen Tausende Vögel, eingepfercht in einer einzigen Halle. Die Ermittler*innen von Animal Equality haben die Zustände bei Brasiliens größtem Produzenten von Putenfleisch dokumentiert. Die Vögel leben in ihren eigenen Exkrementen, was bei den Tieren Atembeschwerden, Wunden und Verbrennungen verursacht. Verletzungen wurden nicht tierärztlich versorgt.