GROßBRITANNIEN: HUNDERTE VON HÜHNERN STERBEN INNERHALB VON 24 STUNDEN

Animal Equality UK veröffentlicht erschreckende Aufnahmen, die das verheerende Tierleid in vier Hühnerzucht-Betrieben dokumentieren, die u.a. mit der großen Supermarktkette Tesco in Verbindung gebracht werden. Die Betriebe mit Sitz in Lincolnshire und Nottinghamshire  sind alle Teil des Großunternehmens Moy Park – einem der größten Hühnerfleisch-Produzenten Großbritanniens und Zulieferer von Tesco.

Die von Aktivist*innen aufgenommenen Bilder zeigen: 

●  Küken, die auf den Boden geworfen werden, was bei einigen Vögeln zu Verletzungen und sogar zum Tod führte;

●  Hunderte von Hühnern, die aufgrund von Schwäche oder geringer Größe jeden Tag an Ort und Stelle getötet oder vernachlässigt und zum Sterben zurückgelassen werden – in einem Fall 500 Individuen in einem einzigen Stall innerhalb von 24 Stunden;

●  Arbeiter*innen, die Hühner töten, indem sie ihre Hälse auseinanderziehen, zerdrücken oder, in vielen Fällen, gegen scharfe Kanten von nahegelegenen Eimern oder metallenen Futtervorrichtungen aufschneiden. Schockierend ist, dass einige Küken sich danach noch minutenlang verzweifelt bewegen oder blinzeln;

●  Küken, die in überfüllten Ställen gefangen sind und weder Zugang zum Sonnenlicht im Freien haben noch ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen können;

●  Hühner, die aufgrund ihrer enormen Größe an Verletzungen und Beinverformungen leiden.

Vor Ort ausgehängte Dokumente belegen, dass alle vier Farmen von Integra Food Secure Ltd (NSF International), einem zum Zeitpunkt der Aufnahmen von Tesco zugelassenen und unter Vertrag genommenen Dienstleister, unabhängig geprüft wurden. Die Unterlagen enthielten auch eine Liste von „Tesco-Kontakten“ einschließlich einer Tesco-Führungskraft.

Die Aufnahmen sind Ende 2019 entstanden. Das Videomaterial wurde Anfang 2020 an das britische Ministeriums für Umwelt, Ernährung und Angelegenheiten des ländlichen Raums, das britische landwirtschaftliche Qualitätssicherungssystem Red Tractor und die größte Tierschutzorganisation des Landes, RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals), weitergeleitet.

“ES GEHT UM’S GELD VERDIENEN”

Auf die Frage eines Aktivisten nach der alarmierend hohen Sterblichkeitsrate von Hühnern vor Ort sagte ein Mitarbeiter von Moy Park: „Ich kann mir ein Eintagsküken anschauen und sagen, ob es nach 32 Tagen 1,85 [kg] wiegt oder nicht. Wenn das nicht der Fall ist, hat es keinen Sinn, es zu füttern. Es ist billiger, es zu töten und es loszuwerden. Denn letzten Endes geht es darum, Geld zu verdienen“ und fügte hinzu: „Mr Tesco wird sagen ‚richtig, ich will 100.000 Vögel mit je 1,8 Kilo'“.

Er erklärte ebenfalls: „Wenn ich einen Vogel 30 Tage lang füttere, warm halte, ihn das Wasser und alles andere trinken lasse, und dann wird er in der Fabrik nicht verarbeitet, weil er nicht groß genug ist, er wird einfach abgelehnt, dann habe ich ein Pfund für seine Fütterung ausgegeben. Nun, je mehr von ihnen man also frühzeitig herausholen kann, desto besser wird die Rentabilität des Betriebs sein; desto besser wird die Rentabilität des gesamten Unternehmens sein“.

Während viele Sektoren angesichts der Covid-19 Pandemie mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, konnten Supermärkte in den letzten Monaten einen Umsatzanstieg verzeichnen. Nach anfänglichen Panikkäufen und anhaltender Vorratshaltung meldete Tesco einen steilen Anstieg der Verkäufe, wobei die Online-Käufe im ersten Quartal 2020 um 48,5 % zunahmen. Dem großen Lebensmitteleinzelhändler wird ein Gewinn von umgerechnet etwa 2 Million Euro prognostiziert – fast 330 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. 

MODERNE MASTHUHNZUCHT

Es ist nicht das erste Mal, dass extremes Tierleid in den Betrieben von Moy Park aufgedeckt wird. Bereits im Jahr 2019 wurde das Leid der Hühner dokumentiert, die dort unter entsetzlichen Bedingungen in riesigen Ställen leben. Tote Küken wurden tagelang liegen gelassen und viele der noch lebenden hatten schwere Beinverletzungen.

Erst vor wenigen Tagen hat Animal Equality weiteres Videomaterial von weiteren acht Betrieben des Geflügelproduzenten veröffentlicht. Die Hühner in diesen Betrieben waren auf ähnliche Weise in stark überfüllten Ställen eingesperrt und starben zu Dutzenden; anderen kleineren Vögeln wurde Wasser entzogen, indem Tränken routinemäßig auf Höhen gestellt  werden, die sie nicht erreichen können. Bei vielen Hühnern wurden auch Verbrennungen an den Füßen und auf der Brust durch den von Urin getränkten Boden festgestellt.

Trotz dieser Ergebnisse gab ein Sprecher von Moy Park an, dass „die Tiere insgesamt ein natürliches Verhalten zeigen und in den meisten Aufnahmen bei guter Gesundheit erscheinen„.

Abigail Penny, Geschäftsführende Leitung von Animal Equality in Großbritannien sagte: „Ich bin sehr besorgt darüber, dass es nach Ansicht von Moy Park ‚keine größeren Verstöße‘ gab und dass die gefilmten schrecklichen Praktiken nach den geltenden Red Tractor-Standards zulässig sind. So sieht die moderne Hühnerzucht aus. Aber als Verbraucher*innen haben wir die größte Macht von allen, und wir müssen dieses Leid nicht unterstützen. Sie können Tieren lebenslanges Leiden ersparen, indem Sie sich einfach dazu entscheiden, sie nicht zu essen“.

WERDEN SIE AKTIV FÜR HÜHNER

Animal Equality hat eine Petition gestartet, in der Tesco aufgefordert wird, das Better Chicken Commitment zu unterschreiben und die grausamsten Praktiken für Hühner aus seinen Lieferketten zu verbannen. Unterzeichnen Sie noch heute und zeigen Sie Ihre Unterstützung!

Wenn auch Sie entsetzt über diese Grausamkeiten sind – die größtenteils völlig legal und branchenüblich sind – können Sie den Hühnern jedes Mal zu helfen, wenn Sie eine Mahlzeit zu sich nehmen. Versuchen Sie tierische Produkte durch pflanzliche Optionen zu ersetzen. Auf unserer Website www.loveveg.de finden Sie alle Infos, die Sie für die Umstellung auf eine tierleidfreie Ernährung brauchen.