Frankreich: Kükenschreddern soll 2021 ein Ende haben

„Ab Ende 2021 wird nichts mehr so sein, wie es vorher war.“ Der französische Landwirtschaftsminister Didier Guillaume kündigte am Dienstag in Paris von Tierschutz-Aktivist*innen seit langem geforderte Maßnahmen an: Neben der betäubungslosen Kastration von Ferkeln, soll unter anderem auch der grausamen Praxis des Kükenschredderns ab 2021 ein längst überfälliges Ende gesetzt werden. Damit könnte Frankreich eines der ersten Länder sein, das die Massentötung der männlichen Küken ab dem nächsten Jahr endgültig verbietet. 

Ein Verbot in Frankreich könnte sich auch positiv auf das Schicksal von Millionen von Küken auswirken, die jährlich in der deutschen Eierindustrie getötet werden. Im Oktober letzten Jahres verkündeten Guillaume und Deutschlands Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein gemeinsames Vorgehen im Ausstieg aus der Kükentötung an. Eigenen Aussagen zufolge hoffe  Frankreichs Agrarminister nun, dass landwirtschaftliche Betriebe baldmöglichst auf alternative Verfahren zur Kükentötung zurückgreifen können.

Auch in Deutschland bleibt die Praxis des Kükenschredderns weiterhin erlaubt, bis neue Technologien zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen. Und das obwohl Wirtschaftlichkeit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom 13. Juni 2019 zufolge nicht mehr als “vernünftiger Grund” gilt,  Millionen von männlichen Küken schlüpfen zu lassen und sie direkt nach ihrem Schlupf zu töten. 

Tierschützer*innen sehen Guillaumes Ankündigung kritisch

Brigitte Gothière, Mitbegründerin der französischen Tierrechtsorganisation  L214 – Éthique & Animaux bewertet Guillaumes Ankündigungen als unzureichend. Seit langer Zeit fordere ein großer Teil der französischen Gesellschaft im Hinblick auf die Missstände in der industriellen Landwirtschaft mehr Einsatz und politischen Willen der Regierung. Die nun angekündigten Maßnahmen seien demgegenüber nur eine reaktionäre Geste. Ohne die grundlegende Umstrukturierung der grausamen und überholten Haltungs- und Schlachtbedingungen, könne kein ausreichender Schutz für sogenannte Nutztiere gewährt werden. Millionen von Tieren in der Industrie müssen weiterhin unnötig leiden.

Hintergrund Kükenschreddern 

Weltweit werden etwa sieben Milliarden männliche Küken am ersten Tag ihres Lebens getötet, weil sie in der Eierindustrie nicht erwünscht sind. Sie können keine Eier legen und setzen deutlich langsamer und weniger Fleisch an als Hühner, die für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Viele werden lebendig geschreddert, andere durch Stromschläge getötet oder durch Gas oder in Plastiktüten erstickt.

Es gibt bereits verschiedene Ansätze für Alternativen zum Kükentöten. Grundsätzlich wird dabei zwischen drei Alternativen unterschieden: Die Geschlechtsbestimmung im Ei (In-ovo-Geschlechtsbestimmung), die Aufzucht der männlichen Küken zur Fleischgewinnung (Bruderhahn-Mast) und die Züchtung von sogenannten Zweinutzungsrassen. Sowohl die Mast der Bruderhähne, als auch das Zweinutzungshuhn werden vor allem von Bio-Betrieben bereits in gewissem Umfang praktiziert. Doch nur jedes zehnte Ei in Deutschland kommt aus Biohaltung und nicht alle dieser Betriebe verzichten auf das Töten der männlichen Küken. Der Anteil der Eier, für die kein männliches Küken getötet wurde, dürfte demnach verschwindend gering sein.


Der effektivste Weg Küken und andere „Nutztiere“ zu schützen, ist tierische Produkte durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen. Mehr Infos zu einer tierleidfreien, pflanzlichen Ernährung.

Quellen:
L214 – Éthique & Animaux (28.01.2020): “Bien-être animal”: les gesticulations du gouvernement cachent un manque d’ambition et de volonté politique”
The Guardian (29.01.2020): “France moves to ban mass live-shredding of male chicks
Stuttgarter Zeitung (16.10.2020): “Berlin und Paris wollen das Kükenschreddern verbieten”