TIEREN HELFEN DURCH UNTERNEHMENSKAMPAGNEN- DAS TEAM VON ANIMAL EQUALITY STELLT SICH VOR

Im vergangenen Jahr durften wir Georgina Spieth und Nadine Miesterek bei Animal Equality  willkommen heißen. Als Corporate Outreach Manager und Corporate Campaigns Coordinator bilden sie das Herz unseres Teams für Unternehmenskampagnen in Deutschland. Um einen Einblick in ihre tägliche Arbeit zu geben und zu erklären, wie sie Tieren in der “Nutztierindustrie” helfen, haben Georgina und Nadine einigen Fragen für euch beantwortet.

Was sind eigentlich Unternehmenskampagnen?

Nadine: Unsere Kampagnenabteilung bei Animal Equality führt umfangreiche Bildungskampagnen durch und veröffentlicht Bild- und Videomaterial, das die Lebensbedingungen von Tieren in der Massentierhaltung zeigt. So können wir über Missstände und mangelhafte Tierschutzrichtlinien aufklären. Wir möchten Verbrauchern ermöglichen, informierte Entscheidungen zu treffen und ihr Konsumverhalten entsprechend anzupassen. 

Georgina: Wir streben eine Welt an, in der Tiere gar nicht mehr gequält und gegessen werden. Da wir wissen, dass wir dies nicht über Nacht erreichen können, arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, um diese zu überzeugen, besonders tierquälerische Praktiken abzuschaffen, wie Käfighaltung, Qualzuchten oder betäubungslose Amputationen. Der internationale Bereich Corporate Outreach, auf Deutsch auch Abteilung für Unternehmensfortschritt, ist dafür verantwortlich, Unternehmen in der Lebensmittelindustrie auf die gravierendsten Missstände der Massentierhaltung aufmerksam zu machen und durch die Zusammenarbeit eine Anhebung der derzeitigen Tierschutzkriterien zu erreichen. 

Warum ist es Teil der Strategie von Animal Equality, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten?

Georgina: Die Erhöhung von Tierschutzstandards einzelner Unternehmen kann das Leben von zahlreichen sogenannten Nutztieren erheblich beeinflussen. Durch das Abschaffen besonders grausamer Praktiken streben wir an, das Leiden dieser Tiere etwas zu lindern und langfristig dafür zu sorgen, dass sie von Unternehmen nicht mehr nur als Produkte betrachtet werden. Umsatzstarke Unternehmen haben oft großen Einfluss auf zukunftsweisende Entscheidungen hinsichtlich internationaler (Industrie-)Standards und Einkaufspolitik. Unternehmen, die auf die zunehmende Forderung nach mehr Tierschutz in der Gesellschaft reagieren, setzen zugleich auch ein Signal an Konkurrenzunternehmen, welche sich ihrer Verantwortung bewusst werden müssen. Animal Equality setzt sich dafür ein, dass der Tierschutzstandard insgesamt auch international angehoben wird, was durch die Unterstützung von Unternehmen beschleunigt und stark beeinflusst wird. Im Idealfall zeigt ein Unternehmen darüber hinaus die Bereitschaft sein Fleischangebot zu reduzieren und manche Produkte sogar gänzlich durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen. Konstruktiver Dialog, Umdenken und ein Fokus auf strengere und erhöhte Maßnahmen stehen dabei im Vordergrund.  

Nadine: Mit unserem Ernährungsprogramm LoveVeg informieren wir über eine tierleidfreie und pflanzenbasierte Ernährung. Doch leider reicht es nicht aus, auf eine freiwillige Verbraucherentscheidung zu setzen. Um einen spürbaren Unterschied für die Tiere zu machen, muss sich das Angebot seitens der Unternehmen ändern. Und viele Firmen wie zum Beispiel Frosta sehen die Zeichen der Zeit und bieten nicht nur pflanzliche Alternativen an, sondern unterstützen nach Gesprächen mit Animal Equality auch Tierschutzrichtlinien wie die Europäische Masthuhn-Initiative. Diese Initiative hat Animal Equality zusammen mit etwa 30 anderen europäischen Organisationen als Teil der Open Wing Alliance erarbeitet. Durch die Zusammenarbeit können wir auch auf europäischer Ebene mit internationalen Unternehmen, wie zum Beispiel mit Iglo und dessen Mutterkonzern Nomads Food, ins Gespräch kommen und so auf eine Anhebung der Tierschutzstandards nicht nur in Deutschland hinwirken. Mittlerweile haben sich über 250 Unternehmen der Europäischen Masthuhn-Initiative oder seinem US-Pendant angeschlossen. 

Gibt es Tiere, die in der Industrie besonders leiden?

Georgina: Hühner sind in Deutschland und weltweit die Landtiere, die am häufigsten geschlachtet werden. Die Bedingungen, unter denen die Tiere gemästet werden, sind geprägt von Schmerzen und Leid. Oftmals steht den sogenannten Masthühnern weniger Stallfläche zur Verfügung als Legehennen in Käfighaltung, welche in Deutschland seit vielen Jahren verboten ist. Die derzeit vorgeschriebenen Tierschutzgesetze verhindern nicht den Einsatz der weit verbreiteten Betäubung im Elektrowasserbad, bei welcher es regelmäßig zu Fehlbetäubungen kommt, sodass jedes Jahr mindestens 9 Millionen Hühner ihre eigene Schlachtung bei vollem Bewusstsein erleben. Deshalb hat Animal Equality gemeinsam mit anderen Organisationen die Europäische Masthuhn-Initiative ins Leben gerufen, um besonders tierquälerische Praktiken abzuschaffen.

Nadine: Außerdem werden wir uns verstärkt mit dem millionenfachen Töten männlicher Eintagsküken beschäftigen. Für die Eierindustrie sind die männlichen Küken nutzlos und werden deshalb aus rein wirtschaftlichen Gründen getöten – das muss sich ändern! Wir möchten die Unternehmen bei der Findung von Alternativen unterstützen und zukünftig dieser sinnlosen und grausamen Praktik des Kükentötens ein Ende zu setzen. 

Ein anderes Thema, auf das wir uns in Zukunft konzentrieren werden, ist das Leid der Fische. Sie bleiben oft ungesehen, denn Fische können nicht schreien und leiden stumm. Nicht einmal die genaue Anzahl der getöteten Fische ist bekannt. Sowohl wild gefangene Fische als auch auf Farmen geschlachtete Tiere werden in Tonnen angegeben. Das Ausmaß ihrer Qualen und ihre schiere Anzahl sind unvorstellbar, allein deshalb dürfen sie nicht länger vergessen werden.

Wie kann man sich eure tägliche Arbeit vorstellen?

Georgina: Mein Ziel ist es mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Es ist erschreckend, wie wenige über die derzeitigen Missstände informiert und sich über Auswirkung mangelnder Tierschutzkriterien in ihren Einkaufsrichtlinien bewusst sind. Ein Großteil meiner Arbeit besteht deshalb zunächst aus Aufklärung und Beratung hinsichtlich sinnvoller Tierschutzmaßnahmen. Meine tägliche Arbeit beinhaltet viele Meetings, Telefonate, E-mails, Recherchearbeit und Kollaboration mit Kolleg*innen anderer Organisationen, die sich weltweit für Tiere einsetzen. 

Nadine: Ohne die zahlreichen Freiwilligen aus ganz Deutschland, die Teil unseres sogenannten Animal-Defender-Netzwerks sind, wäre unsere Arbeit nicht möglich. Eine meiner Haupttätigkeiten besteht deshalb darin, zusammen mit den Animal Defenders Online-Aktionen und auch Proteste umzusetzen, um so unsere Kampagnen zu unterstützen und den Tieren öffentlich eine Stimme zu geben. Zu diesem Zweck erarbeite ich auch Strategien und Materialien, um über Missstände aufzuklären und Unternehmen zu einem Umdenken zu bewegen.

Wieso habt ihr euch für die Arbeit bei Animal Equality entschieden?

Georgina: Tierschutz hat schon seit meiner Kindheit eine wichtige Rolle in meinem Leben eingenommen und ich habe immer wieder bei kleineren Vereinen ausgeholfen sowie Tiere wieder aufgepäppelt. Als ich auf einem Gnadenhof arbeitete, wurde mir noch stärker bewusst, wie viele Tiere nicht gerettet werden können. Seither wollte ich vor allem besonders vielen Tieren so gut wie möglich helfen, insbesondere jenen, die am meisten leiden. Animal Equalitys Arbeit im Bereich der Aufklärung und der Einsatz für Tiere in Massenhaltung hat mich schon immer tief bewegt und ich wollte unbedingt für eine der drei effektivsten Tierschutzorganisationen der Welt arbeiten.

Nadine: Ich habe mich schon immer für Tierschutzthemen interessiert und über viele Jahre ist mir dieser Bereich zunehmend zu einem persönlichen Anliegen geworden. Ich habe angefangen, mich ehrenamtlich in einem Tierschutzverein zu engagieren und irgendwann hat es mir nicht mehr ausgereicht, vegan zu leben und mich privat für Tiere einzusetzen – ich wollte mehr tun. Massentierhaltung war für mich immer ein Kernthema, weil hier Tierleid in einem unvorstellbaren Ausmaß stattfindet und neben Tierrechtsthemen auch Umwelt- sowie Klimaschutz und auch gesellschaftliche Problematiken eine Rolle spielen. Animal Equality war mir vor allem wegen der Undercover-Recherchen, die die entsetzlichen Zustände in der Massentierhaltung aufdecken, schon lange ein Begriff. Deshalb war es für mich auch keine Frage, dass ich bei Animal Equality arbeiten wollte, um so viel wie möglich für die Tiere verändern zu können. 

Was kann jede*r Einzelne von uns tun, um eine bessere Welt für Tiere zu schaffen?

Georgina: Für mich hat es damit angefangen, meine eigenen Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und mich generell über Tierschutzprobleme zu informieren. Angefangen beim Vermeiden von tierischen Produkten und vollständigem Ersetzen durch pflanzliche Alternativen hin zu Fragen darüber wie ich Streunern im Urlaub helfen kann. Zum Glück gibt es mittlerweile wirklich viel mehr Informationen im Internet und tolle Dokumentationen, die aufklären und inspirieren. Du könntest beispielsweise Feedback bei Restaurants, Cafés oder an deinen Lieblingsorten hinterlassen, falls du aufgrund des tierleidfreien Angebots gerne dort isst oder Essen bestellst.  Oder du bittest sie  um mehr pflanzliche Alternativen auf ihrer Speisekarte. Auch wenn die Geste manchmal noch so klein wirkt, hat sie doch eine wichtige Bedeutung. Mit jeder Stimme vervielfacht sich die Aussage: Menschen wollen, dass Tiere Achtung und Schutz erfahren!

Nadine: Heutzutage ist eine tierleidfreie Ernährung so einfach wie nie zuvor. Die meisten Supermärkte haben mittlerweile eine große Auswahl an pflanzlichen Alternativen zu Milchprodukten und eine breite Palette an Fleischersatzprodukten im Angebot, falls man nicht auf Liebgewonnenes verzichten möchte. Daher bietet es sich an, als ersten Schritt seine Gewohnheiten im Supermarkt zu überprüfen. Aber auch andere Produkte wie Kleidung oder Kosmetik verursachen großes Tierleid und könnten durch tierfreundliche Artikel ersetzt werden. Auch in anderen Bereichen hat unser Konsum Einfluss auf die Umwelt und damit das Leben von zahlreichen Tieren, sei es durch den Klimawandel oder Plastikmüll, der letztendlich im Meer landet. So individuell wie jede*r Einzelne sind auch die Möglichkeiten, etwas zum Besseren zu verändern. Jeder kleine Schritt in die richtige Richtung kann in der Summe einen großen Unterschied machen.

Sie wollen Tieren effektiv helfen? Werden Sie heute noch Animal Defender oder
probieren Sie tierleidfreie Alternativen aus!