Putzerfische: Erkennen sie sich im Spiegel?

Von: Annika Broocks

Neben dem Menschen gibt es bisher nur wenige Tiere, bei denen festgestellt wurde, dass sie sich im Spiegel selbst erkennen. Dazu gehören die mit uns Menschen sehr eng verwandten Schimpansen sowie Delfine, Elefanten, Elstern und Krähen. Doch auch im Reich der Fische gibt es eine Art, die es mit Säugetieren und Vögeln aufnehmen kann: Die Putzerfische.

DER SPIEGELTEST

Schweine und Hunde haben in Tests bewiesen, dass sie den Spiegel zwar nutzen können, um etwa an Futter zu gelangen, sich aber vermutlich nicht selbst im Spiegel erkennen. Bei Elefanten und Schimpansen wurde beobachtet, wie sie mithilfe des Spiegels Bereiche ihres Körpers inspizierten, die sie sonst nicht sehen können – wie z. B. ihren Mundraum. Auch Delfine zeigten ein ähnliches Verhalten, das normalerweise sehr untypisch für sie ist: Sie schwammen auf einer Stelle und zuckten aufgeregt mit den Flossen, während sie sich im Spiegel betrachteten. Mehrmals legten sie ihren Körper so, dass sie ihre Unterseite im Spiegel sehen konnten. Dieses Verhalten legt schon sehr nahe, dass die Tiere wirklich begriffen, dass das Spiegelbild sie selbst abbildet. 

DER MARKIERUNGSTEST

Um ganz sicher zu gehen, gingen Forscher*innen sogar noch einen Schritt weiter und markierten eine Stelle des jeweiligen Tieres mit Farbe. Meist taten sie dies im Gesicht oder an einem anderen Ort, den die Tiere nur mithilfe eines Spiegels sehen konnten. Wenn das Tier die Stelle im Gesicht nach einem Blick in den Spiegel gezielt berührte, so war dies ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es das Spiegelbild mit sich selbst verbinden konnte. 

DER PUTZERFISCH SCHAUT IN DEN SPIEGEL

Nun wurde der Test auch mit dem Gemeinen Putzerlippfisch durchgeführt, der andere Fische von Parasiten befreit und für kleine Flecken ein besonders gutes Auge hat. Zunächst ließen die Forscher*innen den Fischen Zeit, sich an die Spiegel zu gewöhnen. Wie die meisten anderen Tiere hielten sie ihr Spiegelbild anscheinend zunächst für einen Eindringling und versuchten, diesen zu verjagen. Nachdem dies nicht gelang, begannen die Fische, sich genau wie die Delfine untypisch zu verhalten und sich längere Zeit vor dem Spiegel aufzuhalten. Nachdem ihnen von den Forscher*innen eine Markierung an den Kopf gemalt wurde, geschah das Unglaubliche: Die Fische sahen die Markierung im Spiegel, schwammen zum Boden oder einer anderen Oberfläche und rieben die markierte Stelle daran. War hingegen kein Spiegel in der Nähe, reagierten die Fische nicht auf die Markierung. Waren die Flecken transparent und im Spiegel nicht sichtbar, reagierten die Fische ebenfalls nicht. Auch rieben sich die Putzerfische nicht an Oberflächen, wenn sie markierte Artgenossen sahen, genauso wenig reagierten sie auf Markierungen direkt am Spiegel. Allein auf die Markierungen, die sie mithilfe des Spiegels an sich selbst wahrnehmen konnten, reagierten sie, indem sie ihre Körper an einer Oberfläche rieben. Damit haben die Putzerfische den Markierungstest bestanden.

Ein Putzerfisch bei der Arbeit

SOZIAL UND INTELLIGENT

Auch sonst beweisen Putzerfische, dass Fische viel schlauer sind, als wir teilweise immer noch denken. Bei einem Test wurde ein blauer und ein roter Teller mit Futter zu den Tieren gestellt. Während der blaue Teller stehen blieb, wurde der rote schon nach wenigen Augenblicken entfernt. Die Putzerfische erkannten das Prinzip sogar noch vor den Schimpansen und aßen das Futter auf dem roten Teller, bevor dieser weggenommen wurde. Tatsächlich müssen sich die Fische auch das Aussehen ihrer “Stammkundschaft” merken, wenn sie möglichst viele “Kund*innen bedienen” wollen. So wissen sie genau, wer nur auf der Durchreise ist und zuerst “bedient” werden sollte. Interessant ist auch, dass Putzerfische an ihrer eigenen “Putzstation” die Kundschaft oft besser behandeln als an den “Putzstationen” ihrer Artgenossen. An anderen “Stationen” bedienen sich die Putzerfische gerne auch mal an der Haut der “Kundschaft”, da ihnen diese eigentlich noch besser schmeckt als die Parasiten. Wenn ihnen dieser Fehler im eigenen Heim unterläuft, besänftigen sie ihre “Kundschaft” indem sie ihnen den Rücken tätscheln. 

FISCHE HABEN EIN RECHT AUF LEBEN

Fische sind fühlende Lebewesen, die im Fall des Putzerfisches sogar Dinge vollbringen, welche Kindern unter zwei Jahren noch nicht gelingen, nämlich sich selbst im Spiegel zu erkennen. Es ist höchste Zeit, den Fischen mit Respekt zu begegnen, statt sie weiterhin auszubeuten und ihren Lebensraum zu zerstören. Sie können jeden Tag zum Schutz der Meeresbewohner beitragen, indem Sie sich pflanzlich ernähren. Auf Love Veg haben wir Rezepte und Tipps für Sie zusammengestellt. Auch auf den fischigen Geschmack müssen Sie nicht verzichten: https://loveveg.de/rezept/karottenlachs/. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

Quellen:
Aargauer Zeitung (16.08.2018): “Im Test die Affen übertrumpft: So intelligent sind Fische” 
Fischwissen.ch: “Haben Fische ein Selbstbewusstsein?”
Max-Planck-Gesellschaft (07.02.2019): “Sind sich Fische ihrer selbst bewusst?” 
Welt (18.09.2018): “Dieser kleine Fisch ist sich seiner selbst bewusst”
Welt (10.01.2011): “Fische sind intelligent – nicht nur im Schwarm”Welt (10.11.2009): “Schweine können sich im Spiegel erkennen”