Problematisches Tierfutter: Fischmehl aus Westafrika

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wovon sich die Fische, die später als Filet auf den Tellern oder als Backfisch auf den Brötchen landen, eigentlich ernähren? Aufgrund der immensen Nachfrage nach Fisch, werden die Tiere massenhaft in Aquakulturen gezüchtet, einer Form der industriellen Tierhaltung, in der ihr Leben voll und ganz auf ein einziges Ziel ausgerichtet ist: so schnell wie möglich, so groß wie möglich zu werden, damit sie schließlich zu profitablen Produkten verarbeitet werden können. In den Zuchtstationen verbringen die Fische bis zu zwei Jahre zusammengepfercht auf engstem Raum. Unter diesen Bedingungen breiten sich Parasiten und bakterielle Infektionen besonders schnell aus. Die Tiere verbringen ihr ganzes Leben in einer qualvollen und unnatürlichen Stresssituation.

In ihrer natürlichen Umgebung ernähren sich viele der Fische, die von uns als “Speisefische” gezüchtet werden, von anderen Meerestieren. Um ein schnelles Wachstum und eine ausreichende Nährstoffzufuhr zu ermöglichen, besteht ihre Nahrung in der Massentierhaltung deshalb zu großen Teilen aus Fischmehl oder Fischöl – getrockneten und gemahlenen oder gepressten Konzentraten, die aus ganzen Fischen oder Fischteilen hergestellt werden. Heute werden kleine Fischarten speziell für die Fischmehlproduktion aus dem Meer gefangen. Häufig wird dabei Jagd auf ohnehin überfischte Arten, wie Sardinen, Heringe oder Makrelen gemacht. Wenn diese in der empfindlichen Nahrungskette der Ozeane fehlen, wird das Gleichgewicht der maritimen Ökosysteme stark gestört.

Fischmehl-Industrie zerstört Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung

Ein aktueller Greenpeace-Report macht deutlich, dass die Folgen der Fischmehl-Industrie nicht nur für die Meeresbewohner und ihre Umwelt, sondern auch für die Menschen in den jeweiligen Export-Ländern katastrophal sind. Während Peru und Chile noch immer als Hauptproduzenten für Fischmehl gelten, erfährt die Produktion in Westafrika momentan einen regelrechten Boom: die Exporte aus Mauretanien, Senegal oder Gambia nach China und in die Europäische Union haben sich in den letzten Jahren zum Teil bereits verdoppelt. Das Problem: gerade in den ärmeren Küstenregionen gilt Fisch für einen Großteil der Bevölkerung als wichtigster Proteinlieferant. Die lokalen Küstenbewohner*innen könnten sich von den kleinen Fischen ernähren, doch stattdessen werden diese in den Fabriken zu Tierfutter verarbeitet und überall auf der Welt an Tiere in der Nutztierindustrie verfüttert. Ein Viertel des weltweiten Fischfangs wird zu Fischmehl verarbeitet.* 

Wie bei der industriellen Tierhaltung von Säugetieren und Vögeln und dem damit verbundenen, großflächigen Anbau von Soja und Getreide als Futterpflanzen, kommt es dabei zum sogenannten Veredelungsverlust: Während Millionen von Menschen auf der Welt an Hunger leiden müssen, kommt nur ein Bruchteil der zur Verfügung stehenden Kalorien tatsächlich bei den Menschen an. Anstatt die ausreichend vorhandenen Nahrungsmittel gerecht zu verteilen, werden damit die Tier in sogenannter Nutztierhaltung gefüttert, um den Fleisch- und Fischkonsum weniger privilegierter Menschen zu ermöglichen.

Durch bewussten Verzicht auf Fisch, können wir uns aktiv dagegen entscheiden, die grausame Fischindustrie, die Überfischung der Meere und die Ausbeutung der Menschen in ärmeren Küstenregionen zu unterstützen. Mit unserem Konsum tragen wir die Verantwortung, einen respektvollen Umgang mit unserer Umwelt und allen Lebewesen der Erde zu fördern. Besonders, da eine nachhaltige, faire und gesunde Ernährungsweise auf pflanzlicher Basis heute so einfach ist! Probieren Sie es vegan – für Tiere und Menschen – und lassen Sie sich dabei von unserem kostenlosen Ernährungsprogramm Love Veg begleiten. 

*Fischmehl wird auch in der Geflügel- und Schweinezucht als Futtermittel eingesetzt.

Quellen:

Greenpeace (Juni 2019): A waste of fish. Food security under threat from fishmeal and fishoil industry in West Africa
Fair Fish (Mai 2019): Stammt das Futter für den Zuchtfisch auf Deinem Teller aus Fisch, der jetzt in Afrika fehlt?