OSTSEE: HÖLLE FÜR HERINGE

Fast 18 Prozent der in Deutschland gegessenen Fische sind Heringe. Nur in einem Jahr essen wir durchschnittlich etwa 700 Millionen von den silbernen Schwarmfischen. Obwohl die Heringe sich optimal an den Lebensraum Ostsee angepasst haben, sind sie dort aufgrund von Überfischung und Klimawandel mittlerweile gefährdet.  

INDIVIDUUM IM SCHWARM

Wie andere Fische kommunizieren auch die Heringe fleißig miteinander. Sie tun dies, indem Sie Luft aus ihrer Schwimmblase entweichen lassen. Dabei entstehen unterschiedlich hohe oder tiefe Töne, je nachdem, welche Botschaft sie an die anderen Heringe senden wollen. Heringe besitzen zudem ein exzellentes Wahrnehmungsvermögen und eine äußerst schnelle Fluchtreaktion. Sie haben ihre Augen an das brackige Wasser der Ostsee angepasst und schwimmen in großen Schwärmen. Der Schwarm verringert das individuelle Risiko, von Raubfischen gefangen zu werden. Auch ist die Chance größer, einen passenden Fortpflanzungspartner zu finden. Obgleich ein Fischschwarm in den Augen von uns Menschen vielleicht zunächst aus unzähligen gleich aussehenden Lebewesen zu bestehen scheint, ist doch jeder Fisch anders und einzigartig. Tatsächlich haben Physiker*innen in einer Studie herausgefunden, dass sich nicht wie ursprünglich angenommen einzelne Fische den Bewegungen des Schwarms anpassen. Stattdessen kopieren sie nur die Bewegungen des Nachbarn. Das individuelle Verhalten eines Fisches hat also einen direkten Einfluss auf den gesamten Schwarm.

FISCHEREI: ENDLOSE QUAL

Trotz ihrer Fähigkeiten kommen die Heringe gegen die grausamen Fangmethoden der Menschen nicht an. Mit Hilfe eines Echolots werden die Heringsschwärme aufgespürt und dann mit einem Schleppnetz eingefangen. Zwei Schiffe ziehen das Netz zwischen sich durch das Meer, was mehrere Stunden dauern kann. Dann wird das volle Netz aus dem Wasser gezogen. Es lasten mehrere Tonnen auf den Fischen, die sich weiter unten im Netz befinden. Das Netz wird über dem Schiff geöffnet, woraufhin die Heringe mit hoher Geschwindigkeit aus dem Netz fallen und hart auf der Schiffsoberfläche aufkommen. Dort versuchen sie mit panischen Bewegungen zu entkommen. Sie ersticken langsam oder werden von weiteren “Ladungen” Fischen zerdrückt. Auch Fischer*innen gehen über die Fische und treten dabei auf die empfindlichen Körper. Eine andere Methode des Einfangens ist das Stellnetz, welches an bestimmten Orten im Meer platziert wird. Die Heringe und viele weitere Fische und Meerestiere verheddern sich in den Netzen. Viele von ihnen verletzen sich schon hier und verenden qualvoll. Alle Anderen erwartet das gleiche Schicksal wie die Heringe aus dem Schleppnetz. 

DEN HERINGEN HELFEN

Zusätzlich zu unserer Gier nach dem Fleisch der Heringe macht ihnen auch die Umweltverschmutzung zu schaffen. Die Temperatur der Ostsee ist in den letzten 30 Jahren um 1,5 Grad gestiegen. Das Fortpflanzungsverhalten der Heringe ist dadurch gestört: Sie laichen immer früher, und ihre Larven finden nicht genug zu essen. Riesige Algenteppiche wirken zudem toxisch auf die kleinen Fischkinder.  Dünger für die Algen stammt zum Beispiel aus der Landwirtschaft: Durch Ackerbau und Massentierhaltung verschmutzte Gewässer gelangen bis ins Meer. Doch es gibt noch Hoffnung für die Heringe: Menschen wie Sie. Menschen, die sich bewusst für eine mitfühlende und nachhaltige Ernährung entscheiden. Mit einer pflanzlichen Ernährungsweise schützen Sie nicht nur den Lebensraum der Fische, sondern tun gleichzeitig auch etwas für den Schutz aller Tiere und unseres gesamten Planeten.


Sie möchten den Heringen helfen, sind sich aber noch unsicher bei der Umsetzung? Keine Sorge, auf LoveVeg haben wir kostenlose Kochbücher, Ernährungspläne und Tipps für Sie zusammengestellt.



Quellen:
Arte (11.06.2020): “Der letzte Fang?”
Galileo (14.08.2017): “Zu Besuch in der größten Fischfabrik Europas”
NDR (19.02.2019): “Die Nordreportage 2019 : Wenn der Hering kommt”
Quarks (11.08.2019): “Warum Hering und Dorsch schonend gefangen werden”
Scinexx (28.08.2019): “Wie sich der Hering an die Ostsee anpasste”
Welt der Physik (02.03.2020): “Wie Fische einen Schwarm bilden”
WWF-Artenlexikon: “Hering”
ZDF (16.06.2020): “Hering in Gefahr”