Massentierhaltung trägt zum Artenverlust bei

Um besser nachvollziehen zu können, wie die Massentierhaltung nicht nur die direkt betroffenen Tiere schädigt, sondern auch komplette Ökosysteme in Mitleidenschaft zieht, müssen diese Systeme und ihre Funktionsweisen verstanden werden. Sämtliche Schadstoffe, die in Form von Gülle oder anderen Abfallprodukten der Tierindustrie auf den Böden landen, sammeln sich an. Im Vergleich zu Luft oder Wasser haben Böden lange Regenerationszeiten und Schädigungen sind nur bedingt umkehrbar, häufig sogar gar nicht. Dieses Phänomen wird auch als “Langzeitgedächtnis der Böden” bezeichnet: selbst wenn keine weiteren Schadstoffe mehr eingebracht werden, dauert die Belastung mit den vorher eingetragenen Stoffen an.

Die Folgen der Globalisierung auf die Umwelt

Im Zuge der Globalisierung und der damit einhergehenden wachsenden Weltbevölkerung stieg die Nachfrage nach Lebensmitteln rasant an. Mehr Land wurde für den Anbau von Futtermitteln und Lebensmitteln benötigt, in jüngster Zeit aber auch für den Anbau von Ölsaaten zur Herstellung von Biokraftstoffen. Seit 2000 dezimierte primär die Rinderzucht die Artenvielfalt. Für jeden Burger müssen Rinder geschlachtet werden, die vorher auf Weiden oder in Ställen stehen und Futter benötigen. Um das Kraftfutter anbauen zu können, werden Wälder in anderen Ländern gerodet und die dortige Artenvielfalt im Zuge dessen direkt eingeschränkt. Auch wenn die Landnutzung inzwischen effizienter geworden ist, hat die Umweltzerstörung weltweit weiterhin zugenommen, da die Verbesserungen das Weltbevölkerungswachstum trotzdem nicht ausgleichen können.

Die Landwirtschaft erfuhr im Verlauf der Globalisierung eine starke Spezialisierung. Früher bestimmten Bauernhöfe mit einer ausgeglichenen Zahl an Hühnern, Schweinen und Kühen das Landschaftsbild. Inzwischen hat die Zahl der gehaltenen Tiere pro Bauernhof extrem zugenommen. Zusätzlich zu der Umstellung auf Massentierhaltung zur Herstellung von tierischen Produkten, kam es zu einer räumlichen Trennung zwischen Tierzucht- und Mastbetrieben sowie Ackerbaubetrieben, was zur Folge hatte, dass nicht die gesamte anfallende Gülle auf den umliegenden Feldern als Dünger benötigt wird. Nichtsdestotrotz wurde die Gülle auf Äckern und Feldern ausgebracht. Der darin enthaltene Stickstoff reicherte sich daraufhin in den Böden an, da er zwar von Pflanzen zum Wachsen gebraucht wird, allerdings nicht in den Mengen in denen er nun vorhanden war. Bei der Auswaschung des Stickstoffs aus dem Boden kommt es zu weiteren negativen Folgen: wenn sich das Nitrat mit dem Sickerwasser verlagert werden für den Boden wichtige Nährstoffe mit ausgeschwemmt. Dabei wird das Grundwasser durch Nitrat belastet und die Böden nährstoffarm. Eine Nitratbelastung des Grundwassers führt ferner auch zu einer Nährstoffüberversorgung. In Gewässern schlägt sich das mit erhöhter Algenproduktion und an Land mit einer Übersäuerung nieder. Bei niedrigen pH-Werten im Boden lösen sich Schwermetalle, die wieder mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen können.

Geschädigte Böden und ihre Auswirkungen auf Biodiversität

Die Schadstoffe in den Böden verseuchen sowohl direkt als auch indirekt umliegende Gewässer, das Grundwasser und die Luft. Gerodete Flächen und die darauf neu entstehenden Kulturen können CO2 aus der Luft weniger effizient binden, als die ursprünglich vorhandenen Ökosysteme. Land- und forstwirtschaftliche Nutzung ist weltweit für ein Viertel des Schwundes der Fähigkeit zur Kohlenstoffbindung verantwortlich. Direkt durch die Landnutzung bedroht sind die für die Ackerflächen gerodeten Pflanzen und die darauf lebenden Tiere. Zwischen 2000 und 2011 stieg die Zahl der durch Landnutzung vom Aussterben bedrohten Vogelarten um sieben Prozent. Der Großteil des Artenverlustes findet in den tropischen Regionen statt, wo ausgelaugte Böden keine Lebensgrundlage mehr bieten. Doch auch in den Industrieländern führt die erhöhte Stickstoffbelastung zu einer Gefährdung von Pflanzengesellschaften, die auf stickstoffarme Böden angewiesen sind. 70 % der Rote-Liste-Arten sind bei erhöhter Stickstoffbelastung kaum konkurrenzfähig. Die Nitratauswaschung und die damit einhergehende Nährstoffüberversorgung in den umliegenden Gewässern führt zu Algenblüten, die anderen Lebewesen ihre Lebensgrundlage nehmen und in Extremfällen Gewässer zum Kippen bringen können. Auch die ausgeschwemmten Schwermetalle werden direkt von Pflanzen und Bodenlebewesen aufgenommen und schädigen diese direkt, während sie auch das Grundwasser belasten.

Wenn mit den Böden weiterhin so verfahren und die Biodiversität weiter eingeschränkt wird, gefährden wir Menschen auch unsere eigene Lebensgrundlage. Ein Lösungsansatz ist die Verringerung des Bevölkerungswachstums, um den Druck auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu reduzieren. Der größte Schadensfaktor, die industrielle Tierhaltung, kann jedoch von uns allen verringert werden. Durch den bewussten Verzicht auf tierische Produkte und die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung schützen wir die Böden, die Tiere und unsere Gesundheit. Probieren Sie mit unserem Ernährungsprogramm LoveVeg ein tierleidfreie Ernährung aus und erfahren Sie, wie vielseitig und lecker vegane Küche sein kann. Bei der Anmeldung für unseren Newsletter gibt es das aktuelle LoveVeg-Kochbuch gratis dazu.

Quellen:

Medizin Aspekte (März 2019): „Biodiversitätskrise: Technische Fortschritte in der Landwirtschaft reichen als Antwort nicht aus„.

Umweltbundesamt (20.10.2017): „Stickstoff„.

Rheinard F. Hüttl und Stefan Mayer (12.02.2010): „Über Massentierhaltung und das Langzeitgedächtnis der Böden„.