FREEDOLIN: EIN FREIES KALB

Den wenigsten Tieren in der sogenannten Nutztierindustrie ist das vergönnt, was einem Kalb namens Freedolin passiert ist. Nicht umsonst wurde das englische Wort für “frei” in seinen Namen eingebaut. Denn Freedolin hatte das Glück, aus einem Milchbetrieb gerettet zu werden.

NUMMER 777

Freedolin wurde als Holstein-Kalb auf einem kleinen Hof geboren  ̶  ein Milchbetrieb, auf dem die Kühe tagsüber auf der Weide stehen dürfen. Doch auch hier bekommen die Rinder Nummern statt Namen. Sie sind nur da, um Milch zu produzieren, was der kleine Freedolin aufgrund seines Geschlechtes nicht kann. Als der Tierrechtler Christoph Scholz dem Kalb zum ersten Mal begegnete, war dieses ganz allein in einen dunklen Stall gesperrt. Das Tierkind mit der Nummer 777 war sichtlich verängstigt. Einige Wochen später sollte er abgeholt und gemästet werden, nur, um dann im Schlachthof zu sterben.

GASSI GEHEN MIT EINEM KALB

Doch dank seines Retters Christoph Scholz und seiner Retterin Janett Bienkowski wendete sich Freedolins Schicksal zum Guten. Sie kauften ihn frei und Christoph begann, ihn langsam an sich zu gewöhnen. Er gab ihm einen Namen und begann, täglich mit ihm im Wald spazieren zu gehen. Freedolin legte schnell seine anfängliche Scheu ab und verhielt sich mehr und mehr wie ein verspielter Hundewelpe. Alles Neue musste erkundet werden. Andere Spaziergänger*innen ließen ihn mit ihren Hunden spielen und fragten neugierig, wo denn Freedolins Mutter sei.

AUCH FÜR MILCH MÜSSEN TIERE LEIDEN

Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass Kälber in der Milchindustrie von ihren Müttern getrennt werden. Nur so können wir Menschen deren Muttermilch für unseren eigenen Konsum nutzen. Die Kälber müssen allein in sogenannten Kälber-Iglus ausharren, wo sie weder ihrem Bewegungsdrang nachkommen noch von älteren Tieren sozialisiert werden können. Mutter und Kind schreien nach der Trennung oft tagelang nacheinander, sie leiden sichtlich darunter. Kühe sind sanfte Mütter, die sich unter natürlichen Umständen hingebungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern würden. Ihre Milch wird speziell für das Kalb produziert, weshalb auch die darin enthaltenen Nährstoffe an dessen Bedürfnisse angepasst sind. In der Milchindustrie erhalten die Kälber häufig lediglich einen unzureichenden Milchersatz. 

LEBENSHOF STATT “NUTZTIERHOF”

Im Gegensatz zu seiner Mutter kann Freedolin nun sein Leben auf einem Lebenshof genießen. Tiere zu nutzen, ohne ihnen Leid zuzufügen, ist eine idyllische Vorstellung. Sogenannte “Nutztiere” sterben meist noch im jungen Alter einen gewaltvollen Tod auf dem Schlachthof. In Freedolins neuer Heimat, einem Lebenshof von Lebenshilfe Kuh & Co e.V. in Reutlingen, geht es den Tieren wirklich gut. Sie müssen nicht mehr Milch, Eier und Nachwuchs für den menschlichen Konsum produzieren, sondern können einfach leben. Hier kümmern sich liebevolle Menschen um die geretteten Tiere. Auch Sie können dazu beitragen, dass es mehr Tieren wie Freedolin ergeht. Streichen Sie tierische Produkte von Ihrem Speiseplan und informieren Sie Ihre Mitmenschen über das Leid der Tiere in der Nutztierindustrie. 

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Quellen:
Albert Schweitzer Stiftung: “Mastkälber”
Usinger Anzeiger (08.08.2020): “Kälbchen Freedolin darf leben”