Antibiotikaresistente Keime in Hähnchenfleisch

Um herauszufinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, bei durchschnittlichem Kaufverhalten Fleisch mit antibiotikaresistenten Keimen zu erwerben, ließ die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch stichprobenweise Geflügelfleisch aus 60 verschiedenen Discountern in ganz Deutschland testen. Sie alle gehören zu den größten Supermarktkonzernen des Landes (Aldi, Lidl, Netto, Penny, Real) und bestimmen zusammen etwa 90 % des deutschen Lebensmittelmarktes. Das Ergebnis: mehr als 50 % des getesteten Hähnchenfleisches waren mit antibiotikaresistenten Erregern belastet, bei jeder dritten Probe konnten sogar Resistenzen gegen sogenannte Reserveantibiotika nachgewiesen werden. Mediziner*innen bewerten die fortlaufende Verbreitung der Resistenzen als äußerst besorgniserregend und kritisieren den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung als eindeutige Ursache.

Rund zwei Drittel aller weltweit eingesetzten Antibiotika werden der Schätzung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zufolge bei Nutztieren eingesetzt, in Europa vor allem in der industriellen Zucht von Schweinen und Hühnern. Katastrophale Haltungsbedingungen in den Betrieben der Massentierhaltung begünstigen den Ausbruch von Krankheiten und Epidemien. Da sie die Rentabilität der Produktion von tierischen Produkten gefährden, werden den Tieren zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten routinemäßig Medikamente in das Futter gemischt. Besonders bedenklich erscheint dabei der in vielen Hähnchenmastbetrieben bereits zum Standard gewordene Einsatz von Reserveantibiotika. Auf diese sollte eigentlich nur in jenen Fällen zurückgegriffen werden, wenn andere Antibiotika aufgrund von Resistenzbildungen ihre Wirkung verloren haben.

Bei dem Verzehr von Hühner-, Schweine-, oder Rindfleisch können die Erreger, zum Beispiel durch unzureichende Hygiene bei der Zubereitung, in den menschlichen Körper gelangen. Folglich nehmen immer mehr Menschen über den Konsum des kontaminierten Hühnerfleischs multiresistente Keime in ihren Organismus auf. Bei fortschreitender Entwicklung werden damit viele lebensnotwendige Antibiotika ihre Wirksamkeit gegen bedrohliche, bakterielle Infektionen verlieren. Den Angaben der WHO zufolge, starben bereits im vergangenen Jahr weltweit mehr als 700.000 Menschen an Krankheiten, die eigentlich mithilfe von Antibiotika behandelt werden können. Der Tendenz nach zu beurteilen, wird es bereits in 10 – 15 Jahren keine wirksamen Antibiotika mehr geben und die Anzahl der durch Antibiotikaresistenzen verursachten Todesfälle dadurch in naher Zukunft rapide ansteigen.

Um das systembedingte Leid der Tiere zu verringern und gravierende Folgen für die Gesundheit der Menschen zu verhindern, müssen dringende politische Maßnahmen und Gesetze die Haltungsbedingungen in Tierhaltungsbetrieben verschärfen, den Einsatz von Antibiotika regulieren und den Gebrauch von Reserveantibiotika verbieten. Als Konsument*innen können wir uns alle daran beteiligen, einem “postantibiotischen” Zeitalter entgegenzuwirken, indem wir auf tierische Produkte verzichten und uns dagegen entscheiden, die grausame Massentierhaltung zu unterstützen. Versuchen Sie – für das Wohl der Tiere und Menschen – anstelle von tierischen Lebensmitteln pflanzliche Alternativen zu wählen. Mit vielen leckeren Rezepten und nützlichen Tipps erleichtert unser Ernährungsprogramm LoveVeg Ihnen den Umstieg auf eine ausgewogene, pflanzliche Ernährung.

Quellen:

Germanwatch (16.04.2019). Analyse von Hähnchenfleisch auf Antibiotikaresistente Erreger.
Spiegel Online (16.04.2019). Antibiotikaresistente Keime auf jedem zweiten Discounter-Hähnchen.
Taz (17.04.2019). Verkeimte Hühner aus der Kühltheke.