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April 24, 2026

Agrarlobby diktiert in der EU den Tierschutz

Lobbyverband European Livestock Voice nutzte erneut seinen direkten Zugang zur EU-Kommission, um eigene Visionen zu propagieren.

Die international tätige Tierschutzorganisation Animal Equality hat aufgedeckt, dass die Agrarindustrie mit regelmäßigen Kontakten zur EU-Kommission die Gesetzgebung entscheidend beeinflusst. Unter anderem hat European Livestock Voice ihre Visionen direkt an das Kabinett von Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen herangetragen. Die Lobbygruppe der Tierhaltungsbranche wurde bereits in der Vergangenheit für die Blockade des geplanten Käfigverbots verantwortlich gemacht.

Brüssel/Berlin, 23.04.2026

European Livestock Voice (ELV) soll im Jahr 2023 „privilegierte Kanäle“ zu Kommissionsvertreter*innen „auf hoher Ebene“ genutzt haben, um die wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie durchzusetzen – das berichteten die Investigativjournalist*innen von Lighthouse Reports. Mit diesem Einfluss soll ELV das von der EU-Kommission versprochene und geplante Verbot der Käfighaltung blockiert haben. Wie Animal Equality jetzt herausgefunden hat, nutzte der Lobbyverband seinen Zugang zur Politik am 30. April 2025 erneut: ELV übermittelte „5 Empfehlungen für die Vision der Zukunft der EU-Landwirtschaft“ an Kommissar Hansens Kabinett. Animal Equality hat einen Antrag auf Zugang zu den Dokumenten gemäß dem Informationsfreiheitsgesetz (FOI) gestellt. Nachdem die EU-Kommission ihre Frist bereits einmal verlängert hat, wird jetzt eine Antwort Ende April erwartet.

„Der Lobbyverband, der das Käfigverbot blockiert hat, nimmt erneut systematisch Einfluss auf die Politik – dabei entscheiden nicht Fakten und Wissenschaft, sondern Geld und Einfluss. Die Umsetzung eines EU-weiten Käfigverbots ist auch für Deutschland entscheidend, denn solange Käfige in anderen EU-Ländern legal bleiben, landen Produkte aus Käfighaltung weiterhin auf deutschen Tellern – trotz nationaler Verbote.“
– Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland

European Livestock Voice ist ein Zusammenschluss verschiedener Branchenverbände der Tierindustrie und sagt über sich selbst: „Wir sind überzeugt, dass die Tierhaltung in all ihren Formen Europa viele Vorteile gebracht hat und auch weiterhin bringen wird, während sie ihre Praktiken ständig verbessert.“

Politik stellt Wirtschaft über Wissenschaft

Zu dem Zusammenschluss gehören unter anderem „Fur Europe“ (Dachverband des europäischen Pelzsektors), „EFFAB“ (Europäisches Forum der Nutztierzüchter) sowie Euro Foie Gras (Dachverband der europäischen Stopfleberproduzenten). Auch letztere beeinflussten im vergangenen Jahr die EU-Gesetzgebung. Laut LobbyFacts.eu hat der Branchenverband Euro Foie Gras 2025 bis zu 199.999 Euro in professionelle Lobbyarbeit investiert und sich mehrere direkte Treffen mit Várhelyi und Hansen gesichert, wie Animal Equality dokumentiert hat. Noch im selben Jahr verabschiedete die EU-Kommission eine überarbeitete Verordnung zu Vermarktungsstandards für Geflügelprodukte – die umstrittenen Mindestgewichte für Foie gras wurden dabei nicht reduziert oder verboten. Diese hohen Gewichte können faktisch nur durch Zwangsmast erreicht werden. Eine Praktik, die in vielen Ländern bereits verboten ist, und sowohl von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als auch vom Wissenschaftlichen Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz der EU verurteilt wird.

Erst Ende März dieses Jahres unterzeichneten 40 Mitglieder des Europäischen Parlaments aus 15 EU-Ländern einen Brief an die Kommissare Várhelyi und Hansen, in dem sie fordern, die Zwangsmast in der Stopfleberproduktion schrittweise abzuschaffen und dies explizit in der kommenden Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung zu verankern.

Agrarindustrie dominiert politischen Tierschutz

Eine detaillierte Datenanalyse der Tierschutzorganisation Animal Equality offenbart das Ausmaß der systematischen Einflussnahme: Von Dezember 2024 bis März 2026 haben die für den Schutz der Tiere zuständigen EU-Kommissare Várhelyi und Hansen sowie ihre Kabinette laut Register der Europäischen Kommission insgesamt 708 öffentliche Treffen abgehalten. Das Wort „Käfig“ tauchte in keinem der Titel auf. Mindestens 46 Mal diskutierten sie mit der Fleisch-, Geflügel- und Milchindustrie über das Thema Tierschutz. Mit Tierschutzorganisationen trafen sich die Kommissare im selben Zeitraum nur siebenmal – ein Verhältnis von knapp 7:1 zugunsten der Industrie.

Bereits 2021 hatte sich die Kommission infolge der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“, die von mehr als 1,4 Millionen Bürger*innen unterstützt wurde, verpflichtet, bis Ende 2023 einen Gesetzesvorschlag zur schrittweisen Abschaffung von Käfigen vorzulegen. Dieses Versprechen wurde bis heute nicht gehalten und auch das Arbeitsprogramm 2026 der Kommission sieht keine legislativen Maßnahmen des Tierschutzes vor.

Mit der Kampagne „EU: Ihr zögert, sie leiden“ macht Animal Equality auf die Missstände aufmerksam und fordert mit einem Offenen Brief an die Kommission eine verbindliche Tierschutzreform inklusive Käfigverbot.

Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an [email protected] oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 3004 0892.

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Über Animal Equality

Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.

Pressekontakt Animal Equality

Animal Equality Germany e.V.
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