Wie Tiere in Gefangenschaft leiden

Wer über einen längeren Zeitraum stark unter Stress steht, ist besonders anfällig für psychische oder soziale Verhaltensstörungen. Tiere sind in dieser Hinsicht nicht anders als Menschen: Auch sie leiden unter unnatürlichen und stressigen Bedingungen und entwickeln psychische Krankheiten. Im Gegensatz zu Tieren in Zoos und Zirkussen sind Tiere in der Nutztierindustrie aber oft unsichtbar für die Konsument*innen, da der Großteil der Tiere in Ställen und Massenbetrieben leben muss und selten bis gar nicht ans Tageslicht kommt. Ihre mentale Gesundheit wird dort ununterbrochen auf die Probe gestellt:

KANNIBALISMUS
Ein großes Problem stellen die fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten dar. Hühner und andere Vogelarten genießen es, durch die Gegend zu laufen, zu fliegen und Sandbäder oder im Fall der Enten richtige Bäder zu nehmen. Normalerweise verbringen die Tiere mehrere Stunden am Tag damit, nach Nahrung zu suchen und diese ganz in Ruhe zu verputzen. In der Nutztierindustrie wird ihnen ihr Essen einfach zu bestimmten Tageszeiten vorgelegt. Durch Überzüchtung und unhygienische Verhältnisse sind die Vögel zudem oft gar nicht mehr fähig, ein einigermaßen aktives Leben zu führen. Entzündungen und Krankheiten führen dazu, dass viele von ihnen die Federn verlieren und somit noch verletzlicher sind. Der nicht erfüllte Erkundungsdrang der Hennen, den sie unter natürlichen Umständen an Picksteinen, Stroh etc. ausleben, sowie der maschinell gekürzte Schnabel, der die Sinneswahrnehmung extrem einschränkt, bringen letztendlich gegenseitiges Picken und Kannibalismus mit sich.  

AGGRESSIVITÄT
Kannibalismus ist in der Nutztierindustrie auch bei Schweinen vorzufinden. Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen sind unter anderem auf die artfremde Umgebung zurückzuführen. Zu den Grundbedürfnissen der Schweine gehören stundenlanges Erkunden und Wühlen nach Nahrung, Sozial- und Körperpflege sowie Ruhen an einem sauberen Platz. In der industriellen Tierhaltung werden diese Grundbedürfnisse nicht befriedigt: Für die Nahrungsaufnahme brauchen die Tiere jeweils nur wenige Minuten, die gemächliche Suche nach Nahrung fällt ganz weg. Ihnen wird nicht nur langweilig, sie entwickeln zudem ein Fehlverhalten. So dienen ihnen Stangen und sogar die Körperteile ihrer Artgenossen als einzige Ablenkung ihres tristen Lebens. Wenn dabei ein Schwein verletzt wird, führt das zu Kannibalismus und eventuell sogar zu einem qualvollen Tod des betroffenen Tieres. Auch sind die Schweine in der Mast mit anderen Artgenossen auf engstem Raum zusammengepfercht, sodass es schnell zu aggressivem Verhalten kommt. Die Option, sich an einen ruhigen Ort zurückzuziehen, gibt es in der Massentierhaltung nicht.

BEWEGUNGSSTEREOTYPEN
Wenn ein weibliches Schwein in der Natur Kinder erwartet, zieht sie sich zurück und verbringt viel Zeit damit, in Ruhe ein Nest zu bauen. Nachdem sie die ersten ihrer Ferkel geboren hat, dreht sie sich zu ihnen um, um diese einerseits zu begrüßen und andererseits den anderen nachkommenden Ferkeln mehr Platz zu geben. In der Nutztierindustrie werden die Mutterschweine ständig geschwängert, bis ihr Körper ausgelaugt ist und sie geschlachtet werden. Die Mütter sind in winzige Kastenstände gezwängt, in denen sie sich kaum bewegen können. Die Suche nach Nistmaterialien und der Rückzug an einen ruhigen und sauberen Ort fallen aus, auch die Interaktion mit ihren Ferkeln gestaltet sich äußerst schwierig. Die Schweine entwickeln verschiedene Verhaltensstörungen, häufig anzutreffen sind sogenannte Bewegungsstereotypien: Immer und immer wieder wird eine Bewegung wiederholt, wie zum Beispiel das rhythmische Hin- und Herschwingen des Kopfes. Stangenbeißen, leere Kaubewegungen, heftiges Nasenrückenreiben oder bewegungsloses Stehen sind weitere Verhaltensstörungen, mit denen die Schweinemütter ihre grausame Situation zu verarbeiten versuchen. 

DEPRESSION
Fische in Aquakulturen haben ebenfalls mit den typischen Problemen der Massentierhaltung zu kämpfen: Bei Lachsen zum Beispiel wurden Symptome einer Depression festgestellt. Laut einer Studie ist ein großer Teil der Tiere auffällig träge, verweigert Nahrung oder lässt sich kraftlos an der Wasseroberfläche treiben. Denn auch sie müssen sich ihr “Gehege” mit zigtausenden Artgenossen teilen und leiden unter unhygienischen Verhältnissen und Lachsläusen. Ungewohnte Eingriffe wie Impfungen verstören die Fische zusätzlich. 

TRENNUNGSSCHMERZ
Die Tiere werden in der Nutztierindustrie schon vor dem Schlüpfen bzw. kurz nach ihrer Geburt von ihren Müttern getrennt. Vor allem für die Mütter bedeutet dies enormen psychischen Stress: Kühe zum Beispiel sind sanfte und fürsorgliche Mütter, die sich liebevoll um ihr Kalb kümmern. Wird dieses ihnen weggenommen, suchen und rufen sie tagelang nach ihm. Dieser Trennungsschmerz ist der Milchindustrie durchaus bekannt, dennoch ist das Trennen von Mutter und Kind aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin gängige Praxis. Bei den Kälbern führt die Isolierung zu einem mangelhaften Sozialverhalten sowie zu Verhaltensstörungen wie intensivem Besaugen von Gegenständen, welches wiederum zu Verdauungsstörungen führen kann. Bei von der Mutter getrennten Kälbern ist zudem ein hohes Auftreten von Kälberdurchfall und Kälbersterblichkeit beobachtet worden. 

DEM LEID EIN ENDE SETZEN!
Die Tiere leiden körperlich und psychisch wegen unseres Konsumverhaltens. Dabei ist es heutzutage gar nicht so schwer, eine Gewohnheit zu ändern. Probieren Sie doch mal für ein paar Wochen aus, vegan zu essen. Sie werden merken, dass eine pflanzliche Ernährung unglaublich vielfältig, gesund und lecker sein kann. Schauen Sie dazu gerne auf LoveVeg vorbei und teilen Sie Ihre Lieblingsrezepte mit Familie und Bekannten. 

Quellen:
Albert Schweitzer Stiftung: “Massentierhaltung”
BBC (09.09.2015): “Many animals can become mentally ill”
Deutschlandfunk Kultur (16.01.2018): “Artgerecht gehalten und trotzdem krank”
Sentient Media: “Factory Farms Are Awful for Animals, People, and the Environment”The Royal Society (01.05.2016): “Brain serotonergic activation in growth-stunted farmed salmon: adaption versus pathology”