Über 100 Aktivist*innen konfrontieren EU-Kommission in Brüssel: Wer entscheidet wirklich über Tierschutz?
Wir haben öffentliche Daten der EU-Kommission analysiert. Die Zahlen sind eindeutig: Der für Tierschutz verantwortliche EU-Kommissar Olivér Várhelyi und Agrarkommissar Christophe Hansen trafen sich in den vergangenen 15 Monaten mindestens 46 Mal mit Vertreter*innen der Fleisch-, Geflügel- und Milchindustrie, um über Tierschutz zu sprechen. Gespräche mit Tierschutzorganisationen fanden indessen nur siebenmal statt. Ein Verhältnis von 7:1 zugunsten der Industrie.
Die Agrarindustrie darf nicht über den Tierschutz entscheiden! Wir fordern eine echte Tierschutzreform in der EU. Mach mit:

Was wir herausgefunden haben:
Animal Equality hat 708 öffentliche Treffen analysiert, die im Transparenzregister der EU-Kommission dokumentiert sind. Es sind also die eigenen Aufzeichnungen der Kommission. Die Ergebnisse sind ein Beleg für systematische Einflussnahme:
- Analysierte Treffen gesamt: 708
- Davon Treffen mit der Agrarindustrie zu Tierschutz: mindestens 46
- Davon Treffen mit Tierschutzorganisationen: 7
- Verhältnis: 7:1 zugunsten der Industrie
- Erwähnung des Wortes „Käfig“ im Betreff in 708 Treffen: 0 Mal
- Erwähnung von „Kükentötung“ im Betreff in 708 Treffen: 0 Mal
Besonders deutlich wird die Schieflage bei Kommissar Várhelyi: Er und sein Kabinett trafen sich mindestens 40 Mal mit der Agrarindustrie zum Thema Tierschutz – aber nur viermal mit Tierschutzorganisationen. Ein Verhältnis von 10:1.
Wenn die Stopfleber-Industrie über Tierschutz mitentscheidet
Ein Treffen vom 13. Februar 2025 macht die Haltung der EU-Kommission nochmals deutlich: Kommissar Várhelyi traf sich mit Euro Foie Gras. Das offizielle Thema des Treffens: „Tierschutz und Tiergesundheit“. Stopfleber wird durch die gewaltsame Zwangsmast von Enten und Gänsen hergestellt – eine Praxis, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit selbst als tierleidverursachend anerkannt wird. Die Industrie, die ihr Geschäftsmodell auf diesem Leid aufgebaut hat, wurde eingeladen, um über Tierschutz zu sprechen. Mit dem EU-Kommissar, der dafür verantwortlich ist.

100 Aktivist*innen – zwei Tage
Am Montag, 23. März, haben wir gemeinsam mit mehr als 100 Aktivist*innen vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Hauptsitz der EU-Kommission, in Brüssel protestiert und die zentrale Frage gestellt: Wer bestimmt wirklich über den Tierschutz in der EU? Drei übergroße Figuren von Várhelyi, Hansen und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schwebten über der Menge. Es sind die Gesichter der Menschen, die durch Verzögerungen und Untätigkeit weiterhin 300 Millionen Tiere in der EU in Käfigen leiden lassen.
Am nächsten Tag protestieren wir vor der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) – jener Behörde, in der EU-Tierschutzgesetze ausgearbeitet werden.

Unsere Forderungen an die EU-Kommission sind deutlich:
- Einen verbindlichen, monatsgenau festgelegten Zeitplan für einen Gesetzesvorschlag bis Ende 2026
- Die Bestätigung, dass der Vorschlag ein Verbot der Käfighaltung und ein Verbot der Kükentötung beinhalten wird
- Ausgewogenen institutionellen Zugang: Die Kommission muss jene, die Tiere verteidigen, ebenso häufig anhören wie jene, die von ihrer Ausbeutung profitieren
„300 Millionen Tiere leben in der EU in Käfigen. Schweine, Hühner, Kaninchen und andere Tiere, die sich teils ihr ganzes Leben lang kaum bewegen können. Mehr als 1,4 Millionen Bürger*innen haben bereits vor Jahren mit der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“ ein Verbot gefordert. Doch in 708 offiziellen Treffen fiel das Wort ‚Käfig‘ im Betreff kein einziges Mal. Das ist kein Zufall – das ist das Ergebnis systematischer Einflussnahme einer Industrie, die ungehinderten Zugang zu den Entscheidungsträger*innen hat.“
Vanessa Raith, Direktorin Animal Equality Deutschland

Fünf Jahre gebrochene Versprechen
2021 verpflichtete sich die EU-Kommission, als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“ (unterzeichnet von 1,4 Millionen EU-Bürger*innen), legislative Vorschläge für ein Verbot der Käfighaltung vorzulegen. Die ursprüngliche Frist Ende 2023 verstrich ohne Gesetzesvorschlag. Anfang dieses Monats fand vor dem Gerichtshof der Europäischen Union die mündliche Verhandlung über die Untätigkeitsklage gegen die Europäische Kommission im Zusammenhang mit der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“ statt. Ein Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet.
Auch in einer öffentlichen Konsultation der EU-Kommission im Jahr 2025 forderten über 190.000 Bürger*innen ein Käfigverbot. Doch das Arbeitsprogramm 2026 der Kommission erwähnt weder das Käfigverbot noch die seit Jahren versprochene Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung. Die Folge: Rund 300 Millionen Tiere leben in der EU weiterhin in Käfigen.
Der Profit der Industrie darf nicht über das Leben der Tiere und den Willen der Bürger*innen gestellt werden. Die Kommission kann die öffentliche Forderung nicht länger ignorieren, um ausschließlich den Interessen der Industrie zu dienen.
Einer der effektivsten Wege, um das Leben landwirtschaftlich genutzter Tiere nachhaltig zu verbessern, ist der Umstieg auf pflanzliche Alternativen. Besuche Love Veg und starte noch heute mit einer pflanzlichen Ernährungsweise.

HILF DEN KÜKEN
Ein neugieriges Küken erkennt die Stimme der Mutter und prägt sie sich sofort nach dem Schlüpfen ein. Du kannst helfen, diese Familienbande zu schützen, indem du pflanzliche Alternativen zu Eiern wählst.





