Tierquälerei in Hühnermastbetrieb – die ganze Reportage | stern TV

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So grauenvoll werden Küken in einem Mastbetrieb behandelt

Lebendig in den Müll geworfen. Unter diesem Titel berichtete stern TV bereits vor dreieinhalb Jahren über unhaltbare Zustände in einem Hähnchenmastbetrieb. Nun bekam die Redaktion erneut Aufnahmen zugespielt, die den gleichen Titel tragen könnten. Aufgenommen in einem zufällig ausgewählten Betrieb in Niedersachsen. Versteckte Kameras der Tierschutzorganisation Animal Equality dokumentierten, wie kranke oder schwache Tiere auf brutale Weise aussortiert werden. Kleine Küken, die über Stunden um ihr Leben ringen müssen. Eins fischten die Tierschützer aus einer Tonne voller Kükenkadaver. "Wir haben dokumentiert, dass dieses Küken zwölf Stunden lang in dieser Tonne gelegen und um sein Leben gekämpft hat", berichtet Ria Rehberg von Animal Equality. "Er hatte einen gebrochenen Flügel, gebrochene Beine und er war sehr, sehr schwach."
Kükenmast allein auf Profit ausgerichtet

Per GPS ließ sich der Standort der Mülltonne lokalisieren: Sie steht auf dem Gelände eines Hähnchenmastbetriebs am Ortsrand von Meppen. Ein Betrieb von Hunderten in Deutschland, in dessen Ställen tausende Tiere leben. Die Aufnahmen der Tierschutzorganisation aus den Nächten vom 23./24. März und vom 26./27 März 2017 zeigen aber auch, dass zwischen den Jungtieren kranke, schwache oder tote Küken liegen. Laut Ria Rehberg führt das enorme Mastgewicht, das die Tiere innerhalb weniger Wochen erreichen, dazu, dass sie kaum aufstehen können oder schlicht zusammenbrechen und verenden. Dieser Spezialzüchtung wurde das Sättigungsgefühl weggezüchtet: Die Tiere fressen so lange unentwegt, dass sie in bis zu 35 Tagen ihr Schlachtgewicht erreicht haben. "Es wird natürlich auf Profit gearbeitet", sagt Ria Rehberg. "Doch eigentlich sind das noch Tierkinder, die aussehen wie riesige, ausgewachsene Hühner, weil sie so überzüchtet sind." Die Tierschützerin räumt ein: Dass ein kleiner Prozentsatz der Tiere unter den Mastbedingungen sterbe, sei durchaus erwartbar und normal.
Alles andere als normal ist allerdings der brutale Umgang mit den kranken Küken. Die Bilder der versteckten Kameras dokumentierten mehrmals, wie noch lebende Küken in Schubkarren zur Entsorgung geschmissen wurden. Während sie kämpften und piepsten, wurden andere tote Tiere einfach draufgekippt. Eine Kameraeinstellung zeigt, wie ein Mitarbeiter beim Kontrollgang durch den Stall auf eines der Tiere tritt, bevor er es mit dem Greifarm einsammelt und in seinen Eimer schmeißt.
Nachlässige Tötung von Küken verstößt gegen das Tierschutzgesetz

Animal Equality hat inzwischen Anzeige gegen die Betreiber des Hofs erstattet. "Wir haben feststellen müssen, dass Arbeiter verletzte Tiere nicht ordnungsgemäß versorgen oder nottöten, sondern dass sie auf diese Tiere treten und teilweise mit Schaufeln auf die Tiere einschlagen", so Ria Rehberg. "Diese äußerste Brutalität an diesen Tieren hat uns alle sehr entsetzt."

Der betreffende Hähnchenmastbetrieb bei Meppen betreibt acht Masthallen mit jeweils zwei Ställen. In jedem Stall sind rund 14.000 Tiere untergebracht - insgesamt also etwa 224.000 Küken und junge Hühner. Bei geschätzten acht Mastdurchgängen werden dort demnach knapp 1,8 Millionen Hähnchen pro Jahr gemästet. Kaum vorstellbar, wie viele Küken davon einer nicht fachgerechten Tötung zum Opfer fallen.
Bei dem Bestreben, auf dem betreffenden Hof mit einem Verantwortlichen zu sprechen, beobachtete das stern TV-Reporterteam, wie fertig gemästete Hähnchen zum Abtransport zum Schlachthof per Gabelstapler auf einen LKW verladen wurden; Ria Rehberg war dabei: "Anstelle sie zu nehmen und in die Kisten reinzusetzen, werden sie geworfen, die Kisten werden zugeschoben, teilweise sind auch Flügel dazwischen. Hier sieht man bei helllichtem Tage, auf offener Straße, wie dieser Betrieb mit Tieren umgeht", so die Tierschützerin. Der Geschäftsführer – obwohl zugegen – wollte sich zu den Bildern bisher nicht äußern. Bilder, die zeigen, wie Küken lebendig im Müll landen. In einem zufällig ausgewählten Betrieb in Niedersachsen.
Auch das Küken, das die Mitarbeiter von Animal Equality aus der Kadavertonne gerettet haben, hat es nicht mehr geschafft. Es ist wenige Tage später an seinen Verletzungen gestorben.

stern TV, 03.05.2017, 22:15 Uhr, live bei RTL

* Animal Equality: https://www.animalequality.de/
* Animal Equality auf Facebook: https://www.facebook.com/AnimalEqualityGermany* stern TV auf Facebook: https://www.facebook.com/sterntv
* Mehr Infos zum Thema: http://www.stern.de/tv/tierquaelerei-so-grauenvoll-werden-kueken-in-einem-mastbetrieb-behandelt-7435764.html #sternTV

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Transcript (German — de)

Ein lebendiges Küken, gefunden in der
Kadavertonne eines Hähnchenmastbetriebs
in Niedersachsen.
Das verschlägt sogar erfahrenen
Tierschützern die Sprache.
Mein Gott,
mit einem GPS-Gerät haben die
Tierschützer den genauen Standort der
Mülltonne dokumentiert. Wir brauchen die
Daten nur bei Google einzugeben, um
überprüfen zu können, wo der
Hähnchenmastbetrieb liegt.
Er ist am Ortsrand von Meppen in
Niedersachsen. Wir fahren hin und finden
die Kadavertonne sofort. Ria Rehberg von
Animal Equality begleitet uns. Die
Tierrechtsorganisation hat uns die
Bilder gegeben. Wir haben dokumentiert,
dass dieses Küen 12 Stunden lang in
dieser Tonne gelegen hat und um sein
Leben gekämpft hat. Es ging ihm merkbar
schlecht. Er hatte einen gebrochenen
Flügel, gebrochene Beine. Der Knochen
schaute wirklich blutig aus dem Flügel
heraus und er war sehr, sehr schwach.
Das Küken stammt aus diesem Betrieb.
Auf den ersten Blick sieht es in den
Stellen ganz ordentlich aus. Süße kleine
Küken, reichlich Platz, munteres
Gepicke. Eine ganz normale Hännchenmast
mitten in Deutschland. Doch auch das
gehört dazu.
Zwischen den Jungtieren liegen
zahlreiche tote Tiere.
Aufnahmen aus der Nacht vom 23. auf den
24. März dieses Jahres
und aus der Nacht vom 26. auf den 27.
März.
Viele Küken sind auch krank. Sie können
sich nicht auf den Beinen halten. Eine
Spezialzüchtung, die in 5 bis sechs
Wochen ihr Schlachtgewicht erreicht. Das
ist nur möglich, weil dieser Rasse das
Sättigungsgefühl weggezüchtet ist. Das
wird natürlich auf Profit hinweg
gearbeitet. Das heißt, man möchte, dass
in möglichst kurzer Zeit diese Tiere
möglichst viel Gewicht äh zunehmen,
damit man sie eben möglichst schnell
schlachten kann. Und das muss man sich
überlegen, das sind eigentlich noch
Küken, das sind eigentlich noch
Tierkinder, die aussehen wie riesige
erwachsene Hühner, einfach weil sie so
extrem überzüchtet sind, dass sie so in
so kurzer Zeit so viel Gewicht zunehmen.
Und es kommt noch schlimmer. Versteckte
Kameras dokumentieren, wie die toten
Tiere entsorgt werden. Dazwischen aber
auch immer wieder noch lebende Küken,
die in die Schubkarre geschmissen
werden.
Dieses hier zappelt noch über 5 Minuten.
Dann kommt der Landwirt
und kippt einfach einen Eimer mit
anderen toten Tieren drauf.
[Musik]
Hier bemerkt ein Arbeiter, dass ein Tier
noch lebt und schlägt es an der
Schubkarre tot.
Und auch hier lebt noch ein Küken in der
Schubgarre, die für die Mülltonne
bestimmt ist. Und der Arbeiter pfeift
sich ein Liedchen. Freude schöner
Götterfunken.
[Musik]
Diese Kameraeinstellung zeigt einen
Mitarbeiter beim Kontrollgang durch
einen Stall. Sie zeigt aber auch, wie er
auf eines der Tiere tritt,
bevor er es mit einem Greifarm in seinen
Eimer schmeißt.
Wir haben feststellen müssen, dass
Arbeiter verletzte Tiere nicht
ordnungsgemäß versorgen, tärztlich
versorgen oder
notöten, sondern dass sie auf diese
Tiere treten und das teilweise sogar mit
Schaufeln auf die Tiere eingeschlagen
wurde. Also, es wurde äußerste
Brutalität diesen Tieren gegenüber
dokumentiert und das hat uns alle sehr
entsetzt.
Besonders grausam sind diese Bilder.
Auch kurz vor ihrer Entsorgung leben
einige Küken immer noch.
Der Arbeiter schlägt einfach mit der
Schaufel auf sie ein.
[Musik]
Immer und immer wieder.
[Musik]
So lange, bis die Schubkarre leer ist.
Wir zeigen die Bilder dem Tierarzt Jens
Hübel. Im Auftrag der Bundesanstalt für
Landwirtschaft und Ernährung forscht er
zu tiergerechter Haltung in der
Aufzucht,
[Musik]
dass dort lebende Tiere ähm in den
Container kommen. Das ist sowohl
menschlich
grausam ähm als auch rechtlich nicht
erlaubt. Normalerweise oder der übliche
Weg ist, dass diese Tiere mittels eines
Kopfschlages betäubt werden und
anschließend ein Genickbruch erfolgt.
Das wäre die korrekte Vorgehensweise,
erst Betäubung, dann Tötung und
entsprechend dann überzeugen, dass das
Tier auch tatsächlich tot ist. Wir gehen
mit Ria Rehberg von der
Tierrechtsorganisation Animal Equality
auf den Hof. wollen mit einem
Verantwortlichen über die Bilder
sprechen, aber wir finden zunächst nur
einen Mitarbeiter. Wir würden uns gerne
mal mit Ihnen darüber unterhalten, äh
dass hier Tiere, Küken, nicht sachgemäß
getötet werden, dass hier Tiere lebendig
erst in der Schubkarre liegen, dann mit
dem Sparten tot geschlagen werden. Das
glaube ich jetzt nicht, aber ich kann
unseren Chef ja mal anrufen. Das glaubt
er nicht. Dabei ist er der Mitarbeiter,
der auf ein Küken drauf getreten hat und
andere lebendig in die Schubkarre
geschmissen hat.
Während wir auf den Geschäftsführer des
Betriebes warten, beobachten wir, wie
fertig gemestete Hähnchen
abtransportiert werden. Mit einem
Gabelstapler werden sie auf LKW
verladen, die Sie zu einem
niederländischen Schlachthof bringen
werden. Besonders rücksichtsvoll sind
die Mitarbeiter nicht.
Da sieht man wieder ein weiteres
Beispiel dafür, dass in diesem Betrieb
die Tiere nicht besonders zimperlich
behandelt werden. Anstelle sie zu nehmen
und in die Kisten reinzusetzen, werden
sie geworfen. Die Kisten werden
zugeschoben, teilweise sind noch Flügel
dazwischen. Also man sieht hier wieder
einmal bei Helligem Tag auf offener
Straße, wie dieser Betrieb mit Tieren
umgeht.
Dieser Hof betreibt acht Hallen mit
jeweils zwei Stellen. In jedem Stall 14
000 Tiere, macht insgesamt 224 000. Bei
geschätzten acht Massdurchgängen sind
das knapp 1,8 Millionen Hähnchen, die
hier pro Jahr gemestet werden.
Bei der Hähnchenmast sind Verlustraten
von 1 bis 3% normal und die Regel, das
haben wir auch in diesem Betrieb
gesehen. In diesem Betrieb leben derzeit
000 Tiere. Also kann man sich
vorstellen, dass da äh einige tausend
tatsächlich schon bevor sie das
Schlachthof erreichen einfach an den äh
Haltungsbedingungen sterben.
Inzwischen ist auch der Geschäftsführer
angekommen. Sein Volvo steht vor dem
Büro. Er ist verschwindensam Haus.
Reden will er mit uns aber nicht.
Stattdessen werden wir durch den Vorhang
beobachtet.
Kein Kommentar also von den
Verantwortlichen zu diesen Bildern.
Auch das Küken, das Animal Equality aus
der Kadavatonne gerettet hatte, ist
wenige Tage später an seinen
Verletzungen gestorben. Oh.
[Musik]