Lachse in schottischen Aquakulturen: Wissenschaftler reagiert auf unser Recherche-Video

· 7 Minuten · Youtube

Wir haben Mark Borthwick, ein Experte für Lachshaltung in der Landwirtschaft, gebeten, seine Reaktion und Meinung zu unserer jüngsten Recherche in der Fischindustrie mit euch zu teilen. So viel vorab: Er war schockiert von dem, was er gesehen hat.

#aquakultur #fische #schottland #undercoverrecherche

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Animal Equality ist eine internationale, gemeinnützige Organisation, die gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen daran arbeitet, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden.

Wir verbreiten in acht Ländern auf vier verschiedenen Kontinenten Informationen und Hilfestellungen für einen tierleidfreien Lebensstil und inspirieren Menschen dazu, ihre Ernährungsweise zugunsten der Tiere zu verändern.

Neben Deutschland sind wir auch in den USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Mexiko, Brasilien und Indien aktiv.

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Transcript (German — de)

Hallo, ich bin Mark Borthwick.
Ich forsche zu Lachsen in Aquakulturen.
Außerdem war ich vorher Forschungsleiter
am Aquatic Life Institute.
Ich bin gerade auf einige Aufnahmen
von Animal Equality gestoßen.
Und ich möchte das, was wir dort sehen,
einmal näher beleuchten.
Also hier sehen wir
wie die Lachse hochgebracht,
mit dem Netz angehoben werden,
damit sie auf das Schiff gesaugt
werden können zur Verarbeitung.
Dies wird höchstwahrscheinlich zu
Verletzungen der Flossen und Schuppen
und zu Leid für die Fische führen.
Sie werden über einen langen Zeitraum
gegeneinander gedrückt.
Salmoniden, zu denen Lachse und Forellen
gehören, sind Raubfische, die allein jagen.
Es kommt zu Aggressionen
und Kannibalismus,
wenn sie so eng miteinander
in Kontakt gebracht werden.
Sie sind also eindeutig zusammengepfercht.
Und dieser Prozess kann Tage dauern.
Das ist wirklich schlecht
für das Wohlergehen der Fische.
Dies ist eine der Situationen, in denen das Gesetz
wahrscheinlich der Wissenschaft hinterherhinkt.
Denn was sie hier tun,
ist Industriestandard.
Aber es ist offensichtlich nicht angemessen,
wenn man das Tierwohl mit einbezieht.
Man stelle sich vor,
Rinder oder Hühner
in einem solchen Netz einzufangen.
Auf diesen Schiffen gibt es eine Reihe von Röhren,
die die Fische ansaugen und sie dann
in ein Schwimmbecken transportieren,
von wo sie in die Schlachtmaschine,
in die Betäubungsmaschine, gelangen.
Aber manche Fische kommen schon blutig
und regungslos aus diesen Röhren heraus.
Und man kann sehen, dass sie ziemlich schnell
aus der Röhre gegen eine senkrechte Wand
geschleudert werden, was wahrscheinlich
Verletzungen bei den Fischen verursacht.
Das ist bedenklich.
Und die Menge an Blut, die man im
Schwimmbecken sieht, ist bedenklich,
denn diese Fische müssen noch
in die Betäubungsmaschine,
die sich in dem Kasten in der Mitte befindet.
Die Fische sollten also gesund
aus diesen
Röhren kommen, damit sie in diese
Maschine schwimmen können.
Die Menge an Blut und die Anzahl bewegungsloser
Fische im Schwimmbecken bedeutet,
dass diese Maschinen wahrscheinlich
schlecht eingestellt sind und
stumpfe Verletzungen verursachen,
sowie den Tod von Fischen ohne
Betäubung zur Folge haben.
Eines der Probleme beim Schlachten von Fischen ist,
dass es sehr schwer ist,
visuell zu erkennen, wann die Fische richtig betäubt sind
und wann sie das Bewusstsein verlieren.
Einige Studien haben mithilfe elektrischer Bildgebung
von Lachsgehirnen gezeigt, dass sie viel länger
bei Bewusstsein bleiben als Rinder,
nachdem man sie betäubt und geschnitten hat.
Das liegt an der unterschiedlichen Gehirnphysiologie.
Nur, weil ein Fisch bewegungsunfähig ist,
heißt das nicht, dass er tot ist
und auch nicht, dass er bewusstlos ist.
Es ist also sehr wichtig, dass
diese Maschinen verlässlich laufen,
denn selbst wenn alles korrekt funktioniert,
besteht immer noch das Risiko, dass
die Tiere nicht korrekt betäubt werden.
Das Hauptproblem hier ist, dass die Maschine
viel zu schnell zu laufen scheint.
Es gibt viel mehr Fische in dem Becken,
als das Becken aufnehmen kann.
Einige dieser Fische kommen bereits
bewegungsunfähig heraus und
wurden mit dem Bauch nach oben oder der
Schwanzflosse voran in die Maschine gedrückt.
Das bedeutet, dass die Maschine den Schwanz betäubt,
den Bauch aufschneidet oder den Fisch von der Schwanzflosse
aufwärts mit einem Stromschlag versieht.
Nichts davon ist gut für das Wohlbefinden.
Und in einem System, in dem die korrekte Betäubung
nicht garantiert und sehr schwer zu überprüfen ist,
erhöht eine falsche Anwendung der Betäubungsmaschine
diese Risiken.
Und das bedeutet, dass das Risiko,
dass viele Fische falsch betäubt werden
und viel Leid in diesem System entsteht, noch größer ist.
Diese Maschinen sind zwar sorgfältig
auf die Größe eines Fisches kalibriert,
vor allem, wenn sie einen pneumatischen Schläger
oder Klingen verwenden, aber wenn ein Fisch
mit einer anderen Größe in die Maschine gelangt,
ist die Chance, dass er korrekt betäubt wird, viel geringer.
Allerdings haben wir natürlich
verschiedene Größen von Fischen,
und wie bei jeder Maschine kann es zu leichten
Abweichungen kommen, je nach Schädeldicke
00:03:55,560 --> 00:03:57,760
oder der Ausrichtung des Tieres.
Und das Tier wird dann nicht richtig betäubt und geschlachtet.
Laut Gesetz muss es deshalb eine zweite Betäubungsmethode geben,
und das ist leider meist nur ein Knüppel, also eine sehr einfache Lösung.
Noch mal: Man kann sich nicht vorstellen, ein Huhn oder ein Rind
in einem Schlachthaus zu Tode zu prügeln.
Das Schwimmbecken heißt so, weil Lachse und Forellen
nur vorwärts schwimmen, weshalb im Becken eine
Gegenströmung nach unten in das Becken angelegt ist.
Die Lachse schwimmen also den Strom hinauf in die Maschine,
was sicherstellt, dass sie mit dem Kopf voran in die Maschine gelangen.
Alle Betäubungstechniken, einschließlich der Kolben,
die schlagen und dann schneiden, und die Elektrobetäubung,
werden auf den Kopf angewandt, weil dort das Gehirn ist.
Wenn die Fische rückwärts in die Maschine gelangen,
werden ihre Schwänze geknüppelt und abgeschnitten
oder es werden Elektroschocks vom Schwanz bis zum Kopf zugefügt,
was schmerzhaft ist und zur Fehlbetäubung führt.
Auf diesen Aufnahmen ist deutlich zu sehen,
dass zumindest einige Fische ersticken,
also an Sauerstoffmangel sterben.
Einige dieser Fische kommen bereits aus der
Schlachtmaschine und ersticken in dem Eimer
mit all den anderen geschlachteten Fischen.
Es ist unmöglich, allein anhand von Bewegungen
festzustellen, ob ein Fisch richtig betäubt wurde.
Einige dieser Fische werden noch bei Bewusstsein sein,
weil ihr Gehirn noch ausreichend Sauerstoff im Blut hat.
Einige dieser Fische haben vielleicht
eine gebrochene Wirbelsäule,
sind aber noch bei vollem Bewusstsein
und nur unbeweglich.
Wir sehen auch Fische, die nicht in
die Schlachtmaschine gelangen,
weil sie zu klein sind.
Einige von ihnen gelangen in Eimer
ohne Wasser, wo sie ersticken,
was nicht erlaubt ist.
Fische, die vom Hauptschlachtprozess abgezweigt wurden,
müssen so schnell wie möglich eingeschläfert werden.
Aber es ist eindeutig, dass niemand
diese Maschine überwacht.
Besonders bedenklich sind die Aufnahmen
von Beschäftigten, die Fische werfen.
In einem Fall wirft ein Arbeiter einen offensichtlich
lebenden kleinen Fisch, der versehentlich
von der Maschine auf das Schiff befördert
wurde, von der Mitte des Decks,
wobei der Fisch auf das Geländer trifft und dann auf den Boden fällt.
Der Arbeiter sieht das und hebt das Tier auf,
um es über Bord zu werfen.
Aber der Fisch hat offensichtlich eine stumpfe Verletzung erlitten,
wenn er mit einer solchen Geschwindigkeit
gegen ein Geländer geschleudert wurde.
Man sollte Tiere in einer solchen
Einrichtung nicht werfen.
Noch beunruhigender: Wenn man sich das Filmmaterial genau ansieht,
erkennt man, dass die Beschäftigten sich gegenseitig mit Fischen bewerfen
und ein Spiel spielen,
bei dem die Fische so hart geworfen werden,
dass sie von den Wänden abprallen.
Ein Tier scheint ein zweites Mal in die Maschine zu fallen,
wobei es weitere Stromschläge oder Schnitte erleiden kann.
Ich denke, diese Aufnahmen zeigen, warum die
Kontrollen dieser Einrichtungen so wichtig sind.
Es ist so schwer, einen guten Eindruck davon
zu bekommen, was in diesen Einrichtungen passiert,
die auf hoher See versteckt sind.
Und auch wenn dies auf Schiffen geschieht,
ist die Aufsicht und der Tierschutz
in diesen Anlagen genauso wichtig und
liegt genauso im öffentlichen Interesse
wie in jeder anderen Anlage an Land.
Ich denke, es ist ein gutes Argument für einen
stärkeren gesetzlichen Schutz auf solchen Schiffen,
wenn man bedenkt, dass Animal Equality
mit nur 25 Minuten Filmmaterial
so viele Probleme gefunden hat.