Reform des EU-Tierschutzrechts – JETZT: Unterschreibe unseren Offenen Brief!
Februar 25, 2026

Protestwelle und Offener Brief: Tierschutz-aktivist*innen ziehen EU-Kommission für gebrochene Tierschutz-Versprechen zur Verantwortung

Internationale Tierschutzorganisation Animal Equality fordert von der EU-Kommission eine verbindliche Tierschutzreform.

Bis 2023 wollte die Europäische Kommission die Tierschutzgesetzgebung überarbeiten und einen Plan zur schrittweisen Abschaffung der Käfighaltung von Tieren in der landwirtschaftlichen Industrie vorlegen. Doch die Politiker*innen kamen ihren Verpflichtungen und dem Anliegen von mehr als 1,4 Millionen EU-Bürger*innen bis heute nicht nach. Noch immer werden jährlich rund 300 Millionen Tiere in der EU in enge Käfige gesperrt, die oftmals kaum größer sind als ihr eigener Körper. Das ist auch weiterhin die Lebensrealität für den Großteil der Tiere in Deutschland. Mit einer Protestwelle in Brüssel und einem Offenen Brief hat die internationale Tierschutzorganisation Animal Equality eine neue Kampagne gestartet, mit der sie die EU-Kommission zur Verantwortung zieht.


Brüssel/Berlin, 25.02.2026

Animal Equality hat die Forderung nach einer echten Tierschutzreform Anfang dieser Woche direkt vor die Türen der Entscheidungsträger*innen in Brüssel gebracht. Am Montag, 23.02., haben die Aktivist*innen echte Kastenstände aus der landwirtschaftlichen Industrie vor der Europäischen Kommission installiert. Am Folgetag protestierten sie vor der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) – der Behörde, die für die Ausarbeitung der Tierschutzgesetzgebung zuständig ist. Die Botschaft der Tierschützer*innen ist eindeutig: „Die Zeit der Ausreden ist abgelaufen. Dass die EU-Kommission eine versprochene Reform seit sechs Jahren verschleppt und den Willen von 1,4 Millionen Bürgerinnen und Bürgern ignoriert, ist ein politisches Armutszeugnis“, sagt Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland. Und weiter: „Wir fordern kein Entgegenkommen mehr, sondern das Einlösen eines längst überfälligen Versprechens.“

Die Proteste und Aktionen in Brüssel sind Teil der neuen EU-Kampagne der internationalen Tierschutzorganisation Animal Equality, die sich direkt an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Gesundheits- und Tierschutzkommissar Olivér Várhelyi sowie Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen richtet. „Die EU muss 2026 eine verbindliche Reform des Tierschutzrechts vorlegen, wie sie es seit Jahren versprochen hat“, fordert Raith: „Der Gesetzesvorschlag muss auch ein Verbot der Käfighaltung und ein Ende des Kükentötens beinhalten.“ In den ersten beiden Tagen haben mehr als 6.000 Menschen den Offenen Brief von Animal Equality an die EU-Kommission und die darin enthaltenen Forderungen mit ihrer Unterschrift unterstützt.

Käfige und Kükentöten: Millionen Tiere leiden, während die EU zögert

Mehr als 300 Millionen Tiere leben in der Europäischen Union noch immer in Käfigen – Schweine, Hühner, Kälber, Kaninchen, Enten, Gänse und Wachteln. Viele von ihnen verbringen ihr gesamtes Leben hinter Gittern, ohne die Möglichkeit, sich frei zu bewegen oder natürliche Verhaltensweisen auszuleben.

Gleichzeitig werden in vielen EU-Ländern noch immer männliche Küken systematisch direkt nach der Geburt getötet – erstickt oder sogar lebendig geschreddert. Sie gelten als wirtschaftlich „nutzlos“ für die Tierindustrie. Denn sie können selbst keine Eier legen, und gleichzeitig setzen sie in der Regel wenig Fleisch an, da diese Rassen oftmals gezielt für die Eierproduktion gezüchtet sind.

Viele Versprechen, keine Taten

Die EU-Kommission hat in der Vergangenheit wiederholt versprochen, diese Praktiken durch verbindliche Gesetze zu beenden. Doch diese Versprechen wurden nicht eingehalten. 2019 haben über 1,4 Millionen Menschen die Petition der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“ unterschrieben und ein Verbot der Käfighaltung von Tieren gefordert. Daraufhin versprach die EU-Kommission, einen entsprechenden Legislativvorschlag bis Ende 2023 vorzulegen – das ist nicht geschehen. Auch die für 2023 angekündigte Revision der EU-Tierschutzgesetzgebung wurde verschoben.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Entwicklungen.


Tierschutz in Deutschland

In Deutschland wurde die konventionelle Käfighaltung von Hühnern bereits 2010 verboten und seit diesem Jahr ist auch die sogenannte Kleingruppenhaltung Geschichte. Bei Schweinen sieht das jedoch noch anders aus. Rund 1,4 Millionen weibliche Schweine werden in Deutschland zur Zucht benutzt. Viele von ihnen werden bis zu fünf Monate im Jahr in Kastenständen fixiert, in denen sie sich nicht einmal umdrehen können. Erst ab dem 9. Februar 2036 ist es verboten, Mutterschweine länger als fünf Tage rund um die Geburt im Kastenstand zu fixieren.

Das Töten männlicher Küken direkt nach der Geburt wurde 2022 beendet. Seither kommen verstärkt In-Ovo-Verfahren zum Einsatz, um das Geschlecht bereits im Ei zu bestimmen. Dennoch werden weiterhin Millionen männliche Küken als sogenannte Bruderhähne ausgebrütet und gemästet, nur um nach wenigen Monaten getötet zu werden – das Töten wurde also lediglich verschoben. Zudem bestehen Schlupflöcher durch den Export von Küken in Länder mit niedrigeren Standards. Während in Deutschland strenge Verbote gelten, werden weiterhin Milliarden Eier importiert – auch aus Ländern, in denen Tierschutzstandards beim Kükentöten oder der Haltung weit hinter den deutschen Regelungen zurückbleiben.

Weitreichende Maßnahmen in der gesamten EU notwendig

Millionen Tiere leiden in der EU weiterhin in Systemen, die nachweislich zu schmerzhaften körperlichen und starken psychischen Problemen bei den Tieren führen. Und auch, wenn die Regelungen sich in den Ländern teilweise unterscheiden, betreffen die Zustände durch Im- und Exporte alle von uns. „Nur eine starke, verbindliche europäische Gesetzgebung kann jedem Tier, in jedem Land, in allen 27 Mitgliedsstaaten den gleichen Schutz garantieren“, sagt Raith. „Auch die deutsche Tierschutzgesetzgebung bleibt zudem anfällig für Rückschritte, solange es keine einheitlichen EU-Standards gibt. Eine ambitionierte EU-Tierschutzreform würde auch die bereits erreichten Fortschritte in Deutschland dauerhaft absichern“, erklärt sie.

Die Forderungen von Animal Equality

  • Die Vorlage einer vollständigen und verbindlichen Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung im Jahr 2026 – ohne weitere Verzögerungen.
  • Ein Ende der Käfighaltung in der gesamten EU – ohne Ausnahmen.
  • Ein explizites Verbot des Tötens männlicher Küken.

Die Organisation betont: Europäische Bürger*innen haben bereits gesprochen – nun muss die Kommission handeln. Mehr als 1,4 Millionen Menschen haben die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“ unterzeichnet. Die Kommission hat sich öffentlich verpflichtet, diese Forderungen umzusetzen.

Offener Brief: „Dies ist keine Bitte – es ist eine Forderung nach Verantwortung“

Parallel zu den Protesten hat Animal Equality einen Offenen Brief an die EU-Kommission veröffentlicht, der von allen Bürger*innen unterzeichnet werden kann. Darin heißt es unter anderem:

Statt konkreter Maßnahmen und klarer Gesetze, die Fortschritt bringen, drohen uns Verzögerungen, Schlupflöcher, Ausnahmen oder leere Strategien, die das Leid weiter fortführen.

Dies ist keine Bitte zur späteren Prüfung. Es ist die Aufforderung zu politischer Verantwortung.

Europa steht vor der Wahl: Entweder es schützt die Tiere und respektiert den Willen seiner Bürger*innen, oder es verrät beide durch Untätigkeit.

Jetzt handeln: Offenen Brief unterzeichnen

Animal Equality ruft alle Bürger*innen auf, den Offenen Brief an die EU-Kommission zu unterzeichnen und damit die Forderung nach einer echten, verbindlichen Tierschutzreform zu unterstützen.

Mehr Informationen und Unterschrift: animalequality.de/kampagne/kaefige/europaeische-kommission/

Juristisches Nachspiel in Luxemburg: Kommission vor dem EuGH

Die politische Untätigkeit der EU-Kommission bezüglich ihres Versprechens für ein Käfigverbot hat nun ein juristisches Nachspiel. Am 5. März 2026 kommt es vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu einer wegweisenden öffentlichen Anhörung (Rechtssache T-151/24). Erstmals in der Geschichte der EU wird eine Kommission von den Organisator*innen einer erfolgreichen Bürgerinitiative – „End the Cage Age“ – wegen Untätigkeit verklagt. Der Vorwurf: Die Brüsseler Behörde habe ihr rechtlich bindendes Versprechen gebrochen, bis Ende 2023 einen Gesetzesvorschlag für das Ende der Käfighaltung vorzulegen. Während die Kommission die Reform auf unbestimmte Zeit verschiebt, fordern Tierschützer*innen, auch im Namen von über 1,4 Millionen EU-Bürger*innen, nun die gerichtliche Feststellung dieses massiven Demokratie- und Tierschutzversagens.

Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an [email protected] oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 30040892.

Fotos und weitere Informationen:

Pressekit inkl. Bildmaterial
Video Ankündigung Kampagne
Videostatement Animal Equality 23.02.2026
Videostatement Animal Equality 24.02.2026
Übersicht – was bisher geschah
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Bildnachweis für die Bilder „05_BILD_Mutterschwein.tif“ und „06_BILD_Huhn.tif“:
©️Aitor Garmendia / Animal Equality / Abbildungen beispielhaft.

Bildnachweis für die restlichen Bilder und Videos: ©️Animal Equality

Nur für redaktionelle Berichterstattung im Zusammenhang mit der Kampagne EU-Tierschutzreform – JETZT! von Animal Equality.

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Über Animal Equality

Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.

Pressekontakt Animal Equality

Animal Equality Germany e.V.
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