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Tierschützer verhaftet, verurteilt und mit Redeverbot belegt

Anwalt Wayne Hsiung wurde im Zusammenhang mit der Rettung von Tieren aus Haltungsbetrieben verurteilt. Unstimmige Vorgänge beim Prozess und ein Redeverbot werfen die Frage auf, welche Rolle die Industrie hier spielte.
Dezember 1, 2023 Aktualisiert: Februar 9, 2024
Open Rescue Huhn
Open Rescue Chicken

Am Donnerstag, den 30. November 2023 hat sich Animal Equality mit anderen Tierschutzorganisationen und fast einhundert Aktivist*innen zusammengeschlossen, um Unterstützung für Wayne Hsiung zu zeigen – ein Anwalt, der wegen der Rettung kranker und sterbender Tiere aus zwei Tierhaltungsbetrieben in Kalifornien zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Hsiung ist mit der Tierschutzorganisation DxE (Direct Action Everywhere) verbunden.

In zwei Tierhaltungsbetrieben, die in Verbindung mit den US-amerikanischen Unternehmen Whole Foods und Costco stehen, filmten Hsiung und über hundert Aktivist*innen kriminelle Tierquälerei und Vernachlässigung. Insgesamt wurden aus diesen beiden Betrieben siebzig Enten und Hühner gerettet. Die Justiz leitete trotz dieser Beweise keine rechtlichen Schritte gegen die Betreibenden ein – stattdessen wurden Hsiung und seine Mitstreiter*innen verhaftet. Ungeachtet der überwältigenden Unterstützung für Hsiung durch die Öffentlichkeit belegte die vorsitzende Richterin Hsiung zudem mit einem Redeverbot. Das Filmmaterial von DxE über die Zustände in den Betrieben wurde vom Prozess ausgeschlossen – Hsiung durfte nicht mit der Presse sprechen. Sein Prozess dauerte zwei Monate, einschließlich sechs Tagen Juryberatung.

Gestern wurde Hsiung wegen zwei Ordnungswidrigkeiten und einer Straftat verurteilt: zu 90 Tagen Haft und zwei Jahren Bewährungsstrafe, in denen er nicht mit seinen Kolleg*innen von DxE sprechen darf.

Open Rescue Huhn

Sharon Núñez und Jose Valle reisten nach Santa Rosa, Kalifornien, um vor Ort im Namen von Animal Equality ihre Solidarität zu zeigen. 

Als Organisation möchten wir unsere Solidarität mit Wayne Hsiung und Direct Action Everywhere zeigen. Tierschützer*innen sollten nicht in Haft landen – sie sollten Applaus bekommen! Tiere sollten respektiert werden. Dies ist ein Versagen von Justiz und Mitgefühl. 

Sharon Núñez, Präsidentin von Animal Equality

Was bedeutet Open Rescue?

Bei einer „Open Rescue“-Aktion werden kranke oder sterbende Tiere aus Haltungsbetrieben befreit und in Sicherheit gebracht. Tiere, die nach ihrer tierärztlichen Versorgung überleben, kommen in die Obhut von Lebenshöfen.

Open Rescues werden ganz bewusst veröffentlicht, ein*e oder mehrere Teilnehmer*innen geben dabei ihre Identität preis und gehen erhebliche persönliche Risiken ein. Ziel ist es, den Menschen die Wahrheit über die industrielle Tierhaltung zu zeigen und Gesetzesänderungen für Tiere zu fordern.

Tierschutz: Wer steht hier wirklich vor Gericht?

Nach der Rettung von 70 Enten und Hühnern wurden Anklagen gegen Hsiung und zwei weitere DxE-Mitglieder wegen der Organisation der Open Rescues bei Reichardt Duck Farm, Sunrise Farms und Petaluma Poultry erhoben.

Die Anklagen gegen eine Beschuldigte, Cassandra King, wurden fallen gelassen, während die zweite Angeklagte, Priya Sawhney, einen Vergleich akzeptierte. Auch wenn die Anklage fallen gelassen wurde, bereut King nicht, Tiere in Not gerettet zu haben: „Auch wenn kein Prozess mehr stattfindet und ich nicht freigesprochen werden kann, möchte ich sagen, dass ich nichts falsch gemacht habe, Tiere vor strafbarem Tiermissbrauch zu retten.“

Das Filmmaterial von DxE zeigt tote Tiere auf dem Gelände und verletzte und kranke Vögel, die in Käfigen gehalten wurden. DxE brachte sowohl lebende als auch tote Vögel zu einem Tierarzt. Dort wurde festgestellt, dass einige der Tiere bereits seit geraumer Zeit verwest waren.

Die von Petaluma Poultry erhobenen Anklagen wurden im Verlauf des Verfahrens fallen gelassen: Es wurde festgestellt, dass sie ihre Produkte fälschlicherweise als Freilandhaltung deklariert hatten. Auch die Anklagen gegen Hsiung wegen Diebstahls wurden fallengelassen.

Hsiung erklärte, dass DxE vor der Rettung bei Sunrise Farms die örtliche Polizei über den stattfindenden strafbaren Tiermissbrauch informiert hatte. Es wurden keine weiteren Maßnahmen von der Polizei ergriffen.

Wie viel Einfluss hatte die Industrie? 

Trotz überwältigender Beweise für kriminellen Tiermissbrauch traf Richterin Laura Passaglia im Verlauf der Verhandlungen einige fragwürdige Entscheidungen.

Im Einvernehmen mit den Anwält*innen von Costco und Whole Foods erließ die Richterin ein Redeverbot. Dieser Maulkorberlass untersagte Hsiung, sich gegenüber der Presse über die von DxE aufgedeckten Grausamkeiten zu äußern. Gleichzeitig wurden so gut wie alle Beweise für Tierquälerei aus dem Prozess verbannt.

Und noch schlimmer: Passaglia verbot sowohl Kameras als auch Gerichtszeichnungen im Saal. Expert*innen behaupten, dass sie auch vom Protokoll abwich, indem sie der Anklage erlaubte, zukünftige Verteidigungszeug*innen vor der Juryauswahl zu befragen. Auch einen Tierarzt wies sie als möglichen Zeugen ab.

Die Geschworenen wurden aufgefordert, ein Urteil zu fällen, ohne die Beweise aus dem Betrieb gesehen zu haben. Als die Jury unentschlossen war, beobachteten Kritiker*innen, dass Richterin Passaglia sie drängte, weiter zu beraten, um einen Fehlprozess zu vermeiden.

Als Ergebnis saß Hsiung bereits seit Anfang November ohne die Option auf Kaution im Gefängnis: angeklagt wegen unbefugten Betretens in zwei Fällen und der Verschwörung zum Hausfriedensbruch.

Für das Recht, Tiere zu retten

Da die Industrie Open Rescues als „Diebstahl“ bezeichnet, riskieren die Retter*innen hier oft hohe Gefängnisstrafen. Kritiker*innen weisen darauf hin, dass Anklagevertreter*innen oft finanziell motiviert sind, um die industrielle Tierhaltung zu schützen.

Retter*innen hingegen vergleichen ihre Aktionen mit dem Einschlagen eines Fensters, um einen im heißen Auto gefangenen Hund zu retten. In anderen Prozessen, die das Retten von Tieren betreffen, haben Richter*innen dieses Recht auf andere Tierarten ausgedehnt.

Hsiung selbst wurde mehrmals wegen seiner mutigen Rettungs-Aktionen verhaftet. Jedes Mal haben Tierschützer*innen weltweit seinen Einsatz gewürdigt und für das „Recht zu retten“ protestiert.

Ich möchte mich auch für jedes Wort entschuldigen, das Anstoß erregt hat… oder für die Störung, die durch das, was ich getan habe, entstanden ist. In diesem Gerichtssaal oder darüber hinaus.

Wofür ich mich aber nicht entschuldigen kann, ist die Rettung von Tieren, die in einem Betrieb eingesperrt, misshandelt und auf dem Boden verhungernd zurückgelassen wurden. 

Was wir den Lebewesen auf dieser Erde angetan haben, ist sowohl vom Ausmaß als auch von der Schwere her der größte Fall von Terror und Leiden in der Geschichte unserer Spezies.

Wayne Hsiung

Wie du Open Rescues unterstützen kannst 

Tierretter*innen riskieren ihr Leben und ihre Freiheit, damit die Welt die Wahrheit über die industrielle Tierhaltung erfahren kann. Währenddessen versuchen die Unternehmen, all dies zu vertuschen – um ihr Business und ihre Gewinne zu schützen.

Aufgeklärte Verbraucher*innen sind der schlimmste Albtraum der Industrie: Mit der Entscheidung für pflanzliche Lebensmittel, bewahrst du Hühner, Enten, Kühe und Schweine vor großem Leid und sagst „Nein!“ zu Gier und Korruption der Industrie und sendest eine klare Botschaft an Politik und Justiz.

Unterstütze Wayne Hsiung und alle Tiere, die in der industriellen Tierhaltung gefangen sind. Unterzeichne die Petition von DxE zum Schutz von Tierretter*innen:


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