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Ferkel Ferkel

Was empfinden Tiere?


Inhaltsverzeichnis:

  1. Biologische Ähnlichkeiten
  2. Beweise, dass Wirbeltiere Schmerzen empfinden können
    1. Veränderung im Verhalten
    2. Reaktion auf Schmerzmittel
    3. Botenstoffe
  3. Schmerz, den wir sehen, hören und mitempfinden können
  4. Was ist mit Fischen – können sie auch Schmerzen empfinden?
  5. Tiere in der Landwirtschaft
  6. Du kannst helfen!

Heutzutage würden nur noch wenige Menschen bestreiten, dass Tiere in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden. Wir können das zum Beispiel bei den Tieren sehen, mit denen wir zusammenleben.

Wir wissen, dass es nicht nur offensichtlich ist, dass Tiere körperliche Schmerzen empfinden, sondern wir erkennen das auch an ihren Reaktionen. Wenn sie sich von etwas entfernen, das ihnen Schmerzen zugefügt hat, oder wovor sie, aus welchen Gründen auch immer, Angst haben.

Diese Beobachtungen sind natürlich nicht neu. Und trotzdem war es lange Zeit sogar herrschende Lehrmeinung, dass Tiere nicht in der Lage sind, Schmerz zu empfinden. Mittlerweile wurde das Gegenteil bewiesen. Wissenschaftler*innen konnten in den vergangenen Jahrzehnten zweifelsfrei zeigen, dass Tiere Schmerz empfinden.  

Aber wie? Woher wissen wir, dass es so ist?

Biologische Ähnlichkeiten

Alle Wirbeltiere sind in der Lage, Schmerzen zu empfinden, weil sie ein zentrales Nervensystem haben.

Zu diesen Tieren gehören die Hunde und Katzen, mit denen wir zusammenleben, aber auch Tiere wie Rinder, verschiedene Fischarten, Hühner, Schweine, Kaninchen, Puten und andere Tiere, die zur Fleischproduktion gehalten und getötet werden.

Auch Menschen sind Wirbeltiere. Diese Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, zeigt sich in folgenden Gemeinsamkeiten, die wir mit allen anderen Wirbeltieren teilen: 

  • Schmerzrezeptoren: Das sind freie Nervenendigungen, die ein Schmerzsignal aufnehmen (zum Beispiel durch Hitze oder mechanische Schädigung des Gewebes) und diesen Reiz an das Nervensystem, weiterleiten. Sie werden in der Fachliteratur Nozizeptoren oder Nozisensoren genannt. Der Schmerzreiz wird von ihnen an das periphere und zentrale Nervensystem weitergeleitet. 
  • Rückenmark: Ab dieser Stationen erreicht das Schmerzsignal unser zentrales Nervensystem. Einige unserer motorischen Reflexe auf Schmerzen gehen bereits vom Rückenmark aus, etwa der Rückziehreflex, der den Körper (oder Körperteile) von dem schädlichen Reiz wegbewegt (etwa die Hand von der heißen Herdplatte).
  • Zentrales Nervensystem: Es empfängt das Schmerzsignal, das von unseren Schmerzrezeptoren aufgenommen wird. Es besteht aus Rückenmark und Gehirn.
  • Das Gehirn, das sich im Schädel befindet: Hier entsteht die bewusste Wahrnehmung von Schmerz.

Diese Strukturen sind bei allen Wirbeltieren sehr ähnlich aufgebaut und haben die gleichen Funktionen. Auch die Art und Weise, wie Wirbeltiere auf Reize – und insbesondere Schmerzreize – reagieren, zeigen uns, dass Wirbeltiere Schmerz, Angst, Frustration und andere Formen der Bedrohung und des Unbehagens empfinden können.

Aber wie wurden diese Funktionen bei verschiedenen Wirbeltieren wissenschaftlich miteinander verglichen?

Beweise, dass Wirbeltiere Schmerzen empfinden können

Obwohl Schmerz sehr subjektiv wahrgenommen wird und Tiere nicht verbal ausdrücken oder beschreiben können, was sie empfinden, zeigen viele Tiere die gleichen nonverbalen, verhaltensbezogenen Reaktionen, die Menschen in der gleichen Situation zeigen würden1,2.

Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass die nicht-menschlichen Wirbeltiere Schmerzen empfinden und auch bewusst wahrnehmen. 

Hier ein paar Beispiele und Studien, die das belegen:

1.) Veränderung im Verhalten

Wenn Tiere Schmerzen empfinden, zeigen sie das oft in charakteristischen, freiwilligen Handlungen. Dies sind Reaktionen auf die schädlichen Reize. Beispiele sind das Anschauen oder Belecken eines geschädigten Körperteils oder Lautäußerungen in Richtung der Schmerzquelle3.

In mehreren Studien wurden Skalen entwickelt, um Schmerzen bei Tieren auf die gleiche Weise zu bewerten wie bei Kindern4,5,6 – Kinder können Schmerzen nämlich oft auch nicht verbal ausdrücken oder beschreiben.

Des Weiteren haben Wissenschaftler*innen festgestellt, dass Tiere durch Schmerzen deprimiert sein können. Das äußert sich darin, dass sie gar nicht oder anders auf Situationen reagieren, auf die sie normalerweise intensiv reagieren würden. 

Deprimierte Tiere pflegen sich nicht mehr oder nur noch deutlich weniger, sie schränken ihre Bewegung ein, nehmen ungewöhnliche Körperhaltungen ein, bleiben gleichgültig oder zeigen aggressives Verhalten gegenüber anderen oder sich selbst; sie beißen oder lecken sich zwanghaft, etwa an verletzten Stellen oder an einer Stelle, an der sie Schmerzen empfinden7.

Sie entwickeln auch sogenannte Stereotypien, die auf psychische und mentale Probleme hindeuten: zwanghafte, wiederholte Verhaltensweisen, die keine Funktion erfüllen.

Aus einer Recherche von Animal Equality in Deutschland: Ein Schwein in der industriellen Tierhaltung.

2.) Reaktion auf Schmerzmittel

Tiere, die einen schmerzhaften Reiz erhalten haben, zeigen nach einer Behandlung mit Schmerzmitteln Veränderungen in ihrem Verhalten.

Nachdem sie ein Schmerzmittel erhalten haben, kehren die Tiere wieder zu arttypischen, „normalen“ Verhaltensmustern zurück und zeigen weniger der oben beschriebenen Verhaltensweisen, die mit Deprimiertheit im Zusammenhang stehen8,9.

3.) Botenstoffe

Chemische Botenstoffe im Nervensystem, die Neurotransmitter, sind für die Weiterleitung von Nervenimpulsen verantwortlich, also auch solche, die von schädlichen Reizen ausgelöst werden. Zu den bekanntesten Neurotransmittern zählen Serotonin, Dopamin oder auch Adrenalin. Darüber hinaus gibt es sogenannte Neuropeptide, zum Beispiel Endorphine, die an der Schmerzregulation beteiligt sind10.

Diese Botenstoffe, von denen es Hunderte gibt und die unter anderem eben an der Weiterleitung und Regulation von Schmerzreizen beteiligt sind, finden sich bei allen Wirbeltieren11,12,13,14,15.

Schmerz, den wir sehen, hören und mitempfinden können

Wenn sie Schmerzen haben, verändern vor allem Säugetiere ihre Gesichtsausdrücke, die Mimik16,17 – und auch oft, wenn sie Angst haben. Viele Tiere geben dabei auch Laute ab. Diese Gemeinsamkeiten, die verzerrten Gesichter oder panischen Schreie, erkennen wir in leidenden Tieren wieder. Wir können ihr Leid nachvollziehen, mitfühlen und entwickeln Mitleid.

Aus einer Recherche von Animal Equality in Italien: Viele Tiere rufen oder schreien, wenn sie Angst oder Schmerzen haben.

Teilweise haben die Laute von Tiere jedoch auch Frequenzen, die vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden können18. Oder wir können ihren Gesichtern nicht ansehen, was sie empfinden. 

Diese Schmerzen bleiben für Menschen unbemerkt und erwecken so manchmal sogar den Anschein, dass die Tiere keine Schmerzen haben.

Was ist mit Fischen – können sie auch Schmerzen empfinden?

Wir können sie nicht hören, wir haben fast kein Gespür für ihre Gesichtsausdrücke. Sie haben ganz andere Lebensrealitäten als fast alle anderen Wirbeltiere. Trotzdem gehören auch Fische zu den Wirbeltieren. Und sie sind daher in der Lage, Schmerzen zu empfinden. 

Bei Fischen wurden Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) gefunden, die – wie oben beschrieben – auf schmerzhafte Reize reagieren. Die Schmerzrezeptoren bei Fischen sind insbesondere auf dem Kopf und dem Gesicht verteilt, aber auch auf dem Körper und den Flossen.

Studien an Fischen (ebenso wie an Amphibien und Reptilien, die auch Wirbeltiere sind) zeigen, dass schmerzübertragende und -regulierende Systeme – die Schmerzrezeptoren und chemischen Botenstoffe – bei ihnen, wie auch bei allen Wirbeltieren, vorhanden sind19,20,21,22,23.

Diese Studien haben auch gezeigt, dass diese Schmerzsysteme bei Fischen sehr ähnlich funktionieren wie bei Säugetieren. 

Die wissenschaftliche Literatur ist da ziemlich eindeutig. Anatomisch, physiologisch und biologisch ist das Schmerzsystem bei Fischen praktisch dasselbe wie bei Vögeln und Säugetieren … vom Standpunkt des Tierschutzes aus betrachtet, muss man das Angeln in die gleiche Kategorie wie die Jagd stellen.

Donald Brown, Professor Emeritus für Tierschutz an der Universität Cambridge

In einer Studie mit Lachsen wurde sogar festgestellt, dass der Druck, der nötig ist, um die Schmerzrezeptoren in diesen Fischen zu aktivieren, viel niedriger ist als die Schwelle in der menschlichen Haut23.

In einem Bericht, der Animal Equality von Dr. Lynne Sneddon, einer führenden Expertin für Verhaltensbiologie, zur Verfügung gestellt wurde, die auch 2002 die Schmerzrezeptoren in Fischen beschrieben hat, heißt es: „Das bedeutet, dass das, was Menschen als leichte Berührung empfinden würden, für Fische schmerzhaft ist“

Tiere in der Landwirtschaft

Die meisten Tierarten, die für den menschlichen Verzehr gehalten und getötet werden – also hauptsächlich Hühner, Schweine, Rinder, Fischarten, Truthähne und viele andere, sind Wirbeltiere. Diese Tiere können Schmerzen empfinden, aber sie werden nicht wirksam vor Schmerzen, Angst und Leiden geschützt.

Zum einen werden sie oft routinemäßig grausamen Verfahren unterzogen: Ihnen werden die Schwänze, Zähne und Ohren abgeschnitten oder abgeschliffen, die Hörner ausgebrannt, teilweise sogar ohne Betäubung24. Dazu müssen sie in den Haltungsbetrieben, bei den oft mehrmaligen, langen Transporten während ihrer kurzen Leben und in den Schlachtfabriken, den sogenannte „Schlachthöfen“, extreme Bedingungen ertragen.

Dort verletzen viele sich selbst oder andere Tiere, viele Tiere in der Landwirtschaft werden krank und überleben diese Bedingungen erst gar nicht, obwohl sie allesamt junge Tiere sind25,26. Ihre natürlichen Verhaltensweisen können sie so gut wie gar nicht befriedigen. Den Müttern wird zum Beispiel fast jeder Kontakt zu ihren Kindern verwehrt.

Du kannst helfen!

Wir werden nicht aufhören, mit der Veröffentlichung unserer Recherchen in landwirtschaftlichen Betrieben und Schlachthäusern die Lebensrealitäten der Tiere, der Realität, die wir alle ändern wollen, weiter ans Licht zu bringen.

Quellen:

Vanda Cantón, Beatriz. El ser humano y los animales, unidad 2. Universidad Nacional Autónoma de México. [Spanisch]

1Wall T. Pain in fish. Vet Rec 2003; 152: 696. 

2Flecknell PA: Refinement of animal use in assessment and alleviation of pain and distress. Lab Anim 1994; 28: 222-231.

3Kitchell RL: Problems in defining pain and peripheral mechanisms of pain. JAVMA 1987; 191(10): 1195- 1199.

4Griffin, D: Pensamiento Animal. Scientific American, nov 1991: 104. 

5Mathews KA: Non-steroidal antiinflammatory analgesics in pain management in dogs and cats. Can Vet J 1996; 37(9): 539-545.

6Welsh EM, Gettinby G, Nolan AM: Comparison of a visual analogue scale and a numerical rating scale for assessment of lameness, using sheep as a model. AJVR 1993; 54: 976-983.

7Spinelli JS, Markowitz H: Clinical recognition and anticipation of situations likely induce suffering in animals. JAVMA 1987; 191(10): 1216-1218. 

8Tranquilli WJ, Grimm KA, Lamont LA: Pain management for the small animals practitioner. Teton NewMedia, Jackson, WY, 2000; 125 pp.

9Patterson F. y Gordon W: En defensa de la condición de persona de los gorilas. En: Cavalieri P y Singer P, eds. Op. cit., p. 79-102.

10Fields, H. L. y Levine, J. D. (1984). Placebo analgesia. a role for endorphins? Trends in Neurosciences, 7, 271–3.

11Kestin SC: Pain and stress in fish. Royal Society for the prevention of cruelty in animals. Causeway Horsham: West Sussex, U.K., 1994.

12Van Lawick-Goodall J: In the shadow of man. Boston: Houghton Mifflin, 1971: 252-254.

13Ruckebusch Y, Phaneuf LP, Dunlop R: Physiology of small and large animals. Decker Inc. BC, Philadelphia, 1991: 315-318.

14https://www.fz-juelich.de/de/ibi/ibi-1/forschung/generation-propagation-and-transmission-of-cellular-signals/biogene-amine-wichtige-botenstoffe-im-nervensystem

15https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/neuropeptide/8690

16Tendillo FJ, Capacés JF: Manejo del dolor en el perro y el gato. Temis Network, S.L., 2001; 132 pp.

17Zayan R: Assessment of pain in animals: epistemological comments. Proceedings. Workshop Assess Pain Farm Anim 1986; 1-15.

18Sales G, Evans J, Milligan S et al.: Effect of environmental ultrasound on behaviour of laboratory rats. Proceedings. Symp Lab Anim Welfare Res Rodents 1989; 7-16.

19LeRoith D, Liotta A, Roth J, Shiloach J, Lewis E, et al.: Coricotropin andendorphin-like materials are native to unicellular organisms? Proc Natl Acad Sci USA 1982; 79: 2086-2090.

20Achaval M, Penha MA, Swarowsky A, Rigon P, Xavier LL, Viola GG, et al. The terrestrial gastropoda Megalobulimus abbreviatus as a useful model for nociceptive experiments: effects of morphine and naloxone on thermal avoidance behavior. Braz J Med Biol Res 2005; 38 (1):73-80.

21Stevens CW, Maclever DN, Newman LC: Testing and comparison of non opioid analgesics in amphibians. Contemp Topics Lab Animal Sci 2001; 40:23-27.

22https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/fuehlen-fische-schmerzen-100.html

23Sneddon 2002; 2003; Sneddon et al. 2003; Ashley et al. 2006; 2007; Mettam et al. 2012.

24https://animalequality.de/blog/nutztierindustrie-7-praktiken-die-verboten-werden-sollten/

25https://animalequality.de/blog/rinder-muessen-leben-um-milch-zu-geben/
26https://animalequality.de/blog/huehner-muessen-leben-um-eier-zu-geben/


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