Keine harmlose Nebensache: Tod durch Beifang

Neben Milliarden von Fischen, die für den menschlichen Verzehr gefangen werden, fordert die Fischfangindustrie jährlich unzählige weitere unschuldige Opfer. In den Netzen und Fangleinen der Fischerboote verfangen sich nämlich auch Schildkröten, Meeressäuger, Seevögel und viele andere Meerestiere. Für den Handel der Fischereiunternehmen sind sie wertlos und werden deshalb einfach zurück ins Meer geworfen – tot oder verletzt.

Wie viele Tiere tatsächlich auf diese Weise ihr Leben verlieren, lässt sich nur schwer berechnen. Schätzungen zufolge könnten jährlich bis zu 40 % des weltweiten Fischfangs als ungewollter Beifang enden. In der Krabbenfischerei (auch Garnelenfischerei) erreicht die Beifangquote bis zu 90 % der gesamten Fangmenge. Die gigantischen Todesraten werden von der Fischereiindustrie einkalkuliert, ohne dabei die drastischen Folgen für die maritimen Lebensräume und ihre Bewohner zu berücksichtigen. Welche Tiere in einem Gebiet als Beifang sterben müssen, hängt von der jeweiligen Fangmethode ab. Wale, Delfine und Schildkröten verenden qualvoll in den großen Maschen der Fischernetze,  Meeresvögel verlieren hauptsächlich durch lange Fangleinen ihr Leben.

Wale und Albatrosse – durch Beifang vom Aussterben bedroht

Für manche Tierarten ist das Problem besonders gravierend. Sie sind durch die rücksichtslosen Praktiken der Fischereien konkret vom Aussterben bedroht. In Neuseeland, wo es mehr Albatrosse gibt, als überall sonst auf der Welt, stehen 19 von 21 Albatros-Arten auf der roten Liste für bedrohte Tierarten. Einige von ihnen zählen nur noch wenige hunderte Individuen. Durch den Einfluss des Fischfangs ist die Zahl der Albatrosse dort in den letzten vierzig Jahren um rund 80 % geschrumpft. Denn rund um den Inselstaat werden Thunfische und Seehechte gejagt, die in Japan und den USA als teure Delikatesse gehandelt werden. Die Köder, die an den kilometerlangen Fangleinen angebracht sind, sinken erst einigen Minuten, nachdem sie ausgeworfen wurden richtung Meeresgrund. In dieser kurzen Zeit treiben sie an der Wasseroberfläche und locken die Albatrosse an, die sich im Sturzflug auf die gefundene Beute stürzen. Viele von ihnen bleiben dabei mit ihrem Schnabel in den Haken hängen und ertrinken qualvoll, während das Gewicht der Seile sie unter Wasser zieht.

Die übermäßige Nachfrage nach Fisch hat zur Folge, dass heute Millionen solcher Fangleinen in den Meeren verteilt werden und so hunderttausenden Vögeln das Leben kosten. Dabei gibt es Methoden, so etwas wie optische oder akustische Vogelscheuchen, um die Albatrosse von den Booten fernzuhalten. Doch nur wenige Fischereiunternehmen investieren in die nötige Ausrüstung zum Vogelschutz und vor allem illegale Fischereien kümmern sich wenig um das Schicksal der Tiere. Um sie vor dem Aussterben zu bewahren wäre es notwendig, dass große Fischereinationen wie China, Japan oder die USA dem Vorbild Australiens folgen und sich durch entsprechende Schutzmaßnahmen zum Schutz der Albatrosse verpflichten.

Währenddessen kämpfen vor den Küsten Kanadas weitere faszinierende Lebewesen ums Überleben. Einst sollen die bis zu 18 Meter langen Wale zu Zehntausenden im Nordatlantik gelebt haben, doch heute schwimmen nur noch rund 500 Atlantische Nordkapern in diesen Gewässern. Früher wurden sie für Speck und Walöl gejagt, heute fehlt es ihnen aufgrund des veränderten Klimas an Nahrung. 

Neben Klimawandel und Plastikmüll, sind auch sie den vom Fischfang ausgelösten Gefahren ausgesetzt. Wenn sie in den Leinen oder Netzen der Fischerboote hängen bleiben, können sie verhungern oder ersticken oder sich beim Zusammenprall mit den Booten schlimme Verletzungen zuziehen. In den letzten Wochen und Monaten wurden vermehrt tote und verletzte Tiere an der kanadischen Küsten aufgefunden. Und das obwohl die von der Regierung Kanadas veranlassten erhöhten Schutzmaßnahmen seit Februar diesen Jahres gelten. Um die Wale weltweit wirksam gegen die Bedrohung durch industriellen Fischfang zu schützen, müssten allerdings zusätzliche Meeresschutzgebiete eingerichtet und Fischereiunternehmen stärker kontrolliert werden. Doch weil viele Seevögel und Walarten durch verschiedene Gebiete wandern, müssten die brutalen Fangmethoden komplett eingestellt werden, um die Tiere tatsächlich vor dem Tod und im schlimmsten Falle sogar vor dem Aussterben durch Beifang zu retten.

Jede*r Einzelne von uns kann einen aktiven Beitrag zum Schutz der Meerestiere leisten, denn unser Konsum hat direkte Auswirkungen auf ihr Schicksal. Mit sinkender Nachfrage, werden sich die zerstörerischen Fischerboote aus den Meeren zurückziehen. Entscheiden Sie sich heute noch, Fisch in ihrem Speiseplan durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen und besuchen Sie uns auf unserer Love Veg – Website – für kulinarische Inspiration und Unterstützung beim Umstieg auf eine ausgewogene, vegane Ernährung!

Quellen:
Deutschlandfunk (16.07.2019): “Tödliche Haken bedrohen Albatrosse”.
Augsburger Allgemeine (05.07.2019): “Bleiben in Fischernetzen hängen – Wale vom Aussterben bedroht”.
WWF (Stand 17.09.2018): “Ungewollter Beifang”.