CORONA: QUALVOLLE LEBENDTIERTRANSPORTE FINDEN WEITERHIN STATT

Überall auf der Welt wurden Maßnahmen eingeführt, um die Verbreitung von COVID-19 zu verhindern: Bildungseinrichtungen, Fabriken und Handelshäuser wurden geschlossen, das öffentliche und soziale Leben zu einem großen Teil stillgelegt. Währenddessen gehören Sektoren wie die Lebensmittelbranche zur sogenannten “kritischen Infrastruktur.” Sie führen ihre Arbeit fort, denn sie gelten, um die notwendige Versorgung der Bevölkerung zu garantieren, als systemrelevant. Darunter zählt auch die Produktion tierischer Lebensmittel: Schlachthöfe, Mast- und Zuchtbetriebe dürfen ihr Geschäft weiterhin aufrecht erhalten. Und somit auch weiterhin Tiere innerhalb nationaler, europäischer und außereuropäischer Grenzen zu Schlachthöfen transportieren.


TRANSPORT WÄHREND DER GLOBALEN PANDEMIE

Um die Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern, wurden von der Europäischen Union verschärfte Grenzkontrollen in Nachbarländer wie Dänemark, Frankreich, Österreich eingeführt und die Hygienemaßnahme für Grenzen überquerende Fahrer*innen bereits vor einigen Wochen auch für Tiertransporte verstärkt. Dabei soll trotz dieser Kontrollen der freie Warenverkehr gewährleistet werden und die Integrität des Marktes gewahrt bleiben und zwar besonders für lebensnotwendige Güter und Lebensmittel. Darunter fallen auch Lebendtiertransporte als Teil des “Warenverkehrs”. Die Tiere, die in der “Nutztierindustrie” gehalten und zu den Schlachthäuser transportiert werden, werden hierbei schlichtweg als Waren gehandelt.

DAS PROBLEM:

Durch die zusätzlichen Kontrollen kommt es derzeit an vielen Grenzen zu Staus. An der deutsch-polnischen Grenze bildeten sich bereits vergangene Woche 15-40 km lange Warteschlangen. Auch Fahrzeuge, die lebende Tiere transportieren, sitzen dort stunden-, zum Teil tagelang fest. Einige Länder, wie z.B. Kroatien stoppten den Einlass von Tiertransportern aus “Hochrisikozonen” sogar komplett, sodass diese an den Grenzen zwischen den EU-Mitgliedstaaten und an den Grenzübergängen zwischen Bulgarien und der Türkei in kilometerlangen Schlangen stecken blieben und eine Fahrt über 300 Meter bis zu drei Stunden dauerte. Es ist schwierig, die Situation richtig einzuschätzen, denn bei welchen Gebieten es sich um Hochrisikozonen handelt, ist nicht klar definiert und Reisebeschränkungen ändern sich von Tag zu Tag. 

TIERE ERLEIDEN SCHRECKLICHE QUALEN

Gemäß der EU-Verordnung ist vorgesehen, dass Transporte ohne Verzögerungen durchzuführen und Reisezeiten auf ein Minimum zu beschränken sind und das Wohlbefinden der Tiere stets gesichert werden soll. Zudem muss während der Beförderung die ausreichende Versorgung der Tiere mit Wasser, Futter und Ruhe überprüft und zu jeder Zeit  gewährleistet werden. Doch angesichts der Notlage ist die Situation an vielen Grenzen katastrophal: Berichten der Eurogroup for Animals zufolge, werden den Tieren dort ihre grundlegenden, ohnehin unzureichenden Rechte, verwehrt: 

Eine ausreichende Verpflegung wird unter diesen Umständen nicht gewährleistet. Für die Tiere werden die ohnehin schon stressigen und qualvollen Transporte aufgrund der Störungen der regulären Abläufe zu Höllenfahrten. Ob bei kalten Temperaturen oder Hitze, wenn sich die Fahrzeuge in der prallen Sonne aufheizen: Verängstigt, hungrig, durstig und verwirrt, sind sie auf den viel zu engen Transportflächen zwischen ihren Artgenossen eingesperrt und dazu gezwungen, in ihren eigenen Exkrementen zu stehen. 

TIERE SIND KEINE WAREN: TIERTRANSPORTE STOPPEN

Gemeinsam mit anderen Tierschutzorganisationen fordert die Eurogroup for Animals die Europäische Union in einem Brief an die EU-Kommission dringend dazu auf, angesichts der aktuellen Notlage Maßnahmen zu ergreifen, um die Einhaltung des EU-Rechts zu gewährleisten und das Wohlergehen der Tiere während der Transporte zu schützen. Diese Reisen sind für die Tiere selbst unter normalen Bedingungen ein Alptraum. Jetzt, wo die Transportzeiten durch die langen Schlangen zum Überqueren der Grenzen um ein vielfaches verlängert werden, sind sie unermesslichem Leid ausgesetzt. 

RISIKO FÜR DIE MENSCHLICHE GESUNDHEIT:

In dieser Phase breitet sich die COVID-19-Pandemie in rasanter Geschwindigkeit aus. Ein historischer Moment, in dem es nicht nur darum geht, das Elend der Tiere zu verringern, sondern auch die öffentliche Gesundheit der Menschen zu schützen. Mit den fortlaufenden Tiertransporten geht, sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU, auch die Gefahr der weiteren Verbreitung des Virus einher. Für Fahrer*innen, die lebende Tiere transportieren, ist es häufig schwierig, die Vorschriften der Weltgesundheitsorganisation einzuhalten. Sie könnten, durch den Kontakt mit infizierten Menschen oder kontaminierten Oberflächen bei der gefährlichen Weiterverbreitung eine Rolle spielen. 

SIND DIESE GRAUSAMEN TRANSPORTE WIRKLICH NOTWENDIG?

Während ein Großteil der Welt gebeten wird, zu Hause zu bleiben und nur aus wirklich „notwendigen” Anlässen zu reisen, werden Tiere immer noch transportiert, weil sie als „Nahrung“ und nicht als Lebewesen angesehen werden. Dabei ist längst wissenschaftlich belegt, dass der Konsum tierischer Lebensmittel für Menschen aus gesundheitlicher Perspektive nicht lebensnotwendig ist. Im Gegenteil: Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen, die einer rein pflanzlichen Ernährungsweise folgen, ein deutlich verringertes Risiko für ernährungsassoziierte Erkrankungen, wie Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen und bestimmte Krebsarten, aufweisen.*

Eine pflanzliche Ernährung ist zudem nachhaltiger und klimafreundlicher, da Massentierhaltung verheerende Folgen für die Umwelt hat. Sie zerstört unsere Lebensgrundlage und schadet den Menschen und Tieren, die diesen Planeten bewohnen. Weniger Fleisch zu essen und generell auf tierische Produkte zu verzichten, hilft Tieren, der Natur und unseren Mitmenschen. 

Wir alle haben die  Macht, etwas zu verändern. Helfen Sie mit, eine bessere Welt für Tiere und Menschen zu gestalten und probieren Sie noch heute eine tierleidfreie, pflanzliche Ernährung aus!

*Die Academy of Nutrition and Dietetics, die weltgrößte Organisation für Nahrungs- und Ernährungsfachleute bestätigt: „Angemessen geplante vegetarische Ernährungsformen, einschließlich rein vegetarischer oder veganer Ernährungsformen, sind gesund, bieten einen angemessenen Nährstoffgehalt und möglicherweise gesundheitliche Vorteile für die Prävention und Behandlung bestimmter Krankheiten. Gut geplante vegetarische Ernährungsformen sind für Personen in allen Lebensphasen geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit, Jugendalter und für Sportler.“


Quellen:
Eurogroup for Animals (19.03.2020): “COVID-19: Urgent action is needed to avoid animal welfare crisis during the transport of live animals”
Taz (19.03.2020): “Staus durch Grenzkontrollen” 
Tagesspiegel (20.03.2020): “Gegen Tiertransporte – „Höllenfahrten“ in Zeiten von Corona
Academy of Nutrition and Dietics