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Betäubungsgerät in Schlachthaus zwei Jahre lang defekt: Tiere bei vollem Bewusstsein „zerlegt“

Weil die Betäubungsanlage nicht funktioniert hat, mussten zwei Jahre lang etwa 25 Prozent aller an den Jenaer Schlachthof gelieferten Tiere ihre eigene "Zerlegung" bei vollem Bewusstsein miterleben. Noch unglaublicher: Die Behörden wussten Bescheid, ernsthafte Konsequenzen gab es jedoch nicht. Ein Einzelfall?
März 31, 2016 Aktualisiert: 31. März 2016

Im kürzlich veröffentlichten “Fleischatlas 2016” wurde bekannt, dass von 2010 bis 2012 im Jenaer Schlachthof die Betäubungsanlage defekt war. Etwa 25 Prozent aller an diesen Schlachthof gelieferten Tiere mussten ihre eigene „Zerlegung“ bei vollem Bewusstsein miterleben.

Trotz regelmäßiger Kontrollen von mehreren Behörden, in denen die Ausfälle der Betäubungsanlage im betroffenen Zeitraum amtlich dokumentiert wurden, durfte der Schlachthof zwei Jahre lang ungehindert fehlbetäubte Tiere töten. Die lokale Veterinärbehörde und die Fachaufsicht des Landesamts für Verbraucherschutz beanstandeten diesen Zustand zwar, drohten jedoch erst zwei Jahre nach Bekanntwerden mit der Schließung.

Betroffen war nicht nur die Elektrobetäubungsanlage für Schweine, die im funktionierenden Zustand den Tieren Stromschläge durch den Kopf gibt, wodurch diese das Bewusstsein verlieren, sondern auch die Betäubung für Rinder. Durch eine fehlende Metallapparatur, die die Köpfe der Tiere fixieren soll, waren die Bolzenschüsse in den Kopf, die die Tiere betäuben sollen, oft nicht präzise genug. Regelmäßig musste bis zu vier mal nachgeschossen werden – eine unvorstellbare Qual.

Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass selbst regelmäßige Kontrollen, die die Einhaltung bestehender Tierschutzgesetze sicherstellen sollen, nicht verhindern, dass Tiere für die Fleischproduktion unvorstellbar leiden müssen. Hinzu kommt, dass in fast allen Schlachthöfen Deutschlands Fehlbetäubungen von Tieren standardmäßig auftreten. Laut offiziellen Aussagen der Bundesregierung bleiben in Deutschland 3,3 Prozent aller Schweine bei einer automatischen Elektrobetäubung bei Bewusstsein, bei manueller Elektrobetäubung sind es sogar mindestens 10,9 Prozent. Bei Rindern bleiben 4-9 Prozent aller Tiere während der Schlachtung bei Bewusstsein. Die betroffenen Tiere erleben mit, wie sie lebendig verbrüht oder zerteilt werden.

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Quellen:

[1] BUND | Heinrich Böll Stiftung: Fleischatlas 2016 [2] Ostthüringer Zeitung: Interner Bericht von Ministerium: „Grauenhafte Zustände im Schlachthof Jena“ [3] Ostthüringer Zeitung: Ruinöser Kampf um Preise traf Tiere in Schlachthof Jena [4] Bundestag: Antwort der Bundesregierung – Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren

Bilder:

Die verwendeten Bilder stammen von Animal Equality Recherchen in spanischen Schlachthäusern.


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