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März 19, 2026

Auswertung enthüllt: Agrarlobby dominiert Tierschutz-Treffen der EU-Kommission 

Animal Equality analysierte 708 öffentliche Treffen der EU-Kommission: Verantwortliche Kommissare sprechen fast ausschließlich mit Vertreter*innen der Tierindustrie – Käfige werden in keinem einzigen Meetingtitel erwähnt

Animal Equality hat 708 im offiziellen Transparenzregister der EU-Kommission gelistete Treffen der Kommissare Olivér Várhelyi und Christophe Hansen ausgewertet. Das Ergebnis: In den vergangenen 15 Monaten trafen sie sich zum Thema Tierschutz fast nur mit Vertreter*innen der Tierindustrie, während Organisationen, die die Interessen der Tiere vertreten, stark unterrepräsentiert waren. Obwohl 1,4 Millionen EU-Bürger*innen ein Ende der Käfighaltung fordern, taucht das Wort „Käfig“ in keinem einzigen Meetingtitel auf.

Berlin, 19.03.2026

Bürger*innen fordern Käfigverbot – Kommission ignoriert Thema in offiziellen Terminen

Und das, obwohl 1,4 Millionen EU-Bürger*innen mit der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“ ein Ende der Käfighaltung gefordert haben. Zusätzlich haben 190.000 Menschen an der jüngsten Konsultation der Europäischen Kommission zum Tierschutz teilgenommen und auch formell ein Verbot von Käfigen verlangt. Dennoch tauchte das Thema Käfige in keinem einzigen offiziellen Titel der öffentlichen Treffen der beiden Kommissare auf.

Olivér Várhelyi und Christophe Hansen sind mitverantwortlich für das Schicksal der Tiere, die in der EU zur Nahrungsmittelproduktion gehalten werden und von denen etwa 300 Millionen in Käfigen eingesperrt sind. Laut Analyse von Animal Equality verbrachten die Kommissare 15 Monate damit, sich mit der Tierindustrie zum Thema Tierschutz zu treffen, und kamen dabei kaum mit Organisationen in den Austausch, die sich für diese Tiere einsetzen. Das Wort „Käfig“ erschien in den angegebenen Meetingtiteln zu den 708 Treffen kein einziges Mal.

Im Detail zeigt die Auswertung von 708 Meetings der beiden Kommissare und ihrer Kabinette:

  • In mindestens 46 dieser Treffen diskutierten Vertreter*innen der Fleisch-, Geflügel- und Milchindustrie mit den Kommissaren und ihren Kabinetten über Tierschutz – siebenmal so häufig wie es offizielle Treffen mit Tierschutz-NGOs gab.
  • Nur 7 Mal hatten Tierschutzorganisationen vergleichbaren Zugang.
  • 0 Mal tauchte das Wort „Käfig“ in den Meetingtiteln auf.
  • 0 Mal wurde „Kükentötung“ („chick culling“) erwähnt.

Treffen mit Foie gras-Industrie statt Tierschutzorganisationen

Die Analyse zeigt außerdem, dass die beiden für den Vorschlag zur Überarbeitung der EU-Tierschutz-Gesetzgebung verantwortlichen Kommissare sich mit Vertreter*innen der Foie gras-Industrie trafen, um über Tierschutz zu sprechen – während keine einzige Tierschutzorganisation ein vergleichbares Treffen mit einem der beiden Kommissare verzeichnen konnte. Dies, obwohl Foie gras durch Zwangsfütterung hergestellt wird – eine Praxis, von der die EU selbst anerkennt, dass sie extremes Leid verursacht.

So traf sich der für Tierschutz zuständige Kommissar am 13. Februar 2025 mit Euro Foie Gras, offiziell zum Thema „Animal welfare and health“ („Tierschutz und Gesundheit“). Das Büro von Christophe Hansen empfing Euro Foie Gras am 18. Juni 2025, ebenfalls mit diesem Gesprächsthema. Im Oktober 2025 verabschiedete die Europäische Kommission anschließend einen delegierten Rechtsakt zu den Vermarktungsanforderungen für Geflügel, der es jedoch versäumte, die Lebergewichte zu begrenzen, die nur durch Zwangsfütterung erreicht werden können.

„Privilegierte Kanäle“ der Agrarlobby

Darüber hinaus geht aus dem Register der EU-Kommission hervor, dass European Livestock Voice (ELV) – jener Zusammenschluss der Agrar- und Tierindustrie, den die Investigativredaktion Lighthouse Reports 2023 als maßgeblich dafür identifiziert hat, dass das Gesetz zum Käfigverbot blockiert wurde – seine „5 recommendations for the Vision for the Future of EU Agriculture“ („5 Empfehlungen für die Vision für die Zukunft der EU-Landwirtschaft“) am 30. April 2025 direkt an das Kabinett von Kommissar Hansen übergeben hat. Laut Lighthouse Reports nutzte ELV „privilegierte Kanäle“ zu Kommissionsvertreter*innen „auf hoher Ebene“, woraufhin die internen Haltungen gegenüber Tierschutzgesetzgebung „äußerst negativ“ geworden sein sollen.

Animal Equality fordert Transparenz

Animal Equality hat am 11. März einen Antrag auf Zugang zu Dokumenten zu diesen „5 recommendations for the Vision for the Future of EU Agriculture“ nach dem Freedom of Information Act (FOI) gestellt. Der Antrag fragt ausdrücklich nach, was der konkrete Inhalt dieser fünf Empfehlungen war. Die Europäische Kommission hat nun 15 Arbeitstage Zeit, um zu antworten.

„Die Europäische Kommission hatte ein Versprechen einzuhalten. 190.000 Bürger*innen haben sie daran erinnert. Ihre Antwort war, sich 46 Mal mit der Industrie zu treffen, die von Käfigen profitiert, und nur 7 Mal mit den Organisationen, die die Tiere verteidigen. Das ist eine dokumentierte politische Entscheidung, eine bewusste Wahl dieser EU-Kommissare. Und nicht nur das: Der Lobbyverband, der das von 1,4 Millionen EU-Bürger*innen mit der EBI „End the Cage Age“ geforderte Käfigverbot blockiert hat, ist direkt in das Kabinett von Kommissar Hansen gekommen. Wir haben nun formell angefragt, worüber sie gesprochen haben – im Sinne der Transparenz und Rechenschaftspflicht, die die Europäische Kommission gegenüber den Bürger*innen schuldig ist. Wir fordern die Kommission auf, auf die Bürger*innen zu hören, anstatt sich nahezu ausschließlich mit Vertreter*innen der Tierindustrie zu treffen“, sagt Matteo Cupi, Vizepräsident von Animal Equality Europa.

Versprochenes Käfig-Aus ohne Gesetzesvorschlag

Bereits 2021 hatte sich die Kommission infolge der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“, die von 1,4 Millionen Bürger*innen unterstützt wurde, verpflichtet, einen Vorschlag zur schrittweisen Abschaffung von Käfigen vorzulegen. Diese Frist verstrich, ohne dass ein Vorschlag vorgelegt wurde.

Im Arbeitsprogramm 2026 – der formalen Erklärung der gesetzgeberischen Vorhaben der Kommission – findet sich erneut kein verbindlicher Vorschlag zur Reform des Tierschutzrechts. Stattdessen kündigte die Kommission „nichtlegislative“ Maßnahmen an, darunter Elemente zum Tierschutz im Rahmen einer „Livestock Strategy“. Als die Kommission bei einer Pressekonferenz erläutern sollte, was diese „Elemente zum Tierschutz“ konkret bedeuten, blieb sie eine klare Antwort schuldig. Dies ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem verbindliche Rechtsakte zum Tierschutz für in der Landwirtschaft gehaltene Tiere im Arbeitsprogramm der Kommission fehlen.

Proteste in Brüssel gegen Untätigkeit der EU-Kommission

Um auf dieses Nichthandeln hinzuweisen, hat Animal Equality in Brüssel eine Reihe von Protesten vor den Sitzen der zuständigen EU-Institutionen organisiert. Diese Aktionen sind Teil der Kampagne „EU-Tierschutzreform – Jetzt!“, mit der Animal Equality die anhaltende Untätigkeit der EU-Kommission anprangert. Die Kommission hat zwar zugesagt, die Nutzung von Käfigen zu verbieten, und mehrfach betont, wie dringend die Beendigung der systematischen Tötung männlicher Küken in der Eierindustrie ist – dennoch bleibt konkretes Handeln bisher aus.

Fotos und weitere Informationen:

Pressekit

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Über Animal Equality

Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.

Pressekontakt Animal Equality

Animal Equality Germany e.V.
Till Hartmann
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+49 (0)176 30040892