Undercover im Land mit der größten Schweinefleisch-Produktion in der EU: Animal Equality enthüllt gravierende Missstände in Spanien
Neue Undercover-Recherche zeigt systematische Tierquälerei in neun spanischen Zucht- und Mastbetrieben: Ferkel sterben qualvoll und Mutterschweine verstümmeln sich stressbedingt gegenseitig.
Verwesende Körper von Ferkeln, Mutterschweine mit blutigen Schnauzen, verstümmelte Jungtiere: Eine neue Undercover-Recherche der internationalen Tierschutzorganisation Animal Equality dokumentiert schwerwiegende Verstöße in neun Betrieben in der Region Aragón. Die Aufnahmen zeigen massives Tierleid in Spanien – Europas größter Produzent von Fleisch von Schweinen. Von qualvoll sterbenden Ferkeln über routinemäßiges Schwanzkupieren, das nach EU-Recht eigentlich verboten ist, bis hin zu katastrophalen Hygienezuständen.
Berlin, 19.02.2026
Verwesende Tierkadaver in Wassertrögen, Mutterschweine, die sich vor Stress die Schnauzen blutig beißen, ein neugeborenes Ferkel ohne Haut am Rücken mit freiliegendem Fleisch: Eine neue Undercover-Recherche der internationalen Tierschutzorganisation Animal Equality dokumentiert schwerwiegende Missstände in der spanischen Schweine-Fleischindustrie.
Die Aufnahmen wurden in neun Zucht- und Mastbetrieben in der Region Aragón erstellt und zeigen systematisches Tierleid, mutmaßliche Verstöße gegen EU-Vorgaben und gravierende hygienische Mängel. Spanien ist der größte Produzent von Fleisch von Schweinen in der EU und exportiert auch nach Deutschland. 2024 verarbeitete Spanien fast fünf Millionen Tonnen Fleisch von Schweinen – mehr als ein Viertel der gesamten europäischen Produktion. Über 53 Millionen Schweine wurden geschlachtet.
Systematische Grausamkeit
Massensterben in der Ferkelzucht: 15 Prozent der in Spanien geborenen Ferkel sterben, zählt man Totgeburten dazu, steigt die Rate auf 20 Prozent. Die Ermittler*innen dokumentierten in den Betrieben Ferkel, die in den ersten 24 Stunden von ihrer Mutter versehentlich erdrückt wurden. Bei einer Schweinemutter ragten die Hinterbeine ihres totgeborenen Ferkels aus ihrem Körper heraus. Um die Mutterschweine herum fanden wir mehrere tote Körper von Ferkeln. Viele Ferkel sind so schwach, dass sie die Zitzen ihrer Mutter nicht erreichen und verzweifelt an den Genitalien und am Rücken saugen. Sie werden dem Hungertod überlassen.
Extreme Fixierung der Mutterschweine: Sie werden in 203 cm langen und 61 cm breiten Kastenständen gehalten, in denen sie sich praktisch nicht bewegen können. Die Folgen sind Verhaltensstörungen und Selbstverletzung aufgrund von enormem Stress. Aufnahmen zeigen Mutterschweine mit blutigen Maul- und Nasenwunden, durch das Beißen an Metallstangen.
Verstümmelungen trotz EU-Verbot: Trotz des EU-weiten Verbots des routinemäßigen Schwanzkupierens (Richtlinie 2008/120/EG) werden in Spanien laut Schätzungen 95 Prozent aller Ferkel verstümmelt. Die Ermittler*innen fanden Eimer voller abgeschnittener Schwänze und amputierter Hoden, ein Ferkel mit offenen Kastrationswunden, aus denen Gewebe hervortrat, sowie verschmutzte Werkzeuge für die Eingriffe.
Schwere Verletzungen und katastrophale Hygiene: Zahlreiche Tiere leiden unter schweren Gesundheitsproblemen. Zu sehen sind Schweine mit fußballgroßen Entzündungen, offene Wunden voller Schmutz und Eiter und schwere Gebärmuttervorfälle. Tote Ferkel verwesen in Wassertrögen, bei den Futtertrögen sind Kot und abgetrennte Schwänze zu finden, Behälter mit toten Tieren und Plazenten stehen über Nacht offen – oft von Maden befallen.
Behörden versagen – Kontrollen finden fast nicht statt
Die spanischen Behörden kontrollieren nur 1,6 Prozent aller Betriebe jährlich – und selbst diese Kontrollen erfolgen meist mit Vorankündigung. Anzeigen von Animal Equality führen regelmäßig zu Verfahren, jedoch fast nie zu wirksamen Sanktionen.
Europäisches Problem – internationale Verantwortung
Während die EU über das Ende der Käfighaltung diskutiert, schützen die spanischen Behörden weiterhin die Industrie statt die Tiere. Das ist besonders problematisch, da Spanien als größter Produzent für Fleisch von Schweinen in der EU mit über einem Viertel der gesamten europäischen Produktion eine Schlüsselrolle auf dem europäischen Markt einnimmt.
Das dokumentierte Leid ist kein Einzelfall: Auch in Deutschland leiden Tiere in der industriellen Agrarindustrie unter Stress und gesetzlich erlaubten Grausamkeiten. Die Recherche unterstreicht die Dringlichkeit internationaler Zusammenarbeit, um Missstände sichtbar zu machen und Tierleid zu reduzieren.
Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an [email protected] oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 30040892.
Fotos und weitere Informationen:
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Artikel mit Video über die Undercover-Recherche
Bildnachweis für Fotos: Animal Equality
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Das Rohmaterial des Videos kann auf Anfrage bereitgestellt werden.
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Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenlose pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.
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