Tierschutzskandal mitten in Europa: Pferde bei Bewusstsein getötet
Undercover-Recherche zeigt, wie grausam das Schlachten von Pferden ist – schockierende Aufnahmen von Animal Equality aus Norditalien
Die internationale Tierschutzorganisation Animal Equality hat undercover in einem norditalienischen Schlachthof recherchiert und brutale Verstöße gegen geltende EU-Tierschutzvorgaben dokumentiert. Viele der in Italien getöteten Pferde kommen mit Lebendtransporten über lange Strecken aus anderen europäischen Ländern. Das Fleisch der toten Tiere wird wiederum in die ganze EU exportiert – auch nach Deutschland.
Berlin/Correggio, 17.02.2026
Pferde, die bei Bewusstsein geschlachtet werden, extreme Gewalt, illegale Praktiken: Eine neue Undercover-Recherche der internationalen Tierschutzorganisation Animal Equality deckt schockierende Zustände im norditalienischen Pferde-Schlachtbetrieb Zerbini & Ragazzi in der Provinz Reggio Emilia auf.
Die Bilder aus den Jahren 2024 und 2025 zeigen massive Verstöße gegen europäische Tierschutzgesetze. Über 50 Pferde pro Woche werden in dem untersuchten Betrieb getötet, der sich selbst als Vorzeigebetrieb präsentiert. Aufgrund der dokumentierten Zustände hat Animal Equality Strafanzeige gegen den Schlachtbetrieb erstattet. Die zuständigen Behörden prüfen derzeit die Beweise.
Italien ist europaweiter Spitzenreiter, was die Anzahl geschlachteter Pferde anbelangt. Viele von ihnen kommen über weite Langstreckentransporte aus anderen europäischen Ländern. Die Tiere werden gezwungen, stundenlang in überfüllten Lastwagen zu stehen, wobei viele Verletzungen erleiden und an Transportfieber, einer Erkrankung der Atemwege, die häufig mit Langstreckentransporten einhergeht, erkranken. Viele Pferde leiden durch die Transporte an Gewichtsverlust, Müdigkeit und Dehydrierung. Italien selbst gehört zu den größten Konsumenten von Fleisch von Pferden. Zudem exportiert das Land jährlich rund 1.000 Tonnen Fleisch von Pferden in andere Länder.
Deutschland importiert über 2.000 Tonnen Fleisch von Pferden pro Jahr
Die Missstände sind auch für Verbraucher*innen in Deutschland relevant: Deutschland selbst schlachtet jährlich mehr als 3.000 Pferde pro Jahr und importiert über 2.000 Tonnen Fleisch von Pferden – rund 100 Tonnen davon stammen aus Italien. Zahlreiche deutsche Unternehmen bieten Fleisch von Pferden als Lebensmittel oder als Tiernahrung an. Animal Equality hat mehrere dieser Unternehmen über die Aufdeckungen der Undercover-Recherche informiert und offiziell angefragt, ob der betroffene Schlachtbetrieb Teil ihrer Lieferkette ist. Die Unternehmen Metro, Transgourmet und Vet-Concept ließen diese Frage unbeantwortet (Stand: 16.02.2026).
„Verbraucher*innen haben ein Recht darauf, zu erfahren, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden, deren Fleisch sie kaufen oder an ihre Haustiere verfüttern. So können sie fundierte Entscheidungen darüber treffen, ob sie das Leid, das wir bei unserer Undercover-Recherche aufgedeckt haben, unterstützen wollen oder nicht. Dass diese Unternehmen keine Angaben dazu machen wollen oder können, ist in höchstem Maße besorgniserregend“, kommentiert Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland.
Systematische Grausamkeit
Die Recherche von Animal Equality dokumentiert unter anderem:
- Fehlbetäubungen: Viele Pferde wurden nicht ausreichend betäubt. Einige Tiere zeigten noch deutliche Anzeichen von Bewusstsein und Schmerzempfindungen, während sie getötet wurden.
- Unzulässige Betäubungspraxis: Mehrere Pferde wurden gleichzeitig in derselben Box betäubt – ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften, der das Risiko von Fehlbetäubungen massiv erhöht.
- Extreme Gewalt: Arbeiter*innen schlugen die Pferde und peitschten sie aus. Ein Pferd wurde mit einem Stock ins Gesicht geschlagen, um es zu zwingen, den Kopf zu heben.
- Unhygienische Bedingungen: Die Pferde mussten mehrere Tage vor ihrer Schlachtung in unhygienischen Boxen fristen, umgeben von ihren eigenen Exkrementen. Der Körper eines gestorbenen Pferdes wurde stundenlang im Betrieb liegen gelassen.
Ein EU-weites Problem
Das in Italien dokumentierte Leid ist kein Einzelfall und kein rein italienisches Problem. Solche Zustände hat Animal Equality unter anderem auch schon in Spanien dokumentiert. Und auch in Deutschland und anderen EU-Ländern werden Pferde geschlachtet. Weltweit sind es jährlich über 4,5 Millionen Pferde, davon über 123.000 Tiere in der Europäischen Union.
„Pferde sind hochsensible und intelligente Lebewesen, die tiefe soziale Bindungen eingehen. Was unsere Ermittler*innen in diesem Schlachthof dokumentiert haben, ist erschütternd. Das Schlachten von Pferden sowie der Export müssen in ganz Europa beendet werden“, so Vanessa Raith. Animal Equality fordert mit einer Petition die Gesetzgebung auf, ein entsprechendes Verbot einzuführen, mit bereits über 72.000 Unterschriften von Unterstützer*innen.
Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an [email protected] oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 30040892.
Fotos und weitere Informationen:
Pressekit inkl. Bildmaterial
Recherche-Video auf YouTube
Artikel mit Video über die Undercover-Recherche
Kampagne von Animal Equality mit Petition: „Beende das Schlachten von Pferden“
Bildnachweis für Fotos und Videomaterial: Animal Equality
Nur für redaktionelle Berichterstattung im Zusammenhang mit der Undercover-Recherche im norditalienischen Pferde-Schlachtbetrieb Zerbini & Ragazzi in der norditalienischen Provinz Reggio Emilia von Animal Equality.
Das Rohmaterial des Videos kann auf Anfrage bereitgestellt werden.
Quellen:
Statistisches Bundesamt: Anzahl geschlachteter Pferde in Deutschland
World Integrated Trade Solution: Export von Pferdefleisch aus Italien
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Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenlose pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.
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