Hühner, die nicht laufen können: Eine Recherche blickt hinter die Fassade der Hühnermast
Eine neue Recherche von Animal Equality dokumentiert die Grausamkeit, unter der sogenannte Masthühner in der industriellen Tierhaltung leiden. Das Bildmaterial zeigt Tiere, die nicht mehr laufen können, verwesende Tierkörper neben lebenden Artgenossen und Vögel mit stark geschädigtem Gefieder – unmissverständliche Folgen einer extremen Form der Ausbeutung.
Unsere Ermittler*innen dokumentierten diese Zustände in drei argentinischen Betrieben. Doch auch wenn die Aufnahmen aus Südamerika stammen, ist die Realität in europäischen und deutschen Ställen vergleichbar: Überzüchtete Hühner in gigantischen Hallen prägen das globale System der Hühnermast.
Systematische Qual: Was die Recherche offenlegt
Die Aufnahmen zeigen Hühner mit schwersten Bewegungsstörungen. Mit komplett abgespreizten Beinen versuchen sich die Tiere mit ihren Flügeln über den Boden zu schieben, um an Wasser zu kommen.
Zudem dokumentiert das Material verweste Tierleichen direkt neben Tränken und Futterplätzen. Die Kadaver inmitten der lebenden Tiere erhöhen das Risiko für Infektionen und Krankheiten im gesamten Betrieb extrem.
Ebenso weisen zahlreiche Hühner Gefiederverlust, Verbrennungen und Hautschädigungen auf, die durch den ständigen Kontakt mit Urin und Exkrementen verursacht werden – ein klarer Indikator für schwere Missstände.

Das Geschäft mit dem rasenden Wachstum
Seit Jahrzehnten züchtet die Landwirtschaft Hühner darauf, in immer kürzerer Zeit so schnell und schwer wie möglich zu werden – ein System, das darauf ausgelegt ist, den wirtschaftlichen Gewinn auf Kosten der Tiere zu maximieren.
Ein Küken schlüpft mit einem Gewicht von gerade einmal 44 Gramm.
Nach nur 42 Tagen – dem Alter, an dem die meisten Masthühner geschlachtet werden – wiegt es rund 3,2 Kilogramm.
Das ist mehr als das 70-Fache seines Geburtsgewichts.
Dieses extrem beschleunigte Wachstum führt häufig zu Knochendeformationen, Lahmheit und Herz-Kreislauf-Versagen. Selbst in ihrer letzten Lebenswoche nehmen diese Qualzuchten täglich über 100 Gramm an Masse zu – ein Tempo, dem das eigene Skelett schlicht nicht gewachsen ist. Dieses krankhafte Wachstum erschwert es vielen Tieren, zu laufen oder Futter und Wasser zu erreichen.
Die Schäden durch dieses unnatürliche Wachstum sind wissenschaftlich belegt. Forscher*innen haben festgestellt, dass das extreme Tempo die gesunde Körperentwicklung der Hühner komplett aus dem Gleichgewicht bringt. Weil die Knochen mit dem erzwungenen Massezuwachs nicht mithalten können, leiden viele Masthühner an schweren Erkrankungen des Bewegungsapparats, besonders an den Beinen.
Ein globales Problem – auch in Deutschland
Die Recherche dokumentiert ein System, das keine Ländergrenzen kennt. Auch in Deutschland gehört die Verwendung von extrem schnellwachsenden Qualzucht-Linien zum Standard in der Hühnermast. Selbst Haltungsformen mit geringfügig mehr Platz ändern nichts an den genetisch bedingten Schmerzen und Qualen, unter denen die überzüchteten Tiere jeden Tag leiden.
Sowohl in Deutschland als auch international stoßen behördliche Kontrollen regelmäßig an ihre Grenzen, da sie meist nur die technische Infrastruktur der Ställe überprüfen, nicht aber das individuelle Leid der Tiere im Detail erfassen können.

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