Protest-Offensive gegen Käfige: Aktivist*innen aus ganz Europa fordern EU-Kommission zum Handeln auf
170 Menschen protestieren in Brüssel – deutscher EU-Abgeordneter Sebastian Everding unterstützt die Tierschützer*innen
„Macht eure Arbeit“ und „Käfige abschaffen“ – die Rufe der Aktivist*innen von Animal Equality hallten an den vergangenen zwei Tagen durch das Europaviertel in Brüssel. Mit mehreren Protestaktionen machten sie erneut auf das Leid der Tiere, die gebrochenen Versprechen der EU-Kommission und die Forderungen von Millionen EU-Bürger*innen aufmerksam. Mit der Veröffentlichung der „Strategie für Nutztierhaltung“ (Livestock Strategy) Anfang Juli wird sich zeigen, ob die verantwortlichen Politiker*innen den Schutz von Millionen Tieren in der EU verbessern und damit ihre jahrelangen Versprechen endlich einlösen.
Berlin/Brüssel, 24.06.2026
Bereits 2020 kündigte die EU-Kommission im Rahmen der „Farm to Fork“-Strategie (Vom Hof auf den Tisch) an, die Tierschutzgesetzgebung bis Ende 2023 umfassend zu überarbeiten. 2021 folgte nach der erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“ mit über 1,4 Millionen Unterschriften die konkrete Zusage, die Käfighaltung schrittweise zu beenden – mit einem Legislativvorschlag bis Ende 2023. Diese Fristen sind längst verstrichen – doch die Forderungen der Bevölkerung bleiben und die Dringlichkeit für Verbesserungen im Tierschutz ist höher denn je.
Jetzt bewegt sich etwas: Die EU-Kommission will Anfang Juli ihre „Strategie für Nutztierhaltung“ (Livestock Strategy) vorstellen. Sie wird die Richtung vorgeben, ob der für das vierte Quartal 2026 geplante Legislativvorschlag zum Tierschutz verpflichtende Maßnahmen wie ein Käfigverbot enthält – oder ob die EU-Kommission ihr Versprechen erneut bricht oder durch unverbindliche Empfehlungen und endlose Übergangsfristen verwässert.
Tierschützer*innen setzen EU-Kommission unter Druck
Seit Februar dieses Jahres führt die international tätige Tierschutzorganisation Animal Equality eine intensive Kampagne mit drei konkreten Forderungen an die EU-Kommission:
- Noch in 2026 eine vollständige und verbindliche Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung vorzulegen.
- Dabei endlich den schrittweisen Ausstieg aus der Käfighaltung verbindlich durchzusetzen.
- Das Töten von männlichen Küken – sogenanntes Kükentöten – direkt nach der Geburt zu verbieten.
Mit einem Offenen Brief, den alle EU-Bürger*innen unterzeichnen können, und regelmäßigen Protestaktionen, wie jetzt am 22. und 23. Juni, richten die Tierschützer*innen ihre Forderungen direkt an die Verantwortlichen. Im Fokus stehen Olivér Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, sowie Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung. Dieser tagte zur selben Zeit mit dem EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei (AGRIFISH), um über die Zukunft der Agrarindustrie zu sprechen – das Thema Tierschutz stand wieder einmal nicht auf der Tagesordnung. Rund 170 Menschen aus ganz Europa forderten währenddessen mit Plakaten und Megafonen an der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (SANTE) und dem Berlaymont-Gebäude, dem Hauptsitz der EU-Kommission, in Brüssel: „Macht eure Arbeit!“
Mehrere Mitglieder des Parlaments zeigten Interesse an den Aktionen und bekundeten ihren Zuspruch. Unter anderem schloss sich der deutsche EU-Abgeordnete Sebastian Everding (Fraktion Die Linke im Europäischen Parlament – GUE/NGL) am Montagnachmittag den Aktivist*innen an. Auch er machte deutlich: „Die Europäische Kommission muss endlich ihre Versprechen einlösen.“ Und betonte, dass „es um Respekt und Mitgefühl gegenüber fühlenden Lebewesen geht“.
Tierschutzreform dringend notwendig
In der EU werden noch immer rund 300 Millionen Tiere in Käfigen gehalten, obwohl die von der EU-Kommission selbst beauftragte Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in mehreren Gutachten (u. a. zu Schweinen, Legehennen, Enten, Gänsen, Wachteln) klar festgestellt hat: Käfighaltung ist mit erheblichem Tierleid verbunden und muss beendet werden. Auch im Zusammenhang mit dem Kükentöten hat die EFSA auf Tierschutzbedenken hingewiesen und die Entwicklung sowie den Einsatz von Alternativen empfohlen. Aber noch immer werden jedes Jahr rund 330 Millionen männliche Küken in der EU direkt nach der Geburt lebendig geschreddert oder mit Gas getötet.
Neben der herausragenden Teilnahme an der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“, fordern auch 84 % der Europäer*innen laut Eurobarometer 2023 einen besseren Schutz für sogenannte Nutztiere. Ebenso sprachen sich in der öffentlichen Konsultation zum Tierschutz der EU-Kommission (2025) von über 190.000 gültigen Antworten rund 99 % für ein Ende der Käfighaltung aus.
„Wenn die EU-Kommission jetzt wieder keinen Vorschlag für verbindliche und konsequente Tierschutzverbesserungen liefert, dann macht sie damit unmissverständlich klar: Für sie zählen weder Fakten noch der demokratische Wille. Und das ist absolut inakzeptabel. Die Kommission muss jetzt handeln!“
– Till Hartmann, Campaigner Animal Equality Deutschland
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Bildnachweis: Animal Equality. Nur für redaktionelle Berichterstattung im Zusammenhang mit der Kampagne „EU-Tierschutzreform – Jetzt!“ von Animal Equality.
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Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.
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