Vegan leben als Familie: “Wir müssen den Tieren unsere Stimme geben!”

Familie Freese hat ein gemeinsam Vorhaben: das Leid der Tiere in der Nahrungsmittelindustrie nicht weiter zu unterstützen! Vor etwa zwei Jahren wurden Sonja, Markus und ihre drei Töchter Mila, Annika und Jana durch einen Infostand von Animal Equality auf die Grausamkeiten der Massentierhaltung aufmerksam und beschlossen bald darauf, auf eine vegane Ernährung umzusteigen. Im Gespräch mit Animal Equality erklärt die fünfköpfige Familie was sie dazu bewogen hat, ihr Leben zu verändern und warum die Ernährungsumstellung wichtig ist, um den Tieren zu helfen.


“Wir müssen den Tieren unsere Stimme geben, damit keiner mehr sagen kann: „Das habe ich gar nicht gewusst!“


Familie Freese; Fotos: Michele Cappiello 

Wie seid ihr auf Animal Equality aufmerksam geworden?

Sonja: Anfang 2018 trafen wir an einem Informationsstand in Münster Christel Timte, die für euch ehrenamtlich aktiv ist. Sie hat uns umfangreich mit Informationsmaterial über Massentierhaltung versorgt und uns auf sanfte Weise inspiriert, intensiver über dieses Thema nachzudenken.

Was habt ihr durch die Aufklärung unserer freiwilligen Helferin Christel gelernt? Etwas, das ihr vorher noch nicht wusstet?

Mila: Wir haben z.B. gelesen, dass ein Forscherteam die Sprache zwischen Kühen und ihren Kälbern untersucht hat. Jede Kuh gibt spezielle Laute von sich, wenn sie mit ihrem Kalb kommuniziert. Genauso wie jeder Mensch eine eigene Stimme hat. Im letzten Sommer haben wir selbst erlebt, wie sehr die Mutterkühe auf der Weide leiden, wenn sie von ihren Kälbern getrennt werden. Sie haben tagelang verzweifelt gemuht. Darüber waren wir sehr traurig.

Hattet ihr die Gelegenheit, euch unsere VR-Brillen aufzusetzen und die iAnimal-Videos anzusehen? Falls ja, was habt ihr erfahren und wie ging es euch dabei?

Annika: Nein, eure VR-Brillen haben wir bisher noch nicht getestet. Letztens haben wir uns aber ein Video angeschaut, wie Gordon und Aljosha von „veganistungesund“ in einem Schweinestall das furchtbare Leid der Schweine gezeigt haben. Überall lagen kleine hilflose Ferkel herum, die erschlagen oder einfach entsorgt wurden. Das war grausam.

Sonja: Gut, dass Animal Equality und andere Tierschutzorganisationen über diese Missstände aufklären und dass es Petitionen gegen diese Tierquälereien gibt. Ich wünsche mir sehr, dass vor allem Kinder wieder mehr Kontakt zu Schweinen, Schafen, Kühen, Hühnern und anderen Tieren hätten. Damit sie verstehen, dass für die Mortadella auf ihrem Brot ein Tier sterben musste. Deshalb finde ich Lebenshöfe sinnvoll, wie z.B. „Lasst die Tiere leben e.V.“ in Berlin oder „iowafarmsanctuary“. Sie zeigen mit ihren Beiträgen auf Instagram, wie aus ehemals gequälten Tieren glückliche Tiere werden können. Das macht uns große Hoffnung.

Wir würden uns wünschen, es gäbe einen Lebenshof in unserer Nähe. Dort würden wir uns sehr gern engagieren!

Inwiefern hat unsere Aufklärungskampagne euer Leben verändert?

Markus: Wir haben uns mit dem Thema „vegane Ernährung“ auseinandergesetzt. Ich war früher skeptisch, ob vegane Ernährung für unsere Kinder gesund ist. Deshalb besuchten wir im März 2018 die Vegginale in Münster. Der Vortrag von Niko Rittenau hat uns davon überzeugt, dass eine gesunde vegane Ernährung für unsere ganze Familie möglich ist, wenn wir ein paar Dinge beachten.

Seid ihr selbst aktiv für Tiere?

Annika: Wir unterstützen regelmäßig verschiedene Tierschutzorganisationen. Wenn wir verletzte Wildtiere finden, bringen wir sie zum Tierarzt. Wir könnten bestimmt noch mehr für die Tiere tun, z.B. bei Aufklärungsaktionen in Münster mitmachen.

Warum ist es so wichtig, dass wir uns für die Tiere einsetzen und ein Bewusstsein für die Folgen der Massentierhaltung schaffen?

Jana (15): Ich denke an die Schweine in den Kastenständen, sie können sich nicht hinlegen oder umdrehen. Warum helfen die Menschen den Tieren nicht, obwohl bestimmt keiner will, dass sie leiden? Das ist so unfair! Manchmal frage ich mich, ob die Menschen gar nicht wissen wollen, was mit den Tieren passiert, bevor sie sie essen.

Sonja: Wir müssen den Tieren unsere Stimme geben, damit keiner mehr sagen kann: „Das habe ich gar nicht gewusst!“

Wie reagieren eure Mitmenschen in der Regel, wenn ihr sie auf das Leid der “Nutztiere” aufmerksam macht?

Annika (14) : Sie sagen: „Hör auf! Ich will das nicht hören“ oder „Ich kann mir das nicht angucken!“

Jana: Manche entschuldigen sich: „Ich esse nur ganz wenig Fleisch.“ Teilweise werde ich auch gefragt, warum Veganer Fleischersatzprodukte essen, wenn sie doch gar kein Fleisch essen wollen? Ich antworte dann, dass mir gebratenes Tofu oder Tempeh einfach gut schmeckt und dafür kein Tier sterben muss.

Markus: Unsere Freunde sind ganz entspannt. Inzwischen gibt es bei vielen Gelegenheiten auch pflanzliche Leckereien im Angebot.

Was würdet ihr Menschen mit ans Herz geben, die Haustiere haben, aber Fleisch, Eier und Milchprodukte konsumieren?

Mila (12) : Ich würde sie fragen, welchen Unterschied sie zwischen ihrer Katze, ihrem Hund und einem Ferkel oder Schaf machen? Wir würden am liebsten ein Schwein in unsere Familie aufnehmen, dann hätte unsere Hündin Polly einen Spielgefährten!

Sonja: Wenn ich gefragt werde, warum wir eine pflanzliche Ernährung bevorzugen, sage ich, dass der Verzicht auf tierische Lebensmittel das Leid der Tiere reduziert. Außerdem lege ich interessierten Menschen die Aufklärung von Animal Equality an´s Herz.

Was kann jede*r einzelne von uns tun, um den Tieren zu helfen?

Markus: Macht euch auf den Weg. Informiert euch über eine vegetarische und vegane Lebensweise. Probiert es aus und macht kleine Schritte, damit es für euch ein Gewinn an Lebensqualität wird und kein Verlust! Aber macht den Menschen, die sich nicht dafür interessieren, keine Vorwürfe.

Ist euch als Familie die Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung schwer gefallen? 

Jana: Nein, ich habe mich schon während meiner Grundschulzeit entschieden vegetarisch zu leben, weil ich keine Tiere mehr essen wollte. Da wir uns mit den Themen Tierleid und den negativen Folgen der Massentierproduktion auf die Umwelt schon länger beschäftigen, ist es für mich selbstverständlich, tierische Erzeugnisse von meinem Speiseplan zu streichen. Heute finde ich es unvorstellbar für ein paar Minuten „Genuss“ ein Tierleben auf dem Gewissen zu haben.

Sonja: Die Umstellung ist uns nicht schwer gefallen, weil wir nach und nach auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichtet haben. Wir leben bereits seit 2014 vegetarisch. Jana und Annika ernähren sich seit 2018 rein pflanzlich. Markus, Mila und ich machen bei Milchprodukten gelegentlich Ausnahmen, wenn wir außerhalb essen. Zuhause gibt es aber nur Pflanzliches, auch wenn wir Besuch haben.


“Wir sollten die Tradition hinterfragen, warum wir als Menschen die Muttermilch, die für die Kälbchen bestimmt ist, überhaupt trinken, wir mögen ja auch keine Hunde- oder Katzenmilch.”

Habt ihr Tipps für Personen, die Tierleid nicht unterstützen möchten, aber “einfach nicht auf Käse verzichten können”?

Markus: Schaut euch im Internet Beiträge zum Thema „Vegane Ernährung“ an. Ich musste da in dem Moment einfach durch und habe gehofft, dass es irgendwann leckere Käse-ähnliche Produkte gibt. Inzwischen mag ich „Simply V“ und „bedda“-Scheiben mit Pfeffer sehr gern.
Jana: Wir sollten die Tradition hinterfragen, warum wir als Menschen die Muttermilch, die für die Kälbchen bestimmt ist, überhaupt trinken, wir mögen ja auch keine Hunde- oder Katzenmilch.

Oder für solche, die davon ausgehen, eine ganze Familie vegan zu ernähren sei viel zu kompliziert?

Sonja: Jede Familie sollte sich die Zeit nehmen, die sie benötigt um ihre Ernährung umzustellen. Sucht euch Unterstützung durch Gleichgesinnte und Experten. Von Niko Rittenau haben wir z.B. gelernt, dass jede Ernährungsform Mangelerscheinungen mit sich bringen kann.

Jana: Wir haben eine tolle Ernährungsberaterin an unserer Seite, die sich mit pflanzlicher Ernährung sehr gut auskennt. Sie überprüft regelmäßig, ob wir alle Nährstoffe aufnehmen. Vitamin B12 müssen wir ergänzen.

Was ist euer liebstes, tierleidfreies Familiengericht?

Wir mögen besonders gern Lasagne, Pizza und Wraps mit Falafeln und Gemüse.


Herzlichen Dank, liebe Familie Freese (mit Hund Polly) für euer Engagement und euren Einsatz für die Tiere!


Fotos: Michele Cappiello

Sie und Ihre Familie möchten Tieren helfen und die vegane Ernährung einmal ausprobieren? Love Veg, unser kostenloser Ernährungsguide begleitet und versorgt Sie mit hilfreichen Tipps und leckeren Rezepten!

Erfahren Sie mehr über unser einzigartiges Virtual-Reality-Projekt iAnimal.